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Myokine

Muskeln setzen beim Training Stoffe frei, die Krebswachstum hemmen können

Ein Mann mit einer Kurzhantel
Training sorgt dafür, dass die Muskeln Myokine freisetzen. Die helfen wiederum, das Krebswachstum zu hemmenFoto: Getty Images

Sport hält fit und gesund – und kann vielleicht sogar den Krebs besiegen? Eine Studie mit Krebspatienten weckt entsprechende Hoffnungen. Im Rahmen der Untersuchung erwiesen sich die beim Training in den Muskeln freigesetzte Botenstoffe als wahre Geheimwaffen gegen Krebszellen.

Wenn wir uns bewegen, entsenden unsere Muskeln Proteine in unser Blut, sogenannte Myokine. Diese können entzündungshemmend wirken, die Bildung neuer Muskelmasse unterstützen oder sogar das Risiko für Diabetes senken. Laut einer australischen Studie können sie sogar noch mehr. Die beim Training freigesetzten Botenstoffe scheinen auch das Krebswachstum hemmen zu können.

Studie mit Prostatakrebs-Patienten

Forscher der Edith Cowan University (Australien) studierten zehn Probanden mit Prostatakrebs, die durchschnittlich 70 Jahre alt waren und zum Zeitpunkt der Untersuchung eine für diese Krebsart typische Hormonbehandlung machten. Die übergewichtigen Männer absolvierten ein zwölfwöchiges Sportprogramm, das aus angeleitetem Krafttraining und Ausdauersport bestand. Außerdem erhielten sie Protein in Form von Nahrunsgergänzungsmitteln.

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Zu Beginn und am Ende der zwölf Wochen wurde den Probanden Blut abgenommen, das die Wissenschaftler auf die Menge der enthaltenen Myokine hin untersuchten und dann anschließend direkt an lebenden Krebszellen testeten.1

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Durch Training mehr Myokine und weniger Krebswachstum

Das Blutbild der Studienteilnehmer wies nach den zwölf Wochen Training mehr Myokine auf. Außerdem konnten die Wissenschaftler zeigen, dass diese das Krebswachstum hemmen. „Wir haben sowohl das vor dem Training entnommene Blut als auch das nach dem Training entnommene Blut über lebende Prostatakrebszellen gegeben. Dabei konnten wir eine signifikante Unterdrückung des Wachstums dieser Zellen feststellen – und zwar durch das nach dem Training entnommene Blut“, erklärte Studienbetreuer Prof. Robert Newton in einer Pressemitteilung.2 „Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass kontinuierliches Training eine krebshemmende Umgebung im Körper schafft.“

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Myokine signalisieren T-Zellen, den Krebs zu bekämpfen

Während durch Training freigesetzte Myokine es schaffen, das Krebswachstum zu bremsen, können sie im Zusammenspiel mit anderen Körperzellen sogar noch mehr. „Myokine selbst können die Krebszellen nicht zerstören. Aber sie signalisieren unseren Immunzellen – den T-Zellen – den Krebs anzugreifen und abzutöten“, erklärt Forschungsleiter Jin-Soo Kim.

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Kann Training auch gegen andere Krebsarten helfen?

Die australische klinische Studie fokussierte sich auf Prostatakrebs-Patienten, doch sind sich die Wissenschaftler sicher, dass der gleiche Effekt auch auf andere Krebsarten übertragbar ist. Zurzeit wird an der ECU diesbezüglich weiter geforscht. Was diese hoffnungsvolle Studie zum Thema Training und verlangsamten Krebswachstum auf jeden Fall gezeigt hat: wie wichtig Bewegung ist! Selbst dann, wenn man bereits schwer erkrankt ist und vielleicht schon ans Aufgeben denkt.

In diesem Beitrag von Fitnessprofessor Dr. Stephan Geisler lesen Sie übrigens, welche gesundheitlichen Vorteile Muskeltraining noch bringt. Viel Spaß!

Quellen