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Selbstversuch, Teil 2

6 Wochen nach der Hypnosetherapie – ist die Allergie verschwunden?

Hypnosetherapie Allergie: Heuschnupfen
Nach drei Hypnosesitzungen zieht FITBOOK-Redakteurin Nadja ein FazitFoto: Getty Images / Nadja Demel

Um ihre Pollenallergie loszuwerden, hat sich FITBOOK-Redakteurin Nadja einer Hypnosetherapie unterzogen. Erst schien die ungewöhnliche Methode von Erfolg gekrönt zu sein. Doch dann kommt es zu einem Rückfall, von dem sie nun in Teil 2 ihres Selbstversuchs berichtet.

Die Wiesen blühen, die Bäume schlagen aus – und ich habe noch immer keinen Heuschnupfen. Bis Mitte Mai erlebe ich das erste Frühjahr ohne Medikamente – und das offenbar alles dank der Hypnosetherapiesitzung, von der ich in Teil 1 meines Selbstversuchs berichtet habe. Erstmals kann ich, ohne von Antihistaminika benebelt zu sein, durch Parks spazieren gehen, im Gras sitzen, die Natur genießen. Die Birkenpollen fliegen durch die Luft, aber das ist mir egal – ich bin ja geheilt, wie ich mir immer wieder selbst sage und auch in Gesprächen betone. Doch dann beginnen die Gräser zu blühen – und meine Nase fängt an zu kitzeln. Hat die Hypnosetherapie meine Allergie doch nicht gänzlich heilen können?

Zweite Hypnosesitzung – doch statt in Trance bin ich ganz weit weg

Meine Hypnosetherapeutin Nathalie hat mich bereits vorgewarnt, dass eine Sitzung allein zur Behandlung meiner Allergie nicht ausreichen könnte. Wir vereinbaren daher einen zweiten Termin. Bislang habe ich glücklicherweise nur schwache Symptome, wie eine laufende Nase und ein leichtes Kratzen im Hals. Damit auch diese schnellstmöglich wieder verschwinden, besuche ich Nathalie rund sechs Wochen später ein weiteres Mal in ihrer Praxis. Es gibt Hibiskustee und ich versuche, mich erneut ganz fallen zu lassen, ihrer Stimme zu lauschen und mich ganz auf die Bilder, die in meinem Kopf entstehen, zu fokussieren.

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Doch irgendwas ist diesmal anders. Die Sitzung strengt mich an. Immer wieder schweife ich mit den Gedanken ab, oder muss mich konzentrieren, um mit geschlossenen Augen nicht einfach einzuschlafen. Wieder besuche ich in meiner Fantasie die Orte, die mit meiner Allergie in Verbindung stehen. Erneut mache ich mich in Trance auf die Suche nach ihrem Ursprung und versuche, mich mit den Dingen in meiner Vergangenheit, die den Heuschnupfen ausgelöst haben, zu versöhnen.

Ich verlasse die Naturheilpraxis müde und erschöpft, aber zuversichtlich, dass meine Allergie nun endgültig verschwunden ist. Zum Abschied gibt mir Nathalie den Tipp, mir einen Edelstein zu besorgen, der sinnbildlich für den Schutz vor den Blütenpollen steht, den ich mir während der Hypnose in meiner Fantasie erdacht habe. In einem nahegelegenen Geschäft finde ich einen schönen Rosenquarz, den ich fortan mit mir herumtrage – nicht, weil ich an die Wirkung von Edelsteinen glaube, sondern als Erinnerung für mich selbst, dass ich die Allergie endlich los bin.

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Der Park wird zur Heuschnupfen-Hölle

Am Tag darauf gehe ich im Park spazieren. Es ist Feiertag, das Wetter toll und die Stimmung ausgelassen. Ich laufe an hochgewachsenen Bäumen und grünen Sträuchern vorbei, genieße die warmen Sonnenstrahlen und den Duft der Blumen, bis… hatschi! Plötzlich folgt ein Nieser auf den nächsten. Meine Augen beginnen zu jucken, mein Hals kratzt, in den Ohren kribbelt es. Ich niese und niese. Und kann nicht aufhören, meine brennenden Augen zu reiben – fast wie damals, im Garten meiner Oma. Nur, dass mir jetzt niemand einen kalten Waschlappen reicht.

Stattdessen kehre ich völlig erledigt nach Hause zurück. Meine Augen sind geschwollen, meine Nase läuft, ich fühle mich, als hätte ich eine Erkältung. Dabei ist es nur mein Körper, der sich erneut gegen die doch so harmlosen Blüten- und Gräserpollen wehrt. Ich will nur eins: Cetirizin!

Zwei Tabletten später geht es mir besser und am Tag darauf ist mir äußerlich nichts mehr anzumerken. Doch ich spüre die Nebenwirkungen, fühle mich müde und erschöpft. Ich melde mich bei Nathalie und berichte ihr von meinem Rückfall. Sofort machen wir einen weiteren Termin aus.

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Ein letzter Versuch

Zur dritten Sitzung bei Nathalie erscheine ich mit laufender Nase und kratzendem Hals. Diesmal kann ich mich wieder deutlich besser konzentrieren. Ich habe sogar den Eindruck, noch „tiefer“ einzusteigen, als bei den vergangenen zwei Terminen. Kurzzeitig wird es sogar etwas emotional. Während der Hypnose verschwinden meine Symptome komplett. Die Nase ist auf einmal wieder frei, der Hals fühlt sich nicht mehr rau und gereizt an. Ich habe das Gefühl, ein Knoten ist geplatzt. Auf dem Nachhauseweg bin ich richtig euphorisch.

Doch leider habe ich mich zu früh gefreut: Nur wenige Tage später kehrt meine Allergie zurück. Nach einem Abend im Freien, bei dem ich fast eine ganze Packung Taschentücher verbraucht habe, werde ich am nächsten Morgen mit Niesanfällen und juckenden Augen wach. Wie schade.

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Beach Camp Frame 1

Fazit: Hat die Hypnosetherapie gegen meine Allergie geholfen?

Leider bin ich meine Allergie durch die Hypnosetherapie nicht losgeworden. Zumindest nicht die hochgradig allergische Reaktion meines Körpers auf Gräserpollen. Dennoch kann ich einige Erfolge verbuchen: So habe ich bis zum Beginn der Gräsersaison keine Medikamente gebraucht. Auch wenn ich zwischenzeitlich zwei heftige Heuschnupfenanfälle hatte: Im Großen und Ganzen scheint meine Allergie schwächer geworden zu sein. Tabletten nehme ich nur bei Bedarf. Auf Nasenspray und Augentropfen verzichte ich so gut wie komplett. Gerne hätte ich mit einem Facharzt über meine Erfahrungen gesprochen und eine medizinische Meinung eingeholt. Doch die Tatsache, dass sich scheinbar kein Allergologe zum Thema Hypnosetherapie äußern will, spricht wohl für sich.

Insgesamt war die Hypnosetherapie eine positive Erfahrung für mich. So habe ich beispielsweise gelernt, einige negative Erinnerungen aus meiner Vergangenheit neu zu bewerten. Mein Fazit lautet daher: Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, kann auf jeden Fall versuchen, seine Allergie mithilfe einer Hypnosetherapie loszuwerden. Allerdings sollte man sich zuvor genau informieren, Angebote und Preise vergleichen und in einem Vorgespräch herausfinden, ob man sich dort wirklich wohl und gut aufgehoben fühlt.

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