Bild.de Hier geht es zurück zu Bild.de

Nachgefragt beim HNO-Arzt

Ozäna – was steckt hinter dem Phänomen „Stinknase“?

Stinknase „Ozäna“
Der Begriff „Stinknase“ klingt lustig, für Betroffene ist sie aber eine große BelastungFoto: iStock/g-stockstudio

Wer unter einer sogenannten Stinkase leidet, belastet damit vor allem sein Umfeld. Denn aus dem Riechorgan strömt ein unangenehmer Geruch. Das Fiese daran: Betroffene kriegen das selbst meist gar nicht mit. FITBOOK sprach mit einem Experten darüber, was sich hinter der Erkrankung verbirgt.

Stinknase? Klingt vielleicht komisch, ist es aber für Betroffene sicherlich kein Spaß. Denn hinter dem seltsam anmutenden Begriff verbirgt sich eine unangenehme Erkrankung der Nase. Typisches Merkmal: Ein fauliger Geruch, der aus dem Riechorgan entweicht.

Was ist eine Stinknase überhaupt?

Bei einer Ozäna, wie die Stinknase fachsprachlich genannt wird, bildet sich die Nasenschleimhaut zurück. Es kommt zu starken Verkrustungen im Naseninnenraum. Infolgedessen bilden sich grün-gelbe Borken, die die Nase verstopfen und das Atmen erschweren können. Manchmal hängen die Borken sogar hinten aus der Nase und fallen unangenehm in den Rachen ab. Im erkrankten Riechorgan siedeln sich Bakterien an, die einen schleimigen Belag produzieren. Und dieser Belag ist es, von dem der ziemlich üble Gestank ausgeht. Das Gemeine: Die Betroffenen selbst merken meist nicht, dass sie aus der Nase stinken – ihre Mitmenschen aber umso mehr.

Primäre und sekundäre Stinknase

Bei der „primären Stinknase“ bilden sich neben der Nasenschleimhaut auch Blutgefäße und schleimproduzierende Nasendrüsen zurück. Manchmal verkümmert zudem der knöcherne Teil der Nasenmuscheln in der Nasenhöhle. An einer primären Stinknase erkranken vor allem Frauen und jüngere Menschen. Warum, wissen die Forscher noch nicht genau, vermuten aber, dass die primäre Ozäna anlagebedingt ist.

Die andere Form der Erkrankung ist die „sekundäre Stinknase“. Sie tritt bei einer Verletzung oder Austrocknung der Schleimhäute auf. „Dass das infolge einer Infektion passiert, ist in Deutschland jedoch sehr selten“, sagt Prof. Dr. med. Thomas Deitmer, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie im Gespräch mit FITBOOK.

Ozäna durch fehlende Nasenmuscheln

Ursache für eine Stinknase ist in der Regel eine Verletzung der Schleimhäute. Beispielsweise nach einem Unfall, einer Tumor-Erkrankung oder nach einer Strahlentherapie. Prof. Deitmer erklärt: „Eine Ozäna kann infolge einer Tumor-Operation im Nasenbereich auftreten. Zum Beispiel wenn die Nasenmuscheln entfernt werden müssen.“ Diese seien eine Art Klimaanlage der Nase und wärmen die einströmende Luft und feuchten sie an, so Prof. Deitmer weiter. Fehlen die Nasenmuscheln, trockne die Nasenschleimhaut aus und es bilde sich der bakterielle Belag.

Achtung: Auch der jahrelange Missbrauch von Nasensprays und -tropfen, die die Nasenschleimhaut abschwellen, kann eine Stinknase verursachen. Entwarnung gibt Prof. Deitmer allerdings für das Popeln: „Selbst intensives Bohren in der Nase verursacht keine Stinknase.“

Es muss nicht immer Ozäna sein

Nicht immer, wenn es aus der Nase müffelt, muss die Diagnose gleich „Stinknase“ lauten. Verbunden mit einem schleimigen Sekret kann dahinter auch eine eitrige Nasennebenhöhlen-Entzündung stecken. Möglich ist auch die Vereiterung einer Zahnwurzel oder ein Befall mit einem Nasenpilz.

Warum riechen Betroffene ihre Stinknase nicht?

„Durch die Erkrankung werden die Geruchsnerven in der Nase angegriffen. Das führt zur Beeinträchtigung oder zum Verlust des Geruchssinns“, erklärt Prof. Deitmer. Auch das Geschmacksempfinden, das zum Teil über das Riechen vermittelt wird, könne dann beeinträchtigt werden. „Das feine Schmecken ist eigentlich ein Riechen. Nur süß, sauer, salzig und bitter werden genau genommen geschmeckt.“

Leidet jemand unter einer Stinknase, leidet er oftmals auch unter gesellschaftlicher Isolation. Denn Familienangehörige, Freunde oder Arbeitskollegen meiden den Betroffenen – dieser weiß erstmal gar nicht, warum. Als Folge droht eine depressive Erkrankung.

Um den Teufelskreis zu durchbrechen, ist es wichtig, dem Betroffenen klarzumachen, dass dessen Nase unangenehm riecht. Am besten sollte der Betroffene sich schleunigst von einem HNO-Arzt untersuchen und behandeln lassen.

Auch interessant:  Körpergerüche, die auf Krankheiten hinweisen können

Wie merke ich, ob ich eine Stinknase habe?

Obwohl sich infolge des Rückgangs der Nasenschleimhaut die Nasenhöhle vergrößert, haben Betroffene oftmals das Gefühl, kaum durch die Nase atmen zu können. Grund: Normale Nasen ziehen und stoßen die Atemluft gleichförmig ein und aus. Bei einer Ozäna ist der Luftstrom auf Grund der größeren Nasenhöhle hingegen diffus und verwirbelt. Prof. Deitmer: „Zudem bemerken wir eine gute Nasenatmung dadurch, dass bei Einatmung Feuchtigkeit in der Nase verdunstet und dadurch die Schleimhaut abkühlt. Wenn die Nase trocken ist, kann nichts verdunsten und es entsteht keine wahrnehmbare Abkühlung.“

Erkrankte leiden oftmals auch unter Kopf- und Nasenschmerzen oder verspüren einen Druck im Kopf. Manchmal kommt es zudem zu Nasenbluten. Häufiger läuft ein eitriges Sekret aus der Nase, begleitet von verkrusteten Borken. Spätestens, wenn man nicht mehr richtig riechen kann sollte man dringend den HNO-Arzt aufsuchen.

Auch interessant: Kopf bloß nicht in den Nacken! Was bei Nasenbluten wirklich hilft

Wie lässt sich eine Stinknase behandeln?

In den meisten Fällen kann eine Stinknase nicht vollständig geheilt werden. Die unangenehmen Symptome lassen sich jedoch behandeln. Die Nasenschleimhaut sollte feucht gehalten werden, beispielsweise mit einem Nasenöl oder einem Spray mit Mineralsalzen. Auch Inhalieren und Spülen mit Salzwasser kann helfen, die Schleimhäute zu befeuchten und zu reinigen.

Ein oft in der kalten Jahreszeit auftretendes Problem ist zu niedrige Luftfeuchtigkeit in Innenräumen.

Auch ausreichendes Trinken – zwei bis drei Liter Wasser täglich – hält die Schleimhäute feucht. Um die Regeneration der Nasenschleimhäute zu fördern, können Erkrankte zusätzlich zur normalen Nahrung Präparate mit Vitamin A und E und Zink einnehmen.