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Bei heißen Außentemperaturen

Ist ein Sprung ins kalte Wasser lebensgefährlich?

Frau beim Sprung ins kalte Wasser
Ein scheinbar harmloser Sprung ins kalte Wasser kann potenziell lebensgefährlich. Das behauptet jedenfalls die DLRG. FITBOOK fragte beim Notfallmediziner nach.Foto: Getty Images

Für die einen gibt es nichts Erfrischenderes als einen Sprung ins eiskalte Wasser – die anderen fürchten dadurch einen „Herzschlag“. FITBOOK hat bei Experten nachgefragt, wie berechtigt es ist, wenn vor schweren Folgen für das Herz-Kreislauf-System gewarnt wird.

Dass bei hohen Temperaturen ein Sprung ins kalte Wasser gefährlich sein soll, mag für manchen Saunagänger überraschend klingen. Schließlich ist der plötzliche Temperaturunterschied zwischen sehr heiß und sehr kalt ein wichtiger Bestandteil des Saunagangs. Dennoch schreibt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG): „Durch plötzliches Eintauchen in eiskaltes Wasser wirken in den ersten ein bis drei Minuten auf den menschlichen Körper lebensbedrohliche Reflexe ein“.

Konkret heißt das: Atemfrequenz, Puls und Blutdruck sollen sich in lebensbedrohlichem Maße erhöhen können. Gleichzeitig soll einem in sehr kaltem Wasser schneller die Luft ausgehen. Die DLRG warnt weiter vor Koordinationsproblemen und extremem Temperaturverlust im Brustkorb, der zum Kreislaufversagen führen kann. Zudem seien auch die Muskel- und Nervenzellen weniger leistungsfähig. Eine häufige Folge sei plötzliches Ertrinken durch Kälteschock. Ein Sprung ins kalte Wasser sei umso gefährlicher „je größer die Temperaturdifferenz zwischen Wasser- und Körpertemperatur ist und je mehr Körperoberfläche benetzt wird“, steht es in der Veröffentlichung weiter.

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Bei Hitze lieber kein Sprung ins kalte Wasser?

FITBOOK hat sich bei einem Mediziner erkundigt, ob die Darstellung der DLRG nicht womöglich etwas überzogen ist. Dr. med. Falk Stirkat, Allgemein- und Notfallmediziner im Medic-Center in Nürnberg, kann jedoch keine Entwarnung geben. „Insbesondere an sehr heißen Tagen setzt man den Körper einer extremen Belastung aus, wenn man unbedacht und, ohne sich abzukühlen, ins kalte Wasser springt.“

Ursache dafür seien bestimmte Anpassungsmechanismen des Körpers, die für einen stabilen Blutdruck sorgen und sehr temperaturabhängig sind. „So ziehen sich die kleinen Blutgefäße bei einer plötzlichen Verringerung der Hauttemperatur reflexartig zusammen“, erklärt der Fachmann, „und das kann im schlimmsten Fall zu einem akuten Schockzustand führen.“ Der plötzliche Pulsanstieg, den auch die DLRG angeführt hat, belaste das Herz.

Während junge, sportliche Menschen einen Sprung ins kalte Wasser besser wegstecken können, kann dieser bei älteren und insbesondere bei vorerkrankten Personen mitunter gefährlich bis hin zu lebensgefährlich sein. Dr. Stirkat empfiehlt daher JEDEM, sich vor dem Gang ins Wasser – „und bei heißen, sommerlichen Temperaturen ist jedes Wasser verhältnismäßig kalt!“ – Schritt für Schritt abzukühlen und so auf den Kältereiz vorzubereiten.

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Und was ist nun mit der Sauna?

Auch wenn sich Saunabesuche langfristig positiv auf das Herz-Kreislauf-System auswirken sollen: Menschen mit einer gesundheitlichen Vorbelastung sollten es mit wechselnden Temperaturreizen nicht übertreiben. Auch der Deutsche Sauna-Bund rät Bluthochdruck-Patienten dringend vom Kältebecken ab, da sich die durch Wärme erweiterten Blutgefäße der Haut durch den Schock zusammenziehen können und dadurch ein Anstieg des Blutdrucks droht. In einer entsprechenden Mitteilung heißt es: „Deshalb sollten Personen mit erhöhtem Blutdruck auf das kalte Tauchbecken verzichten und sich stattdessen nur kalt abduschen oder mit Güssen abkühlen.“

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