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Forschung

Wer sein Baby stillt, verschafft ihm einen weiteren gesundheitlichen Vorteil

Stillen
Schon wenige Tage Stillen können für Baby und Mutter zu entscheidenden gesundheitlichen Vorteilen führenFoto: Getty Images

Stillen bringt viele gesundheitliche Vorteile für Mutter und Kind, das ist hinlänglich untersucht und bekannt. Jetzt hat eine Studie aus Kanada einen weiteren positiven Effekt gefunden – und dafür reicht es schon, wenn ein Neugeborenes gerade mal ein paar Tage gestillt wird.

Das Risiko, als Erwachsener Herz-Kreislauf-Krankheiten zu entwickeln, kann damit zusammenhängen, ob man als Baby gestillt wurde. Kanadische Wissenschaftler haben sich jetzt mit der Frage beschäftigt, wie lange ein Neugeborenes mit Muttermilch versorgt werden muss, um entscheidende gesundheitliche Vorteile durch das Stillen zu erfahren.

Gesundheitliche Vorteile durch Stillen unabhängig von Stilldauer

Bekommt ein Neugeborenes in seinen ersten Lebenstagen Muttermilch, hat es bereits drei Jahre später einen klaren Vorteil gegenüber einem ungestillten Baby: einen niedrigeren Blutdruck. Zu diesem Ergebnis kommt die sogenannte CHILD-Studie („CHILD“ steht für Canadian Healthy Infant Longitudinal Development), für die Forschende verschiedener Universitäten in Kanada zusammengearbeitet haben.

Die Autoren schreiben, dass die „Vorteile eines anhaltenden und ausschließlichen Stillens unbestritten sind“. Zusätzlich würden ihre Studienergebnisse darauf hinweisen, „dass jedes Stillen, unabhängig von der Dauer oder Exklusivität, mit einem niedrigeren Blutdruck im Alter von drei Jahren verbunden ist“.

Die Studie

An der Studie nahmen 2.382 Kinder teil. Die Stilldaten kamen vom Krankenhaus und den Müttern. 2.333 Säuglinge (97,9 Prozent) wurden demnach gestillt. 98 (4 Prozent) von ihnen bekamen nur in den ersten Lebenstagen während des Krankenhausaufenthalts Muttermilch. 78 Prozent der gestillten Säuglinge wurde sechs Monate oder länger gestillt, 62 Prozent bekamen für mindestens drei Monate ausschließlich Muttermilch. 49 Babys wurden zu keinem Zeitpunkt gestillt.

Im Alter von drei Jahren wurde bei allen Kindern der Blutdruck gemessen. Zusätzlich gab es Analysen des Geburtsgewichts, Gestationsalters, sozioökonomischen Status‘, des mütterlichen Body-Maß-Index‘ sowie anderer potenzieller Störfaktoren. Die Autoren schreiben in ihrer Studie, dass die nicht-stillenden Mütter im Schnitt jünger waren, eher rauchten und seltener einen höheren Schulabschluss hatten. Die kindlichen Daten bei Geburt, die Länge des Krankenhausaufenthalts, Größe und BMI mit drei Jahren war bei allen Kindern ähnlich.

Der Vergleich zeigte laut den Studien-Autoren, dass der Blutdruck der Dreijährigen, die nicht gestillt worden waren, höher war, als bei den gestillten Kindern. Dieser gesundheitliche Vorteil war unabhängig davon, wie lange ein Baby gestillt wurde (also ob nur wenige Tage nach der Geburt oder mehrere Monate) ebenso wie von potenziellen Störfaktoren.

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Forscher betonen Bedeutung des frühen Stillbeginns

„Diese frühen subklinischen Unterschiede können langfristige gesundheitliche Auswirkungen haben“, schreiben die Autoren. Selbst ein geringfügig erhöhter Blutdruck im Kindesalter könne sich darauf auswirken, wie anfällig der oder die Erwachsene später für Bluthochdruck sei. Das liege daran, dass der Blutdruck von früher Kindheit bis ins Erwachsenenalter verlaufe. Entsprechend kann Stillen laut den Autoren einen positiven Einfluss auf die kardiovaskuläre Gesundheit haben.

Trotz des Beobachtungscharakters unserer Ergebnisse betonen sie die Bedeutung eines frühen Stillbeginns“, heißt es in der Studie. Das gelte „auch, wenn ausschließliches oder anhaltendes Stillen nicht möglich ist“. Außerdem mahnen die Autoren an: „Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer sofortigen postpartalen Laktationsunterstützung [=Abgabe von Muttermilch] im klinischen Umfeld, um die Bereitstellung von Kolostrum und den Beginn des Stillens zu erleichtern.“

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Einordnung der Studie

Stillen liefert laut den Autoren wichtige Nährstoffe und bioaktive Faktoren, die sich positiv auf die kardiovaskuläre Entwicklung auswirken können. Gleichzeitig sei die Datenlage über den Zusammenhang zwischen Stillen und Blutdruck widersprüchlich. Zwei frühere und unterschiedlich aufgebaute Meta-Analysen kamen demnach ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Stillen gesundheitliche Vorteile mit sich bringe, da „der Blutdruck bei gestillten Personen durchweg niedriger war“. Dahingegen fanden die Forscher einer neueren und größeren Meta-Analyse von 43 Studien „keinen konsistenten langfristigen Zusammenhang zwischen Stillen und Blutdruck.“