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Prosopagnesie

Brad Pitt ist sich sicher, gesichtsblind zu sein: „Niemand glaubt mir!“ 

Gesichtblindheit: Brad Pitt
Was steckt hinter der Wahrnehmungsstörung Prosopagnosie, auch bekannt als Gesichtsblindheit?Foto: Getty Images

Jemand, den man kennt, sagt nicht Hallo: Ein Verhalten, dass andere Leute irritieren oder sogar verärgern kann. Doch dahinter kann eine Wahrnehmungsstörung stecken. Propognasie führt dazu, dass Betroffene andere Menschen anhand von Gesichtern nicht erkennen können. Ein prominentes Beispiel: Brad Pitt. Der Hollywood-Star ist überzeugt, gesichtsblind zu sein.

Er hat Millionen Fans und kann sich vor neuen Bekanntschaften sicher kaum retten. Doch für Brad Pitt sind Begegnungen mit Menschen eine Herausforderung. Denn er muss immer fürchten, selbst ihm eigentlich bekannte Gesichter nicht wiederzuerkennen und Leute damit vor den Kopf zu stoßen. Zwar hat er die Erkrankung bisher nicht diagnostizieren lassen, doch Brad Pitt ist sich sicher, an Gesichtsblindheit zu leiden.

Brad Pitts Gesichtsblindheit

In einem „GQ“-Interview verriet Brad Pitt, dass seine große Sorge sei, dass andere Menschen ihn für unnahbar halten würden. Seine Schwierigkeiten in sozialen Situationen habe jedoch einen Grund. Brad Pitt ist überzeugt, gesichtsblind zu sein. „Niemand glaubt mir“, beklagt der Hollywood-Star, der sich bisher noch nicht offiziell von einem Arzt auf Prosopagnosie hin testen ließ.

Dabei kämpft der Schauspieler schon lange damit, dass Menschen ihn falsch einschätzen. „So viele Leute hassen mich, weil sie mich für respektlos halten“, erzählte Pitt in einem „Esquire“-Interview von 2013. Damals erläuterte er, dass er Gesichter vergesse, sobald sich ein Gesprächspartner entfernt habe. Beim nächsten Wiedersehen wisse er daher nicht, ob, wann und wo er die Person schon einmal kennengelernt habe. „Mit meinem Verhalten beleidige ich die Menschen. Ich verärgere sie“, so Pitt. „Sie denken, dass ich egoistisch bin oder arrogant. Aber ich verstehe es ja selbst nicht. Ich bekomme Gesichter einfach nicht zu fassen.“ Eine riesige Herausforderung für einen Mann, der weltberühmt ist und zu dessen Job-Beschreibung öffentliche Auftritte gehören. Abseits dieser Verpflichtungen führte seine Gesichtsblindheit jedoch dazu, dass der 58-Jährige am liebsten „zu Hause bleibt“.

Was genau ist Gesichtsblindheit?

Was Brad Pitt beschreibt, klingt tatsächlich nach Gesichtsblindheit. Bei Prosopagnosie handelt es sich um eine Wahrnehmungsstörung, bei der Betroffene Gesichter nicht zuordnen können. Meist ist sie auf einen Gendefekt zurückzuführen. Sehr selten steckt eine Schädigung bestimmter für die Gesichtserkennung wichtiger Nervenzellen im Hirn aufgrund von Erkrankungen oder Unfällen dahinter.

FITBOOK erklärt die Wahrnehmungsstörung, wo sie herkommt und wie sie behandelt werden kann.

Wie äußert sich Prosopagnosie?

Die medizinische Forschung gehe heute davon aus, dass ein bis zwei Prozent der Weltbevölkerung von Gesichtsblindheit betroffen seien, erklärt der Arzt und Neurowissenschaftler Valentin Riedl, der einen Dokumentarfilm zum Thema gemacht hat („Lost in face“). Auf Deutschland heruntergerechnet wären das rund 800.000 bis 1,6 Millionen gesichtsblinde Menschen. Da die Wahrnehmungsstörung unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann, ist sie jedoch nicht immer leicht zu diagnostizieren.

Menschen, die an Gesichtsblindheit leiden, haben kein Problem damit, sich grundsätzlich zu merken, ob sie eine Person kennen oder nicht. Sie können jedoch das Gesicht – vor allem unter einer Auswahl von Gesichtern, wie z.B. in einer Menschenmenge – der ihnen bekannten Person nicht zuordnen. Generell wird davon ausgegangen, dass Prosopagnosie mit den Prozessen im Gehirn zusammenhängt, die für die Verarbeitung visueller Informationen von Gesichtern zuständig sind.1

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Wie kann Gesichtsblindheit diagnostiziert werden?

In einem ersten Schritt kann ein verhaltenspsychologischer Test wie der „Cambridge Face Memory Test“ helfen. Die teilnehmende Person wird durch eine Reihe von Tests zur Gesichtserkennung geführt. Bei diesen geht es darum, sich ein neues Gesicht zu merken und es später unter einer Reihe von Gesichtern zu identifizieren. Runde für Runde werden die Erkennungsaufgaben anspruchsvoller. Wenn man bei dem Online-Test schlecht abschneidet, kann dies auf eine Wahrnehmungsstörung hindeuten. Auf der Basis kann dann in detaillierteren Untersuchungen eruiert werden, ob tatsächlich eine Prosopagnosie vorliegt.

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Ursachen

Erworbene Prosopagnesie

Der Begriff Prosopagnesie wurde vom deutschen Psychiater und Neurologen Dr. Joachim Bodamer eingeführt, als er 1947 in einem Paper die Krankheit und ihre Symptome beschrieb.2 Lange ging man davon aus, dass die Gesichtsblindheit vor allem eine seltene Folge von Kopfverletzungen oder Schlaganfällen ist. Mittlerweile hat die Forschung zeigen können, dass die Wahrnehmungsstörung sich in den meisten Fällen aber allmählich entwickelt und vererbt ist.

Angeborene (kongenitale) Prosopagnesie

Erst seit 1976 ist die angeborene Form der Wahrnehmungsstörung bekannt. Seitdem konnten Wissenschaftler wie Prof. Ingo Kennerknecht vom Institut für Humangenetik am Universitätsklinikum Münster und sein Forscherteam in Studien zeigen, dass die angeborene Prosopagnosie mit einer weltweiten Prävalenz von 2 bis 3 Prozent sehr häufig ist und praktisch immer familiär auftritt.3

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Therapie

Vieles ist über die Wahrnehmungsstörung weiterhin unbekannt. So gibt es seltene Fälle, bei denen sie von allein wieder verschwindet. Die angeborene Variante, die sich allmählich weiterentwickelt, stellt eine lebenslange Beeinträchtigung dar. Denn aktuell ist noch zu wenig über den genetischen Hintergrund und seine Auswirkungen auf die Prozesse im Gehirn bekannt. Eine ursächliche Therapie für Prosopagnosie gibt es daher noch nicht, doch arbeiten Forscher daran, Wege zu finden, um Betroffenen helfen zu können.4

Quellen

Themen

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