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Herzstiftung warnt

Verbreitete Partydroge kann Herzschäden verursachen

Frau hat Drogen in der Arschtasche
Amphetamine bedeuten ein regelrechtes Feuerwerk an Nervenimpulsen, was für den Körper massiven Stress bedeutet: Herzfrequenz und Blutdruck steigen rapide an
Foto: Getty Images

Die Deutsche Herzstiftung warnt vor lebensgefährlichen Schäden durch Amphetamine. Vor allem jungen Menschen kann ihr guter Allgemeinzustand zum Verhängnis werden.

Die Deutsche Herzstiftung warnt im Titelbeitrag „Von der Technoparty auf die Intensivstation – Die gefährlichen Lifestyle-Drogen“ ihrer Zeitschrift HERZ vor den herzschädigenden Wirkungen von Amphetaminen und anderen sogenannten Lifestyle-Drogen.

Vor allem junge Patienten betroffen

Wie die Herzstiftung in einer Pressemitteilung berichtet, passiert es vor allem am Wochenende: Junge Menschen (meist um die 20 bis 25 Jahre) landen mit schwerer Luftnot in der Notaufnahme. Dabei ist ihr Blutkreislauf so instabil, dass man sie künstlich beatmen muss. Bei einer toxikologischen Untersuchung stoßen die Mediziner dann auf eine hohe Amphetamindosis.

Die sorgt dafür, vor allem wenn sie regelmäßig dem Kreislauf zugemutet wird, dass feine Narben den Herzmuskel durchziehen, während die linke Herzkammer nur noch schwach pumpt. Herzspezialisten in deutschen Krankenhäusern bemerken einen Anstieg solcher Notfälle. Allein 2012 waren es bundesweit 36 dieser Art. Klingt erstmal nicht viel? Nun denn, das sind drei Notfälle jeden Monat aufgrund einer Droge, die man in der Regel mit wilden Partynächten verbindet – und weniger mit bleibenden Herzschäden. Zumal: Tendenz steigend.

Experten wie Prof. Dr. med. Heinrich Klues – Chefarzt der Medizinischen Klinik I für Kardiologie und konservative Intensivmedizin am Helios Klinikum Krefeld – sehen es als „sehr wahrscheinlich, dass die Anzahl der Menschen, die aufgrund ihres Amphetaminkonsums eine schwere Herzschädigung erleiden, (…) auch in Europa stark zunehmen wird“.

Klues könne das jetzt schon aus seinem Arbeitsalltag bestätigen: „Wir haben in unserer Klinik (…) immer wieder Fälle mit schweren, durch Amphetamine ausgelöste Herzschäden (…).“

Wie Amphetamine das Herz schädigen

So wirken Amphetamine

Körpereigene Botenstoffe (Neurotransmitter) sorgen an Synapsen dafür, dass die elektrische Erregung von Nervenzelle zu Nervenzelle übertragen wird. Amphetamine, die Neurotransmittern in ihrem chemischen Aufbau ähneln, verdrängen die natürlichen Botenstoffe in den Nervenzellen. Infolgedessen veranlassen Amphetamine ein regelrechtes Feuerwerk an Nervenimpulsen, was für den Körper massiven Stress bedeutet: Herzfrequenz und Blutdruck steigen rapide an. (Quelle: Deutsche Herzstiftung)

Vor diesem Hintergrund möchte die Herzstiftung zu mehr Aufmerksamkeit für die schweren gesundheitlichen Folgen von regelmäßigem Amphetaminkonsum aufrufen. Betroffen sind übrigens nicht nur das Herz-Kreislauf-System, sondern auch das Nervensystem und andere Organe wie Gehirn, Leber und Nieren. „Größere Sensibilität im familiären Umfeld und in den Schulen der Jugendlichen, aber auch bei den Ärzten in Praxen und Kliniken ist erforderlich“, betont Klues. Für Betroffene gibt es neben Selbsthilfegruppen in mehreren deutschen Städten Anlaufstellen wie die Beratungseinrichtungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) oder die bundesweite „Sucht & Drogen Hotline“.

Was Amphetamine bei jungen Menschen so gefährlich macht

Amphetamine wirken aufputschend und leistungssteigernd und versetzen den Körper in einen dauerhaft erzeugten Stresszustand. Letzterer, so vermuten die Kardiologen, verursache auch die Vernarbungen im Herzmuskelgewebe der Betroffenen.

„Die Wirkung der Amphetamine ist auch deshalb bei jungen Erwachsenen so zerstörerisch, weil sie medizinisch zumeist erst dann auffällig werden, wenn ihr Herz bereits lebensbedrohlich geschädigt ist“, erklärt Klues weiter. Das hat einerseits damit zu tun, dass sie aufgrund ihres Alters über große Leistungsreserven verfügen und erst spät Symptome zeigen. Außerdem kommen Arztbesuche von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Regel eher selten vor – was der Chance einer frühen Diagnose im Wege steht. Erschwerend kommt hinzu, dass Ärzte in Praxen und Kliniken zu selten fragen, ob ein (regelmäßiger) Drogenkonsum vorliegt und/oder Drogentests veranlassen.

Wer mehr über das Thema wissen möchte, kann die aktuelle Ausgabe von HERZ kostenfrei bei der Herzstiftung unter Tel. 069 / 955128400 oder unter bestellung@herzstiftung.de anfordern.