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Krankheit

Gehgeschwindigkeit ist mögliches Frühwarnzeichen für Demenz

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Die Gehgeschwindigkeit kann ein Indikator für eine mögliche Demenz sein. Forscher haben dazu nun eine Studie veröffentlicht. Foto: Getty Images

Seit Jahren werden Forschungen betrieben, wie man Demenz frühzeitig erkennen und behandeln kann. Nun haben Wissenschaftler herausgefunden, dass das Risiko an Demenz zu erkranken, mit einer verlangsamten Gehgeschwindigkeit zusammenhängt.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie legt nahe, dass die Gehgeschwindigkeit bei älteren Menschen Aufschluss geben kann, ob eine mögliche Demenz-Erkrankung vorliegt. Dafür haben Forschende eine Studie mit 16.855 Probanden aus Australien und den USA durchgeführt, die im Schnitt 75 Jahre alt waren. Die Studiendaten wurden zwischen 2010 und 2017 erhoben.

Demenz anhand von Gehgeschwindigkeit erkennbar

Im Rahmen der Analyse stellten die Forschenden fest, dass ein gemeinsamer bzw. gleichzeitiger Rückgang der Gehgeschwindigkeit und der kognitiven Fähigkeiten mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden ist. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „JAMA Network“.1 Probanden, bei denen sich keines oder nur eines der Merkmale verschlechterte, seien seltener von Demenz betroffen.

Hierfür haben die Wissenschaftler Daten im Rahmen der ASPREE-Studie (ASPirin in Reducing Events in the Elderly) erhoben. Von 2010 bis 2014 erfolgte die Rekrutierung der Probanden und die anonymen Tests wurden bis 2017 durchgeführt. Die Analyse der Daten erfolgte dann zwischen Oktober 2020 und November 2021. Dabei hatten die fast 17.000 Probanden zu Beginn der Studie nachweislich keine Demenzerkrankung, keine Herz-Kreislauf-Krankheiten, keine körperliche Behinderungen sowie eine Lebenserwartung von mehr als fünf Jahren.

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Diese Test-Methoden wurden angewandt

In den sieben Jahren mussten die Probanden verschiedene Tests durchführen. Zu Beginn der Studie, im zweiten, vierten, sechsten und letzten Jahr wurde die Gehgeschwindigkeit gemessen. Die Testpersonen mussten dafür in den jeweiligen Jahren zwei kurze Gehstrecken à drei Meter zurücklegen. Aus den beiden Geh-Ergebnissen wurde der Durchschnitt ermittelt und damit ein Geh- beziehungsweise Geschwindigkeitsmuster erstellt.

In den Jahren 1, 3, 5 und zum Ende der Studie erfolgten kognitive Tests. Dabei handelte es sich um folgende Methoden:

  • Modified Mini-Mental State (3MS) Test: Screening-Test für Demenz mit Fragen zu Merkfähigkeit, Rechenfähigkeit oder auch Orientierung. (Globale Kognition)
  • Hopkins Verbal Learning Test-Revised (HVLT-R): Memory-Test (Gedächtnis)
  • Symbol Digit Modalities (SDMT): Screening-Test, um neurologische Fehlfunktionen zu erkennen (Verarbeitungsgeschwindigkeit)
  • Controlled Oral Word Association Test (COWAT-F): Test, um Sprachflüssigkeit zu überprüfen. (Sprachgewandheit)

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Zwei Gruppen sind besonders stark betroffen

Die Probanden wurden nach Abschluss der Datenanalyse in vier Gruppen unterteilt.

  • 1. Gruppe: gleichzeitiger Rückgang von Gehgeschwindigkeit und kognitiver Leistung
  • 2. Gruppe: Rückschritt nur beim Gangbild
  • 3. Gruppe: Rückschritt nur bei kognitiver Leistung
  • 4. Gruppe: keine Verschlechterung bei beiden Merkmalen

Ein Rückschritt beim Gangbild wurde durch den Verlust des Gehtempos um mehr als 0,5 m/s innerhalb eines Jahres definiert. Um zu ermitteln, welche davon das größte Risiko für Demenz hat, wurde noch das „Hazard Ratio“ mit einbezogen. Dieser Wert zeigt unter anderem, wie hoch die Sterberate einer Gruppe im Vergleich zu einer anderen ist.2 Eine mögliche Demenz hängt dabei nicht nur von der Gehgeschwindigkeit ab, sondern auch von spezifischen, kognitiven Verschlechterungen.

Dabei wurde schnell deutlich, dass die Gruppe mit verschlechterter Gehgeschwindigkeit und abnehmender Gedächtnisfunktion (HVLT-R) einen „Hazard Ratio“-Wert von 24,7 hat. Anschließend folgt die Gruppe mit verschlechtertem Gangbild und schwächelnder globaler Kognition mit 22,2. Danach kommen die Probanden mit schlechterem Gang und sinkender Sprachflüssigkeit (4,7). Am wenigsten betroffen sind die Personen mit abbauender Geh- und Verarbeitungsgeschwindigkeit mit 4,3.

Die Wissenschaftler kamen dabei zu dem Schluss, dass Menschen, die pro Jahr rund fünf Prozent langsamer gehen und parallel an kognitiver Fähigkeit verlieren, ein erhöhtes Risiko haben, an Demenz zu erkranken.

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