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Nachgefragt beim Gynäkologen

Sofort wieder schwanger nach Geburt – wie gefährlich ist das?

Sofort wieder schwanger: Schwangere Frau mit Kind
Wie viel Zeit sollten Frauen aus gesundheitlichen Gründen im Idealfall zwischen Schwangerschaften und Geburten verstreichen lassen? Foto: Getty Images/Science Photo Library RF
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20. August 2025, 4:10 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Wie viel Zeit sollte zwischen Schwangerschaften liegen, wenn Frau gerade erst entbunden hat, und wie riskant ist das eigentlich? Ein Gynäkologe erklärt, worauf werdende Mütter achten sollten, wenn sie direkt nach der Geburt wieder schwanger werden.

Manchmal geht es schneller, als es einem lieb ist: Nur kurz nach der Entbindung eines Babys kann die Einmal-Mama schnell zur zweifachen Mutter werden. Neben der doppelten Belastung stellt sich auch die Frage: Ist das für Neugeborenes und Mutter gefährlich?

Sofort wieder schwanger werden? Das sagt die Wissenschaft

Die WHO empfiehlt seit 2005 eine Wartezeit von 24 Monaten, um Risiken für Mutter und Kind zu vermeiden.1 Allerdings wird dieser Zeitraum mittlerweile aufgrund einer Studie aus dem Jahr 2021, in der über 5,5 Millionen Geburten in hoch entwickelten Ländern analysiert wurden, hinterfragt.2

Das Ergebnis: Kurze Schwangerschaftsabstände von weniger als sechs Monaten waren mit einem erhöhten Risiko für spontane Frühgeburten verbunden. Bei einer Wartezeit von über 60 Monaten gab es jedoch auch negative Geburtsergebnisse, weshalb von sehr kurzen sowie äußerst langen Schwangerschaftsintervallen (IPI) – zumindest in hoch entwickelten Ländern wie Australien, Finnland und Norwegen – abgeraten wird. Die Wartezeit von 24 Monaten sei hier nicht nötig, und ein gelungener Zeitraum mit den wenigsten, negativen Geburtsergebnissen sei ein IPI von zwölf bis 24 Monaten.

»Reserven müssen erst wieder aufgefüllt sein

Eine erneute Schwangerschaft, die fast nahtlos an die vorherige anschließt, sei eine Belastung für den Körper – das bestätigt auch der Gynäkologe Dr. Christian Albring.

Es komme zwar immer darauf an, wie die Frau ihr Kind zuvor entbunden habe – natürlich oder per Kaiserschnitt –, allerdings müsse sich der Körper nach einer Schwangerschaft erst einmal erholen. „Die Gefahr einer Fehlgeburt ist bei so einem Fall sehr hoch, weil die Reserven im weiblichen Körper, wie Gelbkörper, noch nicht komplett aufgefüllt sind. Das heißt konkret, dass die Schwangere sich einer intensiveren Kontrolle unterziehen muss.“

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Bei Kaiserschnitt länger warten

War die vorherige Geburt ein Kaiserschnitt, birgt das Risiken: „Hat man zuvor per Kaiserschnitt entbunden, sind die Bauchverletzungen womöglich bisher nicht richtig verheilt“, so der Experte. „Idealerweise sollte zwischen zwei Schwangerschaften mindestens ein Jahr liegen, um seinem Körper Regeneration zu gönnen und sich auf das andere Kind zu konzentrieren.“

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. erwähnt, dass die Schmerzbelastung und Immobilität nach einem Kaiserschnitt dazu höher seien.3 Auch deshalb lohnt es sich, den Körper zunächst für eine gute Zeit ruhen zu lassen.

Schonphase für Sex ist nicht nötig

Für Sex gelte diese Schonphase aber nicht. Frisch gebackene Eltern könnten schon direkt nach der Entbindung wieder aktiv werden. „Sie sollten aber verhüten“, sagt Albring, sollte keine erneute Schwangerschaft geplant sein. „Auch wenn die Fruchtbarkeit kurz nach einer Entbindung bei der Mutter eingeschränkt ist und auch bei stillenden Müttern deutlich abnimmt, kann die Frau dennoch schwanger werden.“

Wann sich der Zyklus und damit die Fruchtbarkeit wieder normalisieren, ist ganz individuell. Der Eisprung, also der Zeitpunkt, zu dem die Frau wieder empfängnisbereit ist, findet zehn bis 14 Tage vor der ersten Periode statt. Das heißt, man ist nicht erst nach der ersten Menstruation fähig zur nächsten Schwangerschaft, sondern bereits einige Tage vorher.

Quellen

  1. WHO. Report of WHO – Technical Consulting on Birth Spacing (aufgerufen am 19.8.2025) ↩︎
  2. Tessema, G.A., Marinovich, M.L., Håberg, S.E. et al. (2021). Interpregnancy intervals and adverse birth outcomes in high-income countries: An international cohort study. PLoS One. ↩︎
  3. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. Sectio caesarea (aufgerufen am 19.8.2025) ↩︎

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