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Wimpern verlängern, Lidstrich-Tattoo

Expertin warnt im Interview vor kosmetischen Prozeduren am Auge

Die DOG warnt vor Wimpern-Verlängerungen durch Extensions und Lidstrichtattoos.
Tätowierer und Kosmetiker sind keine geschützten Berufe, daher werden sie nicht überwacht. Foto: Getty Images/Connect Images
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24. Juli 2025, 4:14 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Dichte Wimpern und ein perfekter Lidstrich – kosmetische Eingriffe rund ums Auge boomen. Was viele jedoch nicht wissen: Gerade scheinbar harmlose Behandlungen wie Wimpernverlängerungen bergen teils erhebliche Risiken für die Gesundheit der Augen. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft warnt ausdrücklich. FITBOOK-Redakteur Michel Winges hat mit Prof. Dr. Elisabeth M. Messmer von der Augenklinik der LMU München gesprochen, um Sie bestmöglich über die Risiken einer Wimpernverlängerung und anderen Eingriffen rund ums Auge aufzuklären.

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Wer macht da eigentlich was und wer klärt auf?

Kosmetische Eingriffe rund ums Auge herum sind längst nicht mehr nur noch Ärztesache. Ob Tätowierer, der Lidstrich-Tattoos macht oder die Kosmetikstudios und sogenannte „Beauty-Docs“, die permanente Wimpernverlängerungen („Extensions“) anbieten. Für diese kosmetischen Prozeduren braucht es keine medizinische Ausbildung und auch keine staatlich geregelte Berufszulassung. Kosmetiker und Tätowierer dürfen diese Eingriffe durchführen. Die Einhaltung von Hygienestandards ist dabei Pflicht und wird geprüft, jedoch die fachliche Risikoaufklärung ganz und gar nicht. Prof. Dr. Messmer erklärt:

„Bei kosmetischen Behandlungen wie Wimpernverlängerungen oder Lidstrich-Tattoos, die meist von Kosmetikerinnen und Tätowierern durchgeführt werden, besteht kein Einfluss durch einen Arzt. Hier gibt es keine gesetzliche Verpflichtung zur Aufklärung über Risiken, und eine medizinische Beratung findet in der Regel nicht statt.“

Patientenschutz mit Lücken

Beim Thema Patientenschutz stoßen Ärzte in Deutschland rasch an ihre Grenzen, wenn es um kosmetische Eingriffe wie Wimpernverlängerungen oder Lidstrich-Tattoos geht. „Wir können nur eingreifen, wenn bereits Komplikationen aufgetreten sind“, betont Prof. Dr. Elisabeth M. Messmer. Da solche Behandlungen nicht zu den ärztlichen Leistungen zählen, haben Fachgesellschaften wie die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft keinerlei Einfluss auf Ausbildung oder Aufklärungspflichten von Kosmetikern oder Tätowierern.

„Wir sind der Meinung, dass es dringend mehr Reglementierungen und verbindliche Qualifikationen geben sollte. Das ist jedoch Aufgabe des Gesundheitssystems“, so Messmer weiter. Erst bei gravierenden Komplikationen schreiten Institutionen wie die Ärztekammer oder die Justiz ein – zu diesem Zeitpunkt ist für viele Betroffene jedoch bereits ein Schaden entstanden. Bis dahin können Augenärzte lediglich durch Medienarbeit und Aufklärung auf die Risiken aufmerksam machen: „Uns sind in solchen Fällen die Hände gebunden.“ Die Folge ist ein Patientenschutz mit erheblichen Lücken. Gerade weil der Markt für Beauty-Behandlungen boomt, sollte dieses Problem dringend mehr Aufmerksamkeit erhalten.

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Risiken einer Wimpernverlängerung: Was Sie wissen sollten

Für viele Frauen klingt es verlockend, sich das tägliche Auftragen der Wimperntusche zu sparen und stattdessen auf Wimpernverlängerungen („Extensions“) zu setzen. Tatsächlich erscheinen diese Behandlungen auf den ersten Blick wie eine unkomplizierte Alternative zur täglichen Lästigkeit, wären da nicht die teils gravierenden Risiken für die Augengesundheit. Die Risiken einer Wimpernverlängerung werden oft unterschätzt. Sie umfassen akute Beschwerden wie Rötungen, allergische Reaktionen oder Ekzeme sowie chronische Probleme wie Wimpernverlust oder dauerhaft trockene Augen. „Zu den häufigsten akuten Störungen zählt das behandlungsbedürftige allergische Kontaktekzem am Lidrand, meist ausgelöst durch den verwendeten Klebstoff“, warnt Professorin Dr. Elisabeth M. Messmer in einer aktuellen Pressemitteilung der „DOG“.1


Sie betont außerdem, dass zu den Risiken einer Wimpernverlängerung auch infektiöse Entzündungen des Lidrands und der Bindehaut gehören sowie langfristig die Verkalkung der Wimpernbasis oder sogar der Verlust der eigenen Wimpern drohen.

Dass das Thema gerade für junge Menschen so relevant ist, liegt auch an aktuellen Trends. „Das wird sehr stark über soziale Medien wie TikTok verbreitet und hängt sicher auch mit Gruppenzwang zusammen. Viele kleben sich die Wimpern selbst. Es kommt häufig vor, dass dabei Kleber ins Auge gerät – das hören wir oft von Betroffenen, auch von jungen Mädchen, die das aus ihrem Freundeskreis berichten. Das ist etwas, was wir in der Praxis gar nicht direkt sehen, aber was sehr häufig vorkommt. Viele akzeptieren das einfach“, berichtet Messmer aus der Praxis.

Wie häufig tatsächlich Probleme auftreten, belegen die Erkenntnisse einer Studie aus Ghana: 117 der 120 befragten Frauen (97,5 Prozent), die sich Wimpernverlängerungen machen ließen, berichteten von mindestens einer der folgenden Nebenwirkungen:

  • Juckreiz der Augenlider
  • Schmerzen und Lid-Schwellungen
  • Brennen
  • Trockene Augen
  • Eiterabsonderung
  • Schweregefühl der Lider
  • Wimpern fallen aus

Besonders alarmierend

Ein Drittel der Befragten gab an, die künstlichen Wimpern nicht mehr entfernen zu können, ohne die eigenen auszureißen. Trotz all dieser Nebenwirkungen lassen sich viele Frauen immer wieder Extensions machen, so auch die befragten Frauen aus der Studie. Rund 65 Prozent von ihnen beschrieben, dass sie sich weiterhin künstliche Wimpern anbringen lassen werden, weil es als modisch empfunden wird.2

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Lidstrich-Tattoos

Ob im Berufsalltag, beim Feiern oder beim Sport – ein Lidstrich, der selbst nach dem Abschminken bleibt, klingt praktisch. Doch auch beim Tätowierer gilt genauso wie bei den Kosmetikstudios: Es fehlt an medizinischer Kontrolle. Wer sich ein Lidstrich-Tattoos also stechen lässt, sollte die möglichen Folgen nicht unterschätzen: Lidschwellungen und Rötungen nach der Behandlung sind keine Seltenheit und verschwinden meist nach einigen Tagen. Messmer warnt jedoch vor schlimmerem: „Es können aber auch allergische Reaktionen in Form von Ekzemen auftreten oder langwierige Entzündungen“. Ebenfalls könnte die Talgdrüse beschädigt werden und in der Folge zu einem trockenen Auge beitragen. Auch eine Verschlechterung von Schuppenflechte oder Neurodermitis sei möglich. Hinzu kommen Risiken wie Infektionen mit Bakterien oder sogar Hepatitis und HIV, insbesondere bei unhygienischem Arbeiten.

Eigentlich sollten regelmäßige Kontrollen der Gesundheitsämter für Sicherheit sorgen, denn schließlich geht es um Eingriffe in unmittelbarer Nähe zum Auge. Tatsächlich beschränken sich diese Überprüfungen jedoch auf das Offensichtliche: Sauberkeit, Desinfektion, Hygiene. Was genau am Lid unter die Haut gelangt, bleibt dabei weitgehend unbeachtet. Immerhin sorgt die seit 2022 geltende EU-weite „REACH-Verordnung“ dafür, dass besonders toxische Farbstoffe nicht mehr verwendet werden dürfen. Dies ist ein wichtiger erster Schritt, vor allem angesichts der Risiken, die solche Substanzen im sensiblen Augenbereich mit sich bringen können.

Hochgefährliche Behandlungen

Der Trend der Verschönerungen rund ums Auge geht auch über das Lidstrich-Tattoos und der Wimpernverlängerung hinaus. Und auch die Gefahren gehen den beiden zuvor genannten Prozeduren deutlich hinaus. Vor den folgenden drei Prozeduren wird mit Nachdruck von der „DOG“ gewarnt. Für die folgenden drei Anwendungen existiert zwar kein ausdrückliches gesetzliches Verbot, doch die Durchführung zu ästhetischen Zwecken ist hierzulande nicht erlaubt.

Weißfärbung

Die sogenannte „I-Brite-Prozedur“ verspricht eine dauerhafte Aufhellung/Weißfärbung der Sklera. Besonders beworben wird dieses Verfahren für Menschen, die an einer chronisch geröteten Bindehaut leiden und sich aus ästhetischen Gründen eine weißere Augenpartie wünschen. Laut Messner könne die Prozedur schwerste Komplikationen wie Geschwüre der Horn- und Binderhaut, Ausdünnen der Lederhaut oder eine Schädigung der Augenmuskeln mit Doppeltsehen auslösen.

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Augapfel-Tattoo

Beim sogenannten „Augapfel-Tattoo“, auch „Sklera-Tattoo“ genannt, wird Farbpigment direkt in die Bindehaut injiziert, um die weiße Augenhaut dauerhaft zu färben. Vor allem auffällige Farben wie Blau, Rot oder Schwarz sieht man häufig. Der Eingriff ist rein kosmetischer Natur und birgt erhebliche Risiken. „Nach dieser Form des Tattoos wurden Verletzungen beschrieben, die zum Augenverlust führten“, berichtet die Professorin.

Keratopigmentierung

Seit wenigen Jahren kann man nun sogar seine Augenfarbe ändern lassen. Die Chance ist hoch, dass Ihnen diese Prozedur auch schon beim Scrollen durch TikTok, Facebook oder Instagram unters Auge kam. Obwohl sogar der größte Augenarztverband der Welt „American Academy of Opthalmology“, davor warnt. Bei der Prozedur wird durch einen Laserschnitt die vordere Schicht der Hornhaut getrennt und umgeklappt. Daraufhin werden ringförmig Farbpigmente in die mittlere Hornhautschicht eingefasst.

Neben dem Beklagen der Probleme über die Farbpigmentierung sagt Messmer: „Es wurden auch funktionelle und anatomische Probleme berichtet wie störende Lichtempfindlichkeit, Reduktion von Kontrastwahrnehmung, Verlust von Endothelzellen der Hornhaut, trockenes Auge, Bildung von Gefäßen und behandlungsbedürftige Aussackungen an der Hornhaut“.

Quellen

  1. Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e.V. (DOG). Wimpernverlängerung, Lidstrich-Tattoo & Co – so gefährlich können kosmetische Prozeduren fürs Auge sein. (aufgerufen am 22.07.2025) ↩︎
  2. Koffuor, G., Anto, B., Afari, C., et al. (2012). Ocular discomforts following eyelash extension. Journal of Medical and Biomedical Science.. ↩︎

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