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Symptome, Gefahren, OP

Wie erkennt man einen Leistenbruch?

Mann mit Schmerzen in der Leiste
Die Schmerzen eines Leistenbruchs sind in der Regel auszuhalten, aber absolut ernst zu nehmen. FITBOOK hat mit einem Fachmann über den unliebsamen Befund gesprochen.
Foto: Getty Images

Nach einem Leistenbruch hängt ein Teil des Darms durch den Bauch, glaubt der Laie. Und das ist nicht falsch! FITBOOK hat sich aber vom Experten noch genauer erklären lassen, was bei einem Leistenbruch passiert und was Betroffene tun sollten.

Die Leiste ist der untere Teil der menschlichen Bauchwand. Dort – genauer gesagt zwischen Bauchhöhle und äußerer Genitalregion – verläuft auch der Leistenkanal (Canalis inguinalis), eine röhrenförmige, rund 5 cm lange Verbindung. Man spricht von einem Leistenbruch (auch „Leistenhernie“ genannt), wenn durch diesen Leistenkanal Schichten der Bauchwand durchbrechen. Klingt unangenehm – und kann tatsächlich gefährlich werden.

Wie erkennt man einen Leistenbruch?

So wie man es sich bildlich vorstellt, so sieht es auch aus: Eine Art wulstige Schwellung drückt sich tast- und erkennbar durch den Unterbauch, und die kann man tatsächlich mit den eigenen Fingern (zumindest für eine kurze Zeit) wieder reindrücken. Es handelt sich dabei um Eingeweide, in den meisten Fällen um Teile des Darms.

„Die Schwellung kann auch im Hoden lokalisiert sein“, berichtet uns Notfall- und Allgemeinmediziner Dr. Falk Stirkat. Manchmal verursacht ein Leistenbruch – insbesondere bei Belastung – Schmerzen, muss er aber nicht. Und wenn, werden sie von Betroffenen gemeinhin als aushaltbar beschrieben. Das bedeutet aber nicht, dass kein Handlungsbedarf besteht!

Leistenbruch illustriert

Wie kommt es zu einem Leistenbruch?

„Durch eine Kombination aus erhöhtem Druck im Bauchraum, wie er durch schwere Arbeit, Pressen oder Husten zustande kommt, und einem anfälligen Bindegewebe“, berichtet der Experte. Der Hintergrund: Die Organe im Bauchraum (Magen, Leber und nicht zuletzt der bis zu siebeneinhalb Meter lange Darm) drücken auf die Leiste. Für gewöhnlich sollten Muskeln und Bänder in diesem Bereich die Last stemmen können. Vereinfacht gesagt erklärt sich ein Bruch so, dass der Leistenkanal an einer bestimmten Stelle unter dem Druck zusammengebrochen ist.

In manchen Fällen stehen andere, schwerere Krankheiten im Zusammenhang mit dem Durchbruch – etwa Tumore oder Prozesse, die durch Wassereinlagerungen den Druck im Bauchraum erhöhen. Laut Dr. Stirkat spricht man in diesem Fall von einem symptomatischen Leistenbruch.

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Was müssen Betroffene tun?

 Diese Möglichkeit gilt es auszuschließen, bevor weitere Maßnahmen ergriffen werden.

Kann man an einem Leistenbruch sterben?

„Im aller-, aller-, allerschlimmsten Fall kann ein Leistenbruch tödlich enden“, warnt der Arzt, und berichtet von zwei grundsätzlichen Gefahren: zum einen eine extreme Größenentwicklung des Bruchsacks und zum anderen eine sogenannte Inkarzeration, d.h. das Einknicken des Leistenbruchs an der Engstelle des Bruchsacks. „Verdreht sich der Bruchinhalt hier, wird er nicht mehr durchblutet und stirbt ab. Unbehandelt führt das zum Tod“, erklärt Stirkat. Das passiere in der westlichen Welt aber eigentlich nicht. „Das größte Risiko bei uns ist im Grunde der Verlust eines Darmstückes.“

Wie wird ein Leistenbruch behandelt?

„Früher oder später muss operiert werden“, weiß Notfallarzt Stirkat. Die Schwellungen nehmen an Größe zu, weshalb ein zu langes Warten den Eingriff unnötig erschweren würde.

Es gibt unterschiedliche Operationsverfahren. Meist entscheiden sich Chirurgen für die „Schlüssellochtechnologie“, wie uns erklärt wird. Dabei handelt es sich um die minimal-invasive Methode, bei der anstelle eines großen Schnitts (wie bei der offenen Operation, um den Bauchraum zu öffnen) mehrere kleine Schnitte gesetzt werden. Hierdurch führt der Operateur das nötige chirurgische Besteck sowie ein Endoskop (Gerät mit Minikameras) ein.

„Der Verschluss der Bruchpforte erfolgt entweder mit oder ohne künstliches Netz“, sagt uns Stirkat. Ein Netz reduziert die Rückfallgefahr und wird daher vor allem bei älteren und vorbelasteten, beispielsweise adipösen Patienten (mit schwächerem Bindegewebe) gewählt. Grundsätzlich aber versucht man, ohne Fremdmaterial auszukommen.

Wie geht es nach der Operation weiter?

Patienten dürfen in der Regel wenige Tage nach dem Eingriff wieder ihr alltägliches Leben aufnehmen. Von Sport oder körperlicher Arbeit ist in den ersten Wochen aber abzusehen. Die möglichen Komplikationen reichen von den üblichen Operationsrisiken (also Wundheilungsstörungen, etc.) bis zu möglichen Überempfindlichkeits- und Abwehrreaktionen auf das etwaig eingesetzte Netz oder Schmerzen am Leistenkanal, wenn hier Nerven verletzt worden sind.

Sehr selten sind Rückfälle möglich, also erneute Leistenbrüche, die ebenfalls operiert werden müssen. Im Großen und Ganzen sind nach einer Leistenbruch-OP aber keine Probleme zu erwarten, versichert der Fachmann.