Bild.de Hier geht es zurück zu Bild.de
Gesundheitspartner
von FITBOOK

Manche Menschen essen ihre Haare – und können daran sterben

Mädchen mit langen Haaren
Es sind häufiger Mädchen, die am Rapunzel-Syndrom leiden. Sprich: ihre eigenen Haare essen. FITBOOK erklärt die Gefahren des Krankheitsbilds.Foto: Getty Images

Wenn Menschen mit Absicht ihre eigenen Haare essen, steckt eine psychische Störung dahinter. Das sogenannte Rapunzel-Syndrom äußert sich mit extremen Beschwerden und kann ohne rechtzeitiges (Be-)Handeln tödlich enden. FITBOOK stellt das Krankheitsbild vor.

Trichophagie ist der Fachbegriff für den Verzehr von Haaren. Bei Menschen, die ihre Haare essen, sprechen Mediziner vom sogenannten Rapunzel-Syndrom. Allerdings ist die Diagnose nicht so leicht zu stellen.

Symptome des Rapunzel-Syndroms

Durch das Rapunzel-Syndrom hervorgerufene Beschwerden sind relativ unspezifisch. Betroffene nehmen oft stark an Gewicht ab, haben Verdauungsprobleme und Schmerzen. Ähnliche Symptome haben bspw. ein Magentumor und verschiedene andere Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts.

Der Befund Rapunzel-Syndrom mag zwar nicht naheliegend sein. Laut einem Bericht der „Ärztezeitung“ isst aber immerhin eines von 2.000 Mädchen seine eigenen Haare. Demnach sind die Betroffenen meist weiblich und selten über 30 Jahre alt.

Auch interessant: Bei sexuell aktiven Frauen setzen die Wechseljahre später ein

Rapunzel-Syndrom lebensbedrohlich

Haare sind für den Menschen unverdaulich. Wer versehentlich eines verschluckt, braucht sich deshalb noch keine Sorgen zu machen. Kommt es jedoch immer wieder dazu, binden sie sich im Verdauungstrakt zu einem Knäuel zusammen. Auch alle weiteren verschluckten Haare verknoten sich damit.

„Die großen Haarknäuel können einen lebensbedrohlichen Darmverschluss verursachen“, erklärt Internist Dr. med. Matthias Riedl. Im Gespräch mit FITBOOK warnt er zudem vor einem Darminfarkt. Dabei kommt es zu einer lebensgefährlichen Durchblutungsstörung, die in kurzer Zeit zum Absterben ganzer Darmareale führen kann. „Es besteht die Gefahr auf eine tödliche Bauchfellentzündung“, so Dr. Riedl weiter.

Behandlung einer Trichophagie

Die Betroffenen leiden oft an Appetitlosigkeit und müssen sich häufig übergeben – manche von ihnen können laut „Ärztezeitung“ gar keine Nahrung bei sich behalten. In vielen Fällen empfiehlt sich daher eine medikamentöse Behandlung bzw. Substitution von Nährstoffen mit Nahrungsergänzungsmitteln.

Auch interessant: Diese Symptome deuten auf einen Eisenmangel hin

Je mehr Haare verschluckt werden, desto größer wird der verhärtete Fremdkörper im Verdauungsapparat. Bis dieser chirurgisch entfernt werden muss.

Entfernung des Haarknäuels per Endoskopie

Ärzte versuchen für gewöhnlich, das Haarknäuel (in der Fachsprache „Trichobezoar“) endoskopisch zu entfernen. Bei der Endoskopie führen sie einen biegsamen Schlauch, an dessen Ende sich eine Kamera befindet, durch eine natürliche Körperöffnung (z.B. den Mund) ein. Das störende Gewebe bzw. der störende Gegenstand wird durch den Schlauch herausgeholt. Je nach Größe und Verhärtung ist die minimal-invasive Methode aber nicht immer praktikabel.

Auch interessant: Warum Sie die Reflux-Krankheit ernst nehmen sollten

Die „Ärztezeitung“ berichtet vom Fall einer Vierjährigen, in deren Bauch sich ein Haarknäuel „wie eine Fliese quer über den gesamten Magen gezogen“ hatte. Er ragte rund 30 Zentimeter weit in den Dünndarm hinein und war steinhart. Die behandelnden Ärzte einer Wiesbadener Klinik wollen versucht haben, das Knäuel im Zuge der Endoskopie in kleinere Teile zu teilen und so entnehmen zu können. Der Versuch scheiterte, das Mädchen musste operiert werden.

Ursachen für das Essen der eigenen Haare

Die Ursachen sind laut Dr. Riedl nicht ganz geklärt. Man vermute eine Überlappung von psychischen Störungen des Essverhaltens und Selbstwertgefühls. Die Betroffenen sollen neben ihrer Trichophagie häufig auch an einer Trichotillomanie leiden. Das bedeutet, dass sie sich selbst büschelweise Haare herausreißen.

Die „Ärztezeitung“ weist daher auf die Bedeutung einer psychologischen Betreuung hin. Im Wesentlichen gehe es bei der Therapie um „Stimuluskontrollen und Verhaltensveränderungstraining“.