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Mit genetisch veränderten Bakterien

Forscher entwickeln Nasentropfen, die vor Meningitis schützen sollen

Nasentropfen gegen Meningitis: Ein Behältnis mit Nasenspray
Neu entwickelte Nasentropfen geben Meningitis keine ChanceFoto: Getty Images

Meningitis ist eine gefährliche Hirnhautentzündung und führt unbehandelt schlimmstenfalls zum Tod. Neu entwickelte Nasentropfen sollen vor der Erkrankung schützen können – mithilfe von genetisch modifizierten Bakterien.

Ein britisches Forscherteam hat diese „freundlichen“ Bakterien herangezüchtet, die vor einer Meningitis schützen sollen. Bei dieser Erkrankung kommt es zu Entzündungen der Hirn- und/oder Rückenmarkshäute. Meningitis tritt in unterschiedlichen Formen auf. Die gefährlichste Form kann unbehandelt zum Tod führen. Und genau gegen Erreger dieser gefährlichen Variante scheinen die gezüchteten Bakterien zu schützen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie.

Freundliche Bakterien in Nasentropfen gegen Meningitis – wie funktioniert’s?

Im Rahmen seiner Studie hat das Forschungsteam der Universität Southampton einer harmlosen Bakterienart namens Neisseria lactamica ein Gen eingebaut, das es den Bakterien ermöglicht, möglichst lange in der Nase zu verbleiben und eine Immunantwort zur erzeugen.¹ Neisseria lactamica kommen bei manchen Menschen auf natürliche Art in der Nasenschleimhaut vor. Durch die Besetzung der Nase schützen die Bakterien vor einer schweren Meningitis, indem sie den verwandten Bakterien Neisseria meningitidis den Eintritt verweigern.

Wie lange können Nasentropfen gegen Meningitis schützen?

Die genetisch veränderten, freundlichen Bakterien führten die Forschenden 26 gesunden Proband*innen über Tropfen in die Nase ein. Sie stellten fest, dass der Schutz gegen Meningitis durch die Nasentropfen lange anzuhalten scheint. Mindestens 28 Tage trugen die Studienteilnehmer*innen die genetisch veränderten Bakterien in der Nasenregion. Beim Großteil der Proband*innen (86 Prozent) waren die Schutzschicht in den Nasenschleimhäuten sogar noch nach 90 Tagen nachweisbar. In dieser Zeit baute das Immunsystem eine starke Immunantwort auf.

Bakterien triggern das Immunsystem

Das Forschungsteam hat das klebrige Oberflächenprotein von Neisseria lactamica genetisch bearbeitet, um einen längerfristigen Schutz vor Meningitis zu erreichen. Auf diese Weise wirkt das freundliche Bakterium als Antigen im Immunsystem. Antigene können gezielt im Körper zur Abwehr eingesetzt werde. Das Prinzip kennt jeder: Impfen funktioniert mit Antigenen. Durch diese Substanzen bildet das menschliche Abwehrsystem eine Immunantwort aus. Die entwickelten Antikörper greifen die Krankheitserreger an. Im Fall der neu entwickelten Nasentropfen gegen Meningitis zeigten sich bei den Studienteilnehmern überwiegend eine stärkere und länger anhaltende Immunantwort als bei der Kontrollgruppe.

Nasentropfen gegen Meningitis könnten auch gegen andere Krankheiten wirken

Die erste Studie auf diesem Gebiet ist zwar klein an der Teilnehmerzahl. Nichtsdestotrotz ist das britische Forscherteam euphorisch. Neben Schutz vor der gefürchteten Hirnhautentzündung hilft die neu entwickelte Methode womöglich auch an breiterer Front. Antibiotika und andere wichtige Medikamente versagen mittlerweile zunehmend. Schuld daran sind multiresistente Keime, die auf dem Vormarsch sind. Hier können die Nasentropfen mit den freundlichen Bakterien helfen.

Robert Read ist einer der Hauptautoren der Studie. Der Professor für Infektionskrankheiten sagt in einer Pressemitteilung der Universität Southampton: „Unsere Arbeit zeigt, dass es möglich ist, Menschen vor schweren Krankheiten zu schützen. Und zwar indem man Nasentropfen verwendet, die genetisch veränderte, „freundliche“ Bakterien enthalten.“² Read und sein Forschungsteam sind sich sicher: Diese Anwendung wird in Zukunft sehr erfolgreich und gängig sein im Kampf gegen viele Krankheiten.

Forscher sehen viele weitere Einsatzmöglichkeiten

Es sei möglich, viele Antigene aus dem Bakterium heraus zu entwickeln und anzupassen, meint Jay R. Laver. Der Co-Autor der Studie ist sich sicher, auf diese Weise eine Vielzahl von Infektionen bekämpfen zu können, die über die oberen Atemwege in den Körper gelangen.

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Was macht das Meningitis-Bakterium so gefährlich?

Rund zehn Prozent aller Erwachsenen weisen im Nasen- und Rachenraum eine Besiedlung von Neisseria meningitidis auf. Und das, ohne Symptome einer Meningitis zu entwickeln. Allerdings ist das Bakterium durchaus gefährlich. Es überwindet in einigen Fällen die Blutkreislauf-Schranke im menschlichen Körper. Mit der Folge lebensbedrohlicher Krankheiten wie eine Hirnhautentzündung. Die Krankheitsbezeichnung „Meningitis“ leitet sich von dem Bakterium ab.

Meningitis kann jeden treffen. Vor allem sind jedoch Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen betroffen. Die Experten des Robert Koch-Instituts (RKI) erklären, dass die Erkrankung gehäuft auch bei Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren auftrete. Eine Meningitis, die durch Meningokokken verursacht wird, kann in einzelnen Fällen innerhalb einiger Stunden zum Tod führen.

Das RKI sagt aber auch, dass die Krankheit in Deutschland zurückgeht. Die Inzidenz liege derzeit bei 0,4 pro 100.000 Einwohnern, so die Experten. Anders sieht es jedoch in anderen Teilen Europas und der Welt aus.³