1. Mai 2026, 17:24 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Nach einem Herzinfarkt, einer Operation oder dem Einsatz eines Schrittmachers ist für viele Betroffene nichts mehr selbstverständlich – auch das Sexualleben nicht. Die Fragen, die dann auftauchen, sind oft von Unsicherheit geprägt. Was müssen Herzpatienten dann beim Sex beachten?
Kardiologe: Diese Fragen beschäftigen Menschen, die Herzkrank sind, wenn es um Sex geht
„Nach einem kardiologischen Ereignis – etwa einem Herzinfarkt, einer Herzklappen-Operation oder einer Schrittmacher-Implantation – stellen sich Betroffene vor allem diese Fragen: Kann sexuelle Aktivität für mich gefährlich werden? Auf was muss ich achten? Und: Kann ich auch mit einem Herzschrittmacher oder einem Defibrillator all das tun, wonach mir ist?“, sagt Dr. Christof Wald, Chefarzt des Fachzentrums für Kardiologie und des Zentrums für Innere Medizin der Schön Klinik Düsseldorf.
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Fragen müssen individuell beantwortet werden
Eine einfache, pauschale Antwort gibt es darauf nicht. Sowohl Wald als auch der Kardiologe Dr. Schneeweis betonen, dass es immer auf den individuellen Zustand ankommt – also etwa darauf, wie schwer die Herzerkrankung war, wie gut die Pumpleistung des Herzens ist, ob Rhythmusstörungen bestehen und ob eine Reha bereits abgeschlossen wurde. „Die Antworten auf diese Fragen hängen von der jeweiligen Erkrankung ab, da muss man differenzieren“, so Wald zu FITBOOK.
Was die Situation zusätzlich erschwert: Über das Thema wird kaum gesprochen. Wald: „Es gibt viel Scheu, offen darüber zu sprechen, was Herzerkrankungen für die Sexualität bedeuten – nicht nur bei den Betroffenen. Auch von niedergelassenen Ärzten, aber auch in Rehakliniken wird das oft nicht thematisiert.“ Dabei wäre genau das entscheidend, um Ängste abzubauen.
Was Herzkranke beim Sex ganz generell beachten sollten
Grundsätzlich gelte beim Sex mit Herzproblemen ein einfaches, aber wichtiges Prinzip. „Mein Appell ist immer: Bitte fordern – aber nicht überfordern“, sagt Wald. Denn sexuelle Aktivität ist körperliche Belastung. Puls und Blutdruck steigen, der Kreislauf arbeitet auf Hochtouren. Entscheidend sei deshalb das eigene Körpergefühl. „Man sollte sich dabei wohlfühlen. Das heißt, man sollte auch die Alarmzeichen kennen, dass man das Herz-Kreislauf-System möglicherweise überfordert.“
Zu diesen Warnsignalen zählen laut dem Kardiologen „übermäßige Luftnot, Druck auf der Brust oder Herzrasen oder -stolpern“. Auch starkes Schwitzen oder ein hochroter Kopf können Hinweise sein, dass es zu viel wird. „Treten diese Beschwerden beim Sex auf, ist eine Pause angesagt.“
Eine gute Orientierung kann die allgemeine körperliche Belastbarkeit geben. Sicherheit kann zudem ein Belastungs-EKG geben. Wald erklärt: „Vorab sollte ein Belastungs-EKG stattfinden, aus dem hervorgeht, wie sich Blutdruck und Puls bei körperlicher Aktivität verhalten. Bekommt man dort grünes Licht, ist das auch ein Go für sexuelle Aktivitäten.“
Auch Training hilft: Herzsportgruppen können die eigene Leistungsfähigkeit gezielt verbessern und das Vertrauen in den eigenen Körper stärken.
Vorsicht bei Potenzmitteln
Ein weiterer wichtiger Punkt ist laut Dr. Wald der Umgang mit Medikamenten. „Es ist wichtig, seine Herzmedikamente regelmäßig einzunehmen.“ Vorsicht ist jedoch bei Potenzmitteln geboten. „Bei sogenannten PDE-5-Hemmern – dazu zählt Viagra – sollte man vorher ärztlich abklären lassen, ob sie auch in Kombination mit den anderen Medikamenten eingenommen werden dürfen.“ Denn ob solche Mittel geeignet sind, hängt stark von der bestehenden Therapie ab, ergänzt der Kardiologe Dr. med. Christopher Schneeweis.
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Kardiologe Dr. Schneeweis gibt Tipps für Herzkranke, die ihre Gesundheit fördern wollen
Von Unsicherheiten nicht unterkriegen lassen
Trotz aller Vorsicht spricht aus medizinischer Sicht wenig dagegen, wieder ein erfülltes Sexualleben zu führen – im Gegenteil. Wald betont den positiven Effekt sogar ausdrücklich: „Sex trainiert ja auch unser Herz-Kreislauf-System. Und natürlich tut es auch der Psyche gut, wenn man dem Partner oder der Partnerin so nahe ist und das Glückshormone ausschüttet. Gerade, wenn man in so einer schweren Phase der Krankheitsbetroffenheit steckt“, so Wald zu FITBOOK.
Fazit
Am Ende läuft es auf eine klare Haltung hinaus: nicht verdrängen, sondern informieren, ehrlich mit sich selbst umgehen – und den eigenen Körper ernst nehmen. Wer seine Grenzen kennt und medizinisch gut begleitet ist, muss auf Nähe und Intimität in den meisten Fällen nicht verzichten.