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Forscher behaupten

Frauen- und Männergehirne altern unterschiedlich

Seniorin am Rechner
Frauen sind bis ins hohe Alter geistig fitter als Männer. Das haben US-Forscher herausgefunden.Foto: Getty Images

Mit zunehmendem Alter schrumpft das Hirn, das ist ganz normal. Bei Frauen schreitet dieser Prozess aber langsamer voran. Das wollen US-Forscher nun herausgefunden haben. Welche Erklärung dahinterstecken könnte.

Hauptgegenstand der Studie, durchgeführt an der Washington University School of Medicine, waren Daten zum Blutzuckerstoffwechsel. Warum dieser im Zusammenhang mit dem Hirnalter wichtig ist, wird auf der Website der Universität erklärt.

Zucker ist quasi der Brennstoff unseres Hirns. Wie und wofür genau er verwertet wird, ändert sich im Laufe des Lebens. Bei Kindern und Jugendlichen nutzt das Hirn einen Teil davon für einen wichtigen Energiegewinnungsprozess namens Glykolyse. Der Rest wird fürs Denken und verschiedene tagtägliche Aufgaben verheizt. Mit zunehmendem Alter wird der Blutzuckeranteil, der für die Glykolyse abgezwackt wird, immer geringer. Das bedeutet umgekehrt: Je mehr Blutzucker (vor allem im hohen Alter) in die Glykolyse investiert wird, desto jugendlicher ist (noch) das Hirn. Und diesbezüglich konnten die Wissenschaftler klare Abweichungen zwischen den Geschlechtern feststellen!

So wurde das Hirnalter untersucht

121 Frauen und 84 Männer im Alter von zwischen 20 und 84 Jahren wurden einer Positronen-Emissions-Tomografie (PET) unterzogen. Durch dieses bildgebende Verfahren der Nuklearmedizin maßen die Wissenschaftler den Sauerstoff- und Blutzuckerfluss der Probanden und ermittelten so auch den Blutzuckeranteil, der durch Glykolyse in Oxidationsenergie umgewandelt wurde.

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Gehirne der Frauen alterten 3,8 Jahre langsamer

Als Werkzeug diente ein Algorithmus, den die Forscher selbst entwickelt hatten. Sie speicherten die Daten der männlichen und weiblichen Probanden ein, mit dem Ziel, den Status ihrer Hirnfunktionsfähigkeit zu ermitteln. Dann stellten sie die Ergebnisse der Geschlechter einander gegenüber. Heraus kam: Die Gehirne der Frauen waren durchschnittlich um 3,8 Jahre jünger (geblieben), als es ihrem biologischen Alter entsprochen hätte. Bei den Männern war es genau umgekehrt: Ihre Hirne waren um durchschnittlich 2,4 Jahre „vorgealtert“.

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Die Unterschiede sollen sich in allen Alterskategorien gezeigt haben, auch bei den jüngsten Probanden um die 20. Besonders deutlich seien sie aber bei den älteren Jahrgängen ausgefallen: In den Untersuchungen zu Vernunft, Gedächtnis und lösungsorientiertem Denken hatten die Frauen wesentlich besser abgeschnitten.

Altes Ehepaar
Männer bauen auf kognitiver Ebene früher ab als Frauen. Die Ursache dafür könnte in der Phase des Erwachsenwerdens liegen.Foto: Getty Images

Gründe sind noch nicht klar

Wie genau die Auffälligkeiten zu interpretieren sind – da sind sich die Forscher noch nicht sicher. Offenbar bedeuten sie NICHT, „dass männliche Gehirne schneller altern”, schreibt Senior-Studienautor Dr. Manu Goyal. Als möglichen Erklärungsansatz führt er das spätere Erwachsenwerden von Jungs an. Sie kämen laut Goyal im Schnitt etwa drei Jahre später in die Pubertät als Mädchen, seien zu diesem Zeitpunkt also praktisch entsprechend vorgealtert. Und dieser „Alterungsvorsprung“ ziehe sich dann durch das gesamte Leben. „Ich denke, dass die Gehirne von Frauen weniger kognitiven Abbau erleiden, weil sie effektiv jünger sind“, schätzt der Wissenschaftler. Eine Studie, um diese Vermutung faktisch zu überprüfen, sei in Planung.

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Die Theorie gibt es schon länger

Dass das männliche Hirn schneller (oder zumindest früher) altert – zu diesem Ergebnis kam in der Vergangenheit bereits eine Studie aus Ungarn, veröffentlicht im Fachblatt „Brain Imaging and Behaviour“. Forscher der Universität von Szeged hatten die Hirne von rund 100 Probanden untersucht und zwischen Männern und Frauen gleich mehrere Strukturunterschiede in der Region unterhalb der Großhirnrinde festgestellt. Genauer gesagt: Bei Männern waren verschiedene Hirnsubstanzen schneller degeneriert als bei Frauen. Als mögliche Ursache dafür führten die Wissenschaftler hormonelle Unterschiede zwischen beiden Geschlechtern an.