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Wie im „Tatort“

Dürfte JEDER einen Luftröhrenschnitt machen?

Frau greift sich an ihren Hals
Wenn kein Beatmungschlauch gelegt werden kann, um eine Lebensbedrohung durch Atemnot abzuwenden, bleibt oft nur noch die Möglichkeit eines Luftröhrenschnitts. Aber: Geht das wirklich so einfach, wie oftmals im Film dargestellt?
Foto: Getty Images

Der Schweizer „Tatort“, der am vergangenen Sonntag lief, stieß bei seinen Zuschauern teilweise auf Kritik. Nicht zuletzt ein Luftröhrenschnitt, durchgeführt an einem vergifteten Klarinettisten im Backstage-Bereich eines Konzertsaals, wirft Fragen auf. Hätte er durch diese medizinische Maßnahme wirklich gerettet werden können? War sie realistisch dargestellt – und dürften sie im Notfall, um ein Leben zu retten, auch Laien ergreifen? FITBOOK sprach mit Experten.

Wie funktioniert ein Luftröhrenschnitt?

Es gibt verschiedene Situationen, in denen ein Luftröhrenschnitt sinnvoll wäre. Das ist jedenfalls auf Gesundheitsportalen, wie beispielsweise auf „Netdoktor“, nachzulesen. Wenn ein Patient keine Luft bekommt, soll er mittels Tracheostoma – so der Fachgriff für den Luftröhrenschnitt – beatmet werden können; auch für einen längeren Zeitraum. Der Behandelnde setzt einen Querschnitt im oberen Bereich der Luftröhre, um sie chirurgisch zu öffnen, wobei auch ein Teil des Knorpelgewebes entfernt werden muss. Im Anschluss wird eine Kanüle gelegt, an der entsprechenden Stelle fixiert und zur Beatmung genutzt.

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In (Action-)Filmen sind meist „dilatative“ Luftröhrenschnitte zu sehen. Dabei wird der Hals des Patienten mit einem spitzen Instrument aufgestochen und die Haut durch den Sanitäter quasi aufgedrückt, bis er die Luftröhre erreicht. Mit einem Draht ebnet er dort den Weg für einen Dilatator, also ein spezielles medizinisches Instrument zum Erweitern von Körpergewebe.

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Risiken eines Luftröhrenschnitts

Es versteht sich von selbst, dass die Patientenhaut desinfiziert und das genutzte Werkzeug steril sein muss, um Infektionen zu vermeiden. Die Wunde kann sich entzünden, die Kanüle falsch gesetzt werden oder verrutschen, auch sind Verletzungen der Speiseröhre, ein Luftröhrenverschluss oder Herzstillstand und verschiedene weitere, womöglich fatale Folgen denkbar. Dass auch, wenn alles gut läuft, eine Narbe verbleiben und an die Tracheostoma erinnern wird – ein geringes Übel.

Dennoch.

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»Lächerlich! Das funktioniert nur im Film

FITBOOK sprach mit Professor Leo Latasch, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Frankfurt am Main. Seiner Meinung nach solle man es bloß nicht ernstnehmen, wenn Luftröhrenschnitte in der Fiktion als eine einfache Ersthelfermaßnahme dargestellt werden. In Wahrheit handele es sich um einen Eingriff, der im Krankenhaus unter sterilen und stationären Bedingungen durchgeführt werden müsse. Und: „Ein Luftröhrenschnitt kann nur helfen, wenn eine mechanische Verlegung im Kehlkopf vorliegt“, erklärt uns der Arzt – „also NICHT, wenn jemand beispielsweise vergiftet wurde.“

Die „Tatort“-Komissare Reto Flükiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer)

Im „Tatort: Die Musik stirbt zuletzt“ ermitteln Reto Flückiger (gespielt von Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer). In der Folge wird einem Klarinettisten, nachdem er mit Parathion vergiftet wurde, per Luftröhrenschnitt das Leben gerettet. „Dabei würde das in diesem Fall gar keinen Sinn machen“, erklärt uns Professor Leo Latasch, „da der Vergiftete nicht an einem zugeschnürten Kehlkopf sterben würde.“
Foto: obs/ARD Das Erste/© SRF/Hugofilm“

Tracheotomie und Koniotomie werden oft verwechselt

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Puppe mit Luftröhrenschnitt

FITBOOK fragte bei verschiedenen deutschen Notfalltrainingszentren nach und fand heraus: Luftröhrenschnitte sind NICHT Bestandteil gewöhnlicher Erste-Hilfe-Kurse. Und das aus gutem Grund!
Foto: Getty Images

In DIESEN Fällen wäre ein Luftröhrenschnitt sinnvoll

Dr. med. Roman Roitman ist Hals-Nasen-Ohrenarzt, ebenfalls aus Frankfurt am Main, und seinerseits oft mit dem professionellen Setzen eines Luftröhrenschnitts betraut. Er bestätigt, dass diese Maßnahme im Notfall seltener genutzt wird als beispielsweise, wenn eine Beatmung von längerer Dauer nötig ist. Dabei besteht ein geringeres Verletzungsrisiko für Kehlkof, Stimmbänder und Naseninnenraum als beispielsweise bei der Intubation. Der entsprechende Beatmungsschlauch führe zudem zu einem Fremdkörpergefühl in Mund oder Nase. Ein weiterer Indikationsbereich: wenn ein Gegenstand oder Lebensmittelteil in die falsche Röhre gelangt ist. „Notfalls müsste man ihn über einen Luftröhrenschnitt entfernen“, weiß Dr. Roitman aus Erfahrung.

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