27. Juni 2026, 8:13 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Blau wie Bonbons, rot wie Limonade, grün wie Schleim aus dem Kinderfernsehen – Slush-Eis ist kein Getränk, es ist ein Erlebnis. Und genau das macht es für die Kleinen so unwiderstehlich: süß, eiskalt, bunt. Doch was nach Spaß und Sommer aussieht, birgt besonders für Kinder ein Risiko, das kaum jemand kennt.
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Schon wenig „Slushy“ kann für Kinder gefährlich sein
Slush-Eis wirkt harmlos – doch viele Sorten enthalten den Zusatzstoff Glycerin (E 422). Dieser kann besonders für Kinder kritisch sein. Untersuchungen aus Deutschland zeigen: Schon wenig „Slushy“ kann für Kinder gefährlich sein. Darauf weist das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hin.1
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Was ist Glycerin – und warum steckt es im Slush-Eis?
Glycerin – auch bekannt als Glycerol oder Glyzerin – ist eine süß schmeckende, farblose Flüssigkeit, die chemisch zu den Alkoholen gehört. Sie entsteht unter anderem bei der alkoholischen Gärung und ist in pflanzlichen sowie tierischen Fetten enthalten. In der EU ist Glycerin als Zusatzstoff E 422 für Lebensmittel zugelassen. Eine Höchstmengenregelung gibt es nicht.
Unter den E-Nummer E 400 bis 495 verstecken sich Verdickungs- und Feuchthaltemittel. In Slusyh-Eis sorgt E422 dafür, dass die Flüssigkeit nicht vollständig gefriert. Ohne diesen Zusatzstoff würde die typische „Slushy“-Konsistenz – matschig und halbgefroren – nicht erreicht. Vor allem in zuckerreduzierten oder zuckerfreien Varianten wird Glycerin häufig eingesetzt, um den gefrierhemmenden Effekt des Zuckers auszugleichen und die typische Konsistenz zu erhalten.
Weniger als 200 Milliliter Slush-Eis können gesundheitliche Folgen haben
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass Kinder wegen ihres geringeren Körpergewichts besonders empfindlich auf Glycerin reagieren können. Schon beim Konsum von weniger als 200 Millilitern eines Slush-Eises mit mittlerem Glycerinanteil kann ein fünfjähriges Kind eine Dosis aufnehmen, die medizinisch zur Senkung des Hirndrucks eingesetzt wird. Mögliche Folgen sind Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall – in seltenen Fällen auch Krampfanfälle oder Bewusstseinsstörungen.
Untersuchung zeigt hohe Glycerin-Belastung bei Slush-Eis in Deutschland
Das BfR hat zwischen November 2023 und Oktober 2024 insgesamt 62 Slush-Eis-Proben aus verschiedenen Bundesländern untersucht. Etwa die Hälfte dieser Proben wies einen Glycerin-Gehalt von mehr als 25 Gramm pro Liter auf. Die höchste gemessene Konzentration betrug 142 Gramm pro Liter. Nach Berechnungen des BfR kann ein fünfjähriges Kind mit einem Körpergewicht von 20 Kilogramm bereits beim Verzehr von weniger als 200 Millilitern eines Slush-Eises mit durchschnittlichem Glycerin-Gehalt eine Dosis aufnehmen, die der therapeutisch wirksamen Menge entspricht oder diese überschreitet. Bei Produkten mit besonders hohen Glycerin-Gehalten reichen dafür sogar deutlich kleinere Mengen aus.
Auch Ökotest sieht Risiken – besonders bei zuckerfreien Varianten
Insbesondere zuckerfreie oder zuckerreduzierte Slush-Eis-Varianten können höhere Mengen an Glycerin enthalten als klassische Sorten mit Zucker. Der Grund: Glycerin wird häufig verwendet, um die gewünschte Konsistenz trotz fehlendem Zucker zu gewährleisten. Problematisch ist dabei, dass Glycerin als Zusatzstoff E 422 auf der Zutatenliste steht und vielen Eltern daher nicht bewusst ist, dass ihre Kinder über das Getränk Glycerin aufnehmen. Das BfR weist darauf hin, dass insbesondere jüngere Kinder bereits mit üblichen Portionsgrößen gesundheitlich bedenkliche Mengen aufnehmen können.
Internationale Fallberichte bestätigen die Gefahrenlage
In einer rückblickenden Auswertung wurden in Großbritannien und Irland insgesamt 21 Fälle registriert, in denen Kinder nach dem Verzehr von Slush-Eis akute gesundheitliche Beschwerden entwickelten. Die betroffenen Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren zeigten Symptome wie Bewusstseinsstörungen, Unterzuckerung, Übelkeit oder Krampfanfälle. Bei den untersuchten Kindern wurden charakteristische Stoffwechselveränderungen festgestellt; in den untersuchten Urinproben fand sich Glycerin (Glycerolurie). Die meisten dieser Vorfälle ereigneten sich ab dem Jahr 2018. Die Studienautoren vermuten einen Zusammenhang mit der Einführung der Zuckersteuer in Großbritannien und Irland, da Hersteller seither häufiger Glycerin als Ersatz für Zucker einsetzen könnten. Einen ursächlichen Zusammenhang konnte die Studie jedoch nicht nachweisen.2
Aber auch nach dem Verzehr sollten Eltern aufmerksam sein
Treten nach dem Verzehr eines Slush-Eises Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Benommenheit auf, werden diese gerade an heißen Sommertagen häufig zunächst der Hitze oder einer zu geringen Flüssigkeitszufuhr zugeschrieben. In manchen Fällen könnte jedoch auch das im Slush-Eis enthaltene Glycerin die Ursache sein.
Tritt nach dem Konsum eines Slush-Getränks Unwohlsein auf, sollte das Kind ausreichend trinken, sich ausruhen und die Beschwerden sollten beobachtet werden.
Wenn die Beschwerden stark sind, länger anhalten oder Symptome wie Krampfanfälle oder Bewusstseinsstörungen auftreten, sollte umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Glycerin kann den Wasserhaushalt des Körpers beeinflussen und insbesondere bei kleinen Kindern gesundheitliche Probleme verursachen.
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Glycerinfreie Alternativen sind möglich – Eltern sollten genau hinschauen
Rund ein Drittel der vom BfR analysierten Slush-Produkte enthielt kein nachweisbares Glycerin – ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Herstellung technisch auch ohne den Zusatzstoff möglich ist. Konkrete Regelungen zur Begrenzung des Glycerin-Gehalts existieren in Deutschland bislang jedoch nicht. In Großbritannien empfiehlt die Food Standards Agency (FSA) inzwischen, dass Kinder unter sieben Jahren keine glycerinhaltigen Slush-Getränke konsumieren sollten. Für Kinder zwischen sieben und zehn Jahren gilt die Empfehlung, den Konsum auf maximal ein 350-Milliliter-Getränk pro Tag zu begrenzen. Zudem sollen entsprechende Warnhinweise gut sichtbar angebracht werden.3
Tipps für Eltern: Das können Sie tun
Eltern, die ihren Kindern Slush-Eis nicht vollständig verbieten möchten, sollten zumindest auf die Portionsmenge achten. Das BfR empfiehlt speziell bei jüngeren Kindern, möglichst auf glycerinhaltiges Slush-Eis zu verzichten. Bei älteren Kindern sollte der Konsum nur gelegentlich und in kleinen Mengen erfolgen. Empfehlenswert sind Alternativen wie ungesüßter Früchtetee, Wasser mit Eiswürfeln oder selbstgemachte Granita, etwa aus Zitronensaft, Wasser und Zucker. Diese Optionen sorgen für Erfrischung – ganz ohne Glycerin.