12. April 2026, 18:24 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Ein Zahnimplantat soll für Stabilität und Beschwerdefreiheit sorgen. Doch statt der erhofften Ruhe können plötzlich Jucken, Blutungen oder Schwellungen auftreten. Hinter solchen Symptomen steckt häufig eine Entzündung rund um das Implantat, die sich oft unbemerkt entwickelt und schneller fortschreiten kann als am natürlichen Zahn. Umso wichtiger ist es, früh gegenzusteuern. Mit der richtigen Pflege und regelmäßigen Kontrollen lässt sich das Risiko deutlich reduzieren.
So verhindern Sie Entzündungen am Implantat
Der wirksamste Schutz vor einer Periimplantitis ist eine konsequente Mundhygiene. Implantate müssen täglich gründlich gereinigt werden, da sich bakterielle Beläge sonst festsetzen und Entzündungen auslösen können. Neben dem klassischen Zähneputzen spielt vor allem die Reinigung der Zahnzwischenräume eine entscheidende Rolle, etwa mit Interdentalbürstchen oder Zahnseide.
Ebenso wichtig sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen in der Zahnarztpraxis. Dabei können selbst frühe Veränderungen erkannt werden, bevor sie sich zu einer ernsthaften Entzündung entwickeln. Ergänzend trägt eine professionelle Zahn- und Implantatreinigung dazu bei, hartnäckige Beläge zu entfernen, die im Alltag oft nicht vollständig erreicht werden.
Auch der Lebensstil beeinflusst das Risiko. Rauchen gilt als einer der wichtigsten Risikofaktoren, da es die Entstehung von Entzündungen deutlich begünstigt. Wer darauf verzichtet, schützt nicht nur seine allgemeine Gesundheit, sondern auch die Stabilität des Implantats.
Darüber hinaus ist es entscheidend, die Pflege individuell anpassen zu lassen. Je nach Position und Aufbau des Implantats können unterschiedliche Hilfsmittel sinnvoll sein. Eine gezielte Anleitung in der Zahnarztpraxis hilft, Fehler bei der Reinigung zu vermeiden.1
Was hinter einer Periimplantitis steckt
Klassische Zahnerkrankungen wie Karies betreffen Implantate nicht. Dennoch können künstliche Zahnwurzeln erkranken. Bei der sogenannten Periimplantitis entzündet sich das Gewebe rund um das Implantat. Betroffen sind zunächst Zahnfleisch und Schleimhaut, im weiteren Verlauf kann auch der Kieferknochen angegriffen werden.
Die Erkrankung entsteht meist durch Bakterien, die sich in Zahnbelägen ansiedeln. Ähnlich wie bei einer Parodontitis breitet sich die Entzündung aus, wenn diese Beläge nicht entfernt werden. Das Problem: Implantaten fehlt ein natürlicher Schutzmechanismus, weshalb sich Entzündungen hier oft schneller in die Tiefe ausbreiten.2
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Die Vorstufe: Mukositis
In vielen Fällen beginnt die Erkrankung mit einer sogenannten periimplantären Mukositis. Dabei ist nur die Schleimhaut entzündet, der Knochen ist noch nicht betroffen. In diesem Stadium lässt sich die Entzündung in der Regel gut behandeln.
Bleibt sie jedoch unerkannt, kann sie sich weiterentwickeln und zu einer Periimplantitis führen, bei der auch der Knochen geschädigt wird.
Typische Symptome: Oft lange unauffällig
Eine Periimplantitis bleibt häufig lange unbemerkt, da sie zunächst keine Schmerzen verursacht. Laut Zahnarzt Jochen Schmidt vom Kölner Carree Dental kann sich die Entzündung etwa durch Jucken bemerkbar machen.
Weitere mögliche Anzeichen sind Schwellungen, Blutungen und unangenehmer Mundgeruch. Auch gerötetes oder empfindliches Zahnfleisch, Zahnfleischrückgang oder ein unangenehmer Geschmack können auftreten. In fortgeschrittenen Stadien sind Eiterbildung, Schmerzen und eine Lockerung des Implantats möglich.
Da Schmerzen oft erst spät einsetzen, wird die Erkrankung häufig erst erkannt, wenn bereits Schäden am Kieferknochen entstanden sind.3
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Ursachen und Risikofaktoren
Die häufigste Ursache für eine Periimplantitis ist eine unzureichende Mundhygiene. Werden bakterielle Beläge auf dem Implantat und in den Zahnzwischenräumen nicht regelmäßig entfernt, können sie Entzündungen auslösen und sich zunehmend ausbreiten. Darüber hinaus gibt es weitere Faktoren, die das Risiko erhöhen. Dazu zählen unter anderem Stress sowie hormonelle Veränderungen. Auch Erkrankungen wie Diabetes oder Osteoporose können eine Rolle spielen, ebenso wie die Einnahme bestimmter Medikamente.
Ein erhöhtes Risiko besteht außerdem bei Patienten, die bereits an Parodontitis gelitten haben. Mechanische Einflüsse wie Zähneknirschen, Fehlbelastungen beim Kauen oder eine ungünstige Position des Implantats können die Situation zusätzlich verschärfen. Ebenso problematisch sind schwer zugängliche Stellen, die sich im Alltag nur schlecht reinigen lassen, sowie verbliebene Zementreste unter der Krone, die das Gewebe dauerhaft reizen können. Nicht zuletzt tragen auch versäumte Kontrolltermine dazu bei, dass Entzündungen unbemerkt fortschreiten
Diagnose: Früh erkennen entscheidet
Da die Erkrankung oft lange ohne Schmerzen verläuft, spielt die zahnärztliche Kontrolle eine zentrale Rolle. In der Praxis wird unter anderem die Tiefe der Zahnfleischtaschen gemessen und geprüft, ob das Gewebe bei Berührung blutet.
Zusätzlich liefert ein Röntgenbild wichtige Hinweise darauf, ob bereits Knochen rund um das Implantat abgebaut wurde. Erst durch diese Kombination lässt sich die Erkrankung sicher einordnen.
Auch hier gilt: Je früher, desto besser
Die Therapie hängt vom Stadium der Entzündung ab. In frühen Phasen genügt häufig eine gründliche Reinigung des Implantats, um bakterielle Beläge zu entfernen. Dabei können auch spezielle Verfahren wie Pulverstrahltechnik oder Laser eingesetzt werden.
Ist die Erkrankung weiter fortgeschritten und der Knochen bereits betroffen, kann ein chirurgischer Eingriff notwendig werden. Dabei wird das Gewebe geöffnet, um entzündete Bereiche zu reinigen und die Implantatoberfläche zu behandeln. In manchen Fällen ist zusätzlich ein Knochenaufbau erforderlich.
Bei starkem Knochenverlust oder einer Lockerung des Implantats kann eine Entfernung notwendig werden.
Nicht jedes Symptom bedeutet Periimplantitis
Beschwerden rund um ein Implantat müssen nicht immer auf eine Periimplantitis hindeuten. Auch eine allergische Reaktion oder eine schlecht sitzende Krone können ähnliche Symptome verursachen. Deshalb sollten Veränderungen immer zeitnah abgeklärt werden.
Kosten: Vorbeugung lohnt sich
Die Behandlungskosten hängen stark vom Fortschritt der Erkrankung ab. Während frühe Maßnahmen vergleichsweise einfach und kostengünstig sind, können fortgeschrittene Therapien mit Operation und Knochenaufbau deutlich teurer werden.
Wer früh auf Symptome reagiert und konsequent vorbeugt, kann nicht nur seine Gesundheit schützen, sondern auch aufwendige Behandlungen vermeiden.
*mit Material von dpa