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Erfahrungsbericht aus der Redaktion

»Wie ich meine 14-tägige Corona-Quarantäne erlebt habe

Zwei Wochen das Haus nicht verlassen zu dürfen, das ist ein ganz schön mieses Gefühl, findet die FITBOOK-Kollegin
Zwei Wochen das Haus nicht verlassen zu dürfen, das ist ein ganz schön mieses Gefühl, findet die FITBOOK-Kollegin
Foto: Privat

Dass man mit Corona schneller in Berührung kommen kann, als man denkt, hat unsere Kollegin Caro am eigenen Leib erfahren: Sie musste in vom Gesundheitsamt angeordnete Quarantäne. Hier beschreibt sie, was ihr in den 14 Tagen alles widerfahren ist. Es liest sich durchaus wie ein Krimi – glücklicherweise mit Happy End.

„Caro, ich habe schlechte News“ – als mein Freund mir das am Freitagabend schreibt, denke ich an viele Szenarien, aber nicht unbedingt an das, was tatsächlich folgen sollte. Seine zweite Nachricht: „Einer von meinen Kumpels, mit denen ich diese Woche unterwegs war, wurde positiv auf Corona getestet. Es könnte sein, dass ich mich bei ihm angesteckt habe. Du solltest dich also auch testen lassen.“ Wir hatten uns am Morgen und die Tage zuvor noch gesehen, 1,5 Meter Sicherheitsabstand dabei natürlich nicht zueinander gehalten. Sollte er tatsächlich infiziert sein, wäre ich das ziemlich sicher auch. Und das hieße dann: Corona-Quarantäne.

Ein Gefühl von Hilflosigkeit – erstmal Mama und Papa anrufen

Ein Gefühl von Hilflosigkeit und auch ein wenig Panik steigen in mir auf. Mein erster Impuls: Mama und Papa anrufen! Ja, ich bin 23 Jahre alt und vor vier Jahren zu Hause ausgezogen, aber manche Dinge ändern sich wohl nie. Sie geben mir den Rat, am besten so schnell wie möglich meine eigene WG zu verlassen. Stimmt, denke ich mir. Meine beiden Mitbewohner hatte ich seit dem Vortag nicht mehr gesehen. So würde ich sie keinem unnötigen Risiko aussetzen.

Ich werfe planlos Sachen für 2 Wochen in den Rucksack und begebe mich in Selbst-Quarantäne

Mein Freund und ich beschließen, uns bei ihm in der WG zusammen mit seinen Mitbewohnern, die ebenfalls alle mit besagtem Infizierten Kontakt hatten, in Selbst-Quarantäne zu begeben und dann gemeinsam das weitere Vorgehen zu besprechen. Ich werfe also schnell und ziemlich planlos Sachen in meinen Rucksack, auf die ich, wie ich glaube, in den nächsten zwei Wochen nicht verzichten könnte und mache mich auf den Weg. Es ist mittlerweile schon recht spät, die U-Bahn glücklicherweise fast leer. Ich setze mich möglichst weit weg von den wenigen Mitfahrern und fühle mich die gesamte Fahrt über unwohl.

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Die Mitbewohner haben Symptome

Unwohlsein beschreibt auch das Gefühl an den nun folgenden Tage ganz gut. Nachdem wir uns beim Gesundheitsamt gemeldet und unsere Lage geschildert haben, werden wir alle für Montagmorgen zum Test einbestellt. Bis dahin heißt es erst einmal Abwarten. Tatsächlich treten bei zwei der Mitbewohner im Laufe des Wochenendes Corona-Symptome auf – vor allem Kopfschmerzen, einer von ihnen hat auch leichtes Fieber. Bei beiden dauert das Ganze jedoch nur etwa einen Tag an, danach sind sie wieder fit. Wir versuchen ruhig zu bleiben, in der Hoffnung, dass wir am Ende vielleicht doch sogar alle negativ sind.

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Das Ergebnis unseres Corona-Tests

Am Montag fahren wir gemeinsam zum Corona-Test, allerdings mit zwei Autos. In einem sitzen diejenigen, die Symptome hatten, im anderen fahren alle ohne. Beim Gesundheitsamt angekommen, warten wir mit großem Abstand auf dem Parkplatz und werden nacheinander in einen Test-Container gebeten. Hier wird ein Nasen-Rachen-Abstrich von einer Ärztin in kompletter Schutzmontur gemacht. Ich muss zugeben, es gibt wirklich angenehmere Dinge als ein Stäbchen so tief in Hals und Nase gesteckt zu bekommen, aber ich hatte es mir schlimmer vorgestellt.

Am Dienstagmittag dann endlich der erlösende Anruf vom Gesundheitsamt – mit scheinbar guten Nachrichten. Der Test von meinem Freund, zwei seiner Mitbewohner und mir sei negativ ausgefallen. Bei den anderen dreien hätte man allerdings noch kein eindeutiges Ergebnis, würde sich aber im Laufe des Tages melden. Erleichterung macht sich breit, scheinbar hatten wir wohl Glück.

Zwei Stunden später der ernüchternde Anruf

Doch zwei Stunden später folgt der zweite, ernüchternde Anruf: Die Tests der drei anderen sind tatsächlich positiv. Unter anderem sind es eben die beiden Mitbewohner, die am Wochenende Symptome gezeigt hatten, der dritte hingegen ist bis dato völlig symptomfrei und fühlt sich gut.

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Corona-Quarantäne mit drei Infizierten – wie funktioniert das?

Nun ist klar: So schnell kommen wir aus dieser Sache nicht raus. Wir negativ Getesteten sind jetzt nämlich direkte Kontaktpersonen zu den positiven Mitbewohnern. Deshalb sind wir nach dem Infektionsschutzgesetz dazu verpflichtet, uns 14 Tage in Quarantäne zu begeben; und zwar egal, ob positiv oder negativ getestet.

Die Corona-Quarantäne wird uns einen Tag später auch offiziell vom zuständigen Gesundheitsamt auferlegt und für jeden ein sogenannter Quarantänebescheid ausgestellt.

Da sind wir also, sieben Leute in einem gemeinsamen Haushalt, von denen drei nachweislich Corona-positiv sind und vier (bislang) negativ. Aber wie verhält man sich in so einer Situation? Was uns die Quarantäne-Betreuerin vom Gesundheitsamt ausdrücklich ans Herz legt: Abstand untereinander halten, Hände waschen, gemeinsam genutzte Räume wie Badezimmer und Küche nach der Benutzung desinfizieren und immer wieder gut lüften. Sich in einer WG gänzlich aus dem Weg zu gehen ist aber zugegebenermaßen…schwierig.

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Ich bekomme Corona-Symptome – aber keinen zweiten Test

Einen Tag nach meinem Corona-Test bekomme auch ich Kopfschmerzen und fühle mich ziemlich schlapp. Ich hoffe darauf, dass ich nur ein wenig unter Phantom-Beschwerden leide und mir unnötig Sorgen mache. Ich war doch negativ, denke ich mir, das kann nicht sein. Doch der nächste Tag wird leider nicht besser, denn nun habe ich dazu noch trockenen Husten und bin unfassbar müde. An diesem Tag ruft nochmal das Gesundheitsamt an, diesmal aus meinem eigentlichen Wohnbezirk. Die Mitarbeiterin erkundigt sich nach meinem Befinden, woraufhin ich ihr meine Symptome schildere. Sie sagt mir, dass es sehr wahrscheinlich sei, dass ich mich trotz negativem Test noch bei einem der positiven Mitbewohner in meinem Haushalt infiziert habe und es Montag entweder zu früh für ein eindeutiges Ergebnis war oder die Ansteckung eben erst danach passiert sein könnte. Was mich verwundert: Ich werde kein zweites Mal getestet.

Verwirrung bei den Gesundheitsämtern

Schuld daran ist in meinem Fall wohl, dass ich die Quarantäne bei meinem Freund in einem anderen Stadtteil verbringe. Dort würde man – laut Aussage meines eigentlich zuständigen Gesundheitsamtes – nicht extra hinfahren, um nochmal einen Abstrich zu machen. Ich bin nämlich sozusagen zwei Gesundheitsämtern zugeordnet, dem im Bezirk der WG meines Freundes sowie meinem eigenen – und wer am Ende für mich verantwortlich ist, kann mir niemand genau sagen.

Ich solle die Quarantäne jedenfalls weiter aussitzen und mich melden, falls es deutlich schlimmer werde. Bin ich 48 Stunden vor Ende wieder symptomfrei, dürfe ich danach auch wieder raus. Hier handelt es sich sicher eher um eine Ausnahmesituation, weshalb ich nichts darüber sagen kann, wie in anderen Fällen bei nachträglich auftretenden Symptomen in der Corona-Quarantäne vorgegangen wird. An dieser Stelle fühle ich mich von offizieller Seite ein wenig alleine gelassen.

Ich versuche, mir nicht allzu große Sorgen zu machen

Die nächsten Tage verbringe ich also mit viel Tee, versuche mich auszuruhen und mir nicht allzu große Sorgen zu machen. Glücklicherweise scheint Corona bei mir, wie auch bei den anderen, mild zu verlaufen. Ich fühle mich nicht gerade topfit, aber war in meinem Leben definitiv schon schlimmer krank. Ich würde es eher mit einer Erkältung vergleichen. Den anderen Infizierten geht es mittlerweile sogar wieder richtig gut, keiner hat mehr Symptome. Das Einzige, worüber alle drei nach ein paar Tagen klagen, ist der fehlende Geruchs- und Geschmackssinn. Das ist mir bislang erspart geblieben.

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Wie versorgt man sich eigentlich in der Quarantäne?

Unsere allergrößte Sorge zu Beginn der Quarantäne ist es natürlich, dass wir womöglich verhungern könnten – die stellt sich aber als unbegründet heraus. In Berlin gibt es mittlerweile einige Anbieter, die Lebensmittel nach Hause liefern. Wir machen also eine Einkaufsliste für die Quarantäne-Zeit und geben eine Großbestellung auf. Diese wird uns bereits einen Tag später kontaktlos und Corona-sicher vor der Haustür abgestellt.

Auch testen wir die diversen Angebote an Essens-Lieferservicen im nahen Umkreis. Hier sorgen durchaus für Verwunderung, weil wir die Haustür nicht öffnen. „Sorry, wir können leider nicht aufmachen, weil wir gerade in Corona-Quarantäne sind!“ Maximale Verwirrung beim ein oder anderen Pizzaboten.

Als würde alles still stehen – das ist manchmal nicht leicht

Wovon wir natürlich nicht verschont bleiben, ist der Lagerkoller. Zwei Wochen zu siebt aufeinander zu sitzen kann schon auf die Nerven gehen. Das schlägt sich auch immer mal wieder in unserer aller Laune nieder.

Für mich kommt noch hinzu, dass ich nicht in meiner eigenen Wohnung bin und irgendwann ein wenig Heimweh bekomme. Ich habe Sehnsucht nach meinem eigenen Bett, meinem eigenen Bad und vor allem: Nach meinem autonomen Leben. Ich bin generell ein Mensch, der meistens sehr aktiv und den ganzen Tag unterwegs ist, sei es bei der Arbeit, beim Sport oder mit Freunden. In der Quarantäne fühle ich mich irgendwie, als würde alles still stehen – das ist manchmal gar nicht so leicht.

Die fehlende Bewegung macht mich unausgeglichen

Ich habe zwar genug zu tun, da ich mich auf eine wichtige Uni-Klausur vorbereiten und sowieso den ganzen Tag lernen muss.  Auch bin ich in sehr guter Gesellschaft und telefoniere fast täglich mit Freunden und meiner Familie, die sich immer wieder nach uns erkundigen. Dennoch ist das Gefühl, nicht rausgehen zu dürfen, wirklich mies. Vor allem die fehlende Bewegung macht mich total unausgeglichen – denn Joggen oder spazieren gehen können wir auch nicht.

Den anderen geht es ähnlich. Am Ende des Tages sind wir aber immer wieder sehr froh, in der Quarantäne nicht alleine zu sein. Es ist eben eine Ausnahmesituation, die wir gerade zusammen durchleben. Gefühlsmäßige Hochs und Tiefs lassen sich da nicht vermeiden.

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Ich bin (wieder) negativ, aber…

Zwei Wochen später ist er dann endlich da, der Tag der wiedergewonnenen Freiheit. Da meine Symptome seit Mitte der Woche abgeklungen sind, darf ich die Corona-Quarantäne ganz offiziell beenden. Die ersten Schritte vor die Tür fühlen sich ein wenig unbehaglich, fast schon illegal an. Vor allem in den ersten Tagen nach der Quarantäne bin ich immer noch sehr darauf bedacht, niemandem zu nahe zu kommen. Zwei Wochen klingen zwar nicht unbedingt nach einer langen Zeit, dennoch muss ich mich erst einmal wieder an die „Welt da draußen“ gewöhnen.

Nach Ablauf der Quarantäne wird man vom Gesundheitsamt übrigens nicht nochmal getestet, ob man nun wirklich Corona-frei ist. Bevor ich wieder zur Arbeit kommen darf, bittet mein Chef mich deshalb zur Sicherheit auf Kosten des Arbeitgebers einen weiteren Corona-Test zu machen. Die gute Nachricht: Das Ergebnis ist negativ! Ich bin sehr erleichtert. Was in meinem Kopf dennoch bleibt, ist ein großes Fragezeichen. Dass ich während der Quarantäne Corona hatte, ist ziemlich wahrscheinlich, den positiven „Beweis“ gab es aber eben nie. Fest steht für mich deshalb, dass ich in ein paar Wochen noch einen Antikörpertest machen werde. Den muss ich zwar selbst bezahlen, aber für die Gewissheit ist es mir das wert.

Was ich in der Zeit gelernt habe

Ganz besonders aber habe ich aus dem Ganzen mitgenommen, dass man die aktuelle Corona-Lage nicht unterschätzen sollte. Wir alle hatten zwar Glück und nur einen milden Verlauf, aber die Krankheit ist meiner Meinung nach nicht berechenbar. Ich habe immer auf die Hygienemaßnahmen geachtet und mich nicht unverantwortlich verhalten, dennoch bin ich mit Corona in Kontakt gekommen – am Ende des Tages kann das jeden treffen, auch wenn man es nicht erwartet.

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