Gesundheitspartner
von FITBOOK

FITBOOK klärt auf

Darf man abgelaufene Medikamente noch nehmen?

Mann mit Krankheitssymptomen
Der Kopfschmerz sagt ja, der Bauch ist nicht so sicher … FITBOOK klärt auf, ob man Aspirin und Co. nach Ablaufdatum noch einnehmen kann
Foto: Getty Images

Wenn der Joghurt schon ein paar Tage abgelaufen ist, kann man ihn trotzdem noch essen. Aber wie verhält es sich bei Medikamenten? Tabletten und Co. halten meist mehrere Jahre lang. Fällt es dann ins Gewicht, wenn das Verfallsdatum (geringfügig) überschritten wird? FITBOOK hat sich informiert.

Medikamente halten bis zu fünf Jahre nach ihrer industriellen Produktion. Logischerweise kann es also nicht sein, dass sie auf den Tag genau schlecht werden. Dennoch sollte das auf der Verpackung angegebene Verfallsdatum absolut ernstgenommen werden – sagt zumindest die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. „Verfallsdaten auf Arzneimittelpackungen sind weit mehr als eine Empfehlung. Das unterscheidet sie vom Mindesthaltbarkeitsdatum auf Lebensmitteln“, steht es in einer entsprechenden ABDA-Pressemitteilung.

Keine FITBOOK-Themen mehr verpassen – abonnieren Sie hier unseren Newsletter!

Besser: Verpackung aufheben

Anders als Lebensmittel verändern Medikamente sich in puncto Aussehen und Geruch nicht. Lässt sich das Verfallsdatum nicht mehr nachvollziehen, da die Verpackung (oder der entsprechende Teil des Tablettenbriefchens, in das es eingestanzt ist) verloren gegangen ist, können selbst Experten wie Mediziner oder Apotheker nicht erkennen, ob Arzneimittel noch gut sind.

Ehepaar begutachtet Schmerzmittel

Eine aufwändige chemische Analyse ist nötig, um (ohne die Kenntnis des Verfallsdatums) zu beurteilen, ob Tabletten noch verwendbar sind. Bevor man es so kompliziert und langwierig macht: besser neue kaufen.

Was passiert, wenn man ein abgelaufenes Medikament genommen hat?

Das ist – selbst von Experten – nicht eindeutig zu beantworten.

Man kann also sagen: Zumindest in Expertenkreisen ist es Ermessenssache, welche Medikamente man gegebenenfalls noch nehmen kann, wenn man es eigentlich nicht mehr sollte. So würden Apotheker ihrer Kundschaft nicht dazu raten, zur abgelaufenen Aspirintablette zu greifen – es selbst aber schon noch tun. Sie wissen: Die darin enthaltene Acetylsalicylsäure verliert zwar etwas an Wirksamkeit, wird aber durch seine Zersetzung nicht giftig. Andere Wirkstoffe werden toxisch. Etwa bei der Zersetzung von Hydrochlorothiazid, enthalten beispielsweise in Blutdrucksenkern, entsteht Formaldehyd. Und die chemische Verbindung ist bekanntermaßen krebserregend. Für Laien gilt also: Sicher ist sicher – und daher jedes Medikament nach Ablaufdatum zu entsorgen.

Auch interessant: Ab diesem Alter können Blutdrucksenker lebensgefährlich sein

Frau verwendet Augentropfen

Konservierungsmittel können das Auge reizen und sind in guten Augentropfen daher NICHT enthalten. Umso dringender sollte man die Herstellerempfehlung zur Haltbarkeit ernstnehmen.
Foto: Getty Images

 

Auch interessant: DAS hilft wirklich bei trockenen Augen!

Wie entsorgt man Medikamente richtig?

Das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) hat vor einigen Jahren in einer Umfrage festgestellt, dass 43 Prozent der Deutschen flüssige Medizin im Abfluss entsorgen und immerhin noch rund 16 Prozent selbst Tabletten die Toilette herunterspülen. Das Problem (dürfte eigentlich auf der Hand liegen): Arzneimittelwirkstoffe und -rückstände gelangen so in den Wasserkreislauf und werden zur Umweltbelastung.

Die einfachste Methode zur Arzneimittelentsorgung ist aktuell auch die empfohlene: über den Restmüll. Dieser kommt heutzutage nicht mehr auf Deponien, sondern wird vollständig verbrannt – und entsprechend auch darin enthaltene Wirkstoffreste. Viele Verbraucher würden sich wahrscheinlich damit besser fühlen, ihre abgelaufenen Medikamente an Schadstoffmobile oder zur professionellen Entsorgung in Apotheken abzugeben. Ersteres wird in verschiedenen Gemeinden, aber nicht bundesweit angeboten. Und Apotheken sind seit nunmehr zehn Jahren zwar nicht mehr verpflichtet, abgelaufene Medikamente anzunehmen, bieten den Service aber oft noch freiwillig an.

Was ist mit abgelaufenem Verbandszeug?

Da kann nicht ja viel passieren – würde man vielleicht meinen. Dennoch ist es strafbar (5 Euro nach StZVO § 35h), wenn der Inhalt des Verbandskastens im Auto abgelaufen ist. Und tatsächlich kann die Sterilität von Pflastern uns Co. nun nicht mehr gewährleistet werden, wenn das Verfallsdatum überschritten wurde. Bei chronisch infizierten Wunden ist also sehr dringend davon abzuraten, abgelaufenes Verbandsmaterial zu nutzen.

Folgen Sie FITBOOK auf Pinterest!

Fazit

Halten Sie Ihre Hausapotheke überschaubar und erneuern Sie den Inhalt regelmäßig! Dann kommen Sie gar nicht erst in Verlegenheit, etwas Verfallenes zu nehmen, und sind im Zweifelsfall auf der sicheren Seite.

FITBOOK wurde beraten von den Mitarbeitern der Rosenapotheke Rheinfelden.

Themen