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Laut Studie

Herzinfarkt überstanden – welcher Faktor nun alles verändern kann

Studie zu Herzinfarkt und Rauchen
Wie beeinflusst es die Genesung nach einem Herzinfarkt, wenn Betroffene weiter rauchen? Das hat eine Studie untersucht. Foto: Getty Images
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16. April 2026, 14:29 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Nach einem Herzinfarkt verändert sich das Herzgewebe nachhaltig. Wird ein Herzkranzgefäß blockiert, kann ein Teil des Herzmuskels nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. In der Folge sterben Muskelzellen ab und es bleibt weniger belastbares Narbengewebe zurück. Doch Betroffene können selbst viel dazu beitragen, die Erholung ihres Herzmuskels zu fördern. Welche Rolle dabei insbesondere das Rauchen spielt, hat jetzt eine Studie aus Österreich untersucht.

Rauchen gilt als einer der wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren für einen Herzinfarkt.1 Auch war bisher bekannt, dass ein Rauchstopp nach einem Herzinfarkt die Prognose verbessert, da Betroffene dadurch seltener Reinfarkte erleiden. Offen blieb jedoch die Frage, wie sich das Infarktgewebe im Verlauf selbst verändert, also ob und wie stark sich die geschädigte Herzmuskelregion zurückbildet, wenn Patienten weiterrauchen oder aufhören. Die vorliegende Studie beleuchtet nun, welchen Unterschied das jeweilige Verhalten für die Heilung des Herzmuskels macht.2

Studie zur Herzmuskel-Erholung nach ST-Hebungsinfarkt

Im Mittelpunkt der Untersuchung standen ST-Hebungsinfarkte (STEMI). Zum Verständnis: Herzinfarkte werden oft mithilfe eines EKG diagnostiziert, also einer Untersuchung, die die elektrische Aktivität des Herzens misst. Dabei erkennt man, ob das Herz noch normal arbeitet oder bereits geschädigt ist. Näheres dazu erklärt FITBOOK in diesem Beitrag.

Bei einem STEMI zeigt das EKG ein auffälliges Muster. Vereinfacht gesagt verläuft die Linie, die normalerweise gleichmäßig und ruhig ist, plötzlich deutlich nach oben. Dies ist ein Hinweis darauf, dass Teile des Herzmuskels nicht mehr richtig durchblutet werden und bereits geschädigt sind. Der Grund dafür ist, dass abgestorbenes Gewebe elektrische Signale nicht mehr wie gewohnt weiterleiten kann. Dadurch verändert sich das typische Bild im EKG und Ärzte können erkennen, dass es sich um einen besonders schweren Herzinfarkt handelt.

Die Studie sollte im Wesentlichen die Frage beantworten, ob sich die Größe von Herzinfarkten im Verlauf von zwölf Monaten bei Probanden, die mit dem Rauchen aufhörten, und solchen, die weiter rauchen, unterscheidet. Im nächsten Schritt wollten die Forscher herausfinden, ob ein Rauchstopp mit weniger schweren, potenziell tödlichen Herzereignissen verbunden ist.

Details zur Untersuchung

Grundlage der Studie war eine Beobachtung von 672 Patienten, die erstmals einen schweren Herzinfarkt erlitten hatten. Sie wurden innerhalb von 24 Stunden mittels einer Katheterbehandlung versorgt, bei der das verschlossene Herzgefäß wieder geöffnet wird.

Im Anschluss untersuchten die Forschenden den Verlauf der Herzmuskelheilung nach dem Infarkt. Die Patienten wurden direkt nach dem Ereignis, nach vier Monaten sowie erneut nach einem Jahr untersucht. Dabei kam eine spezielle Bildgebung zum Einsatz, mit der sich Veränderungen im Herzmuskel sehr genau darstellen lassen. Zusätzlich wurde erfasst, ob die Teilnehmer weiter rauchten oder einen Rauchstopp vollzogen hatten – jeweils unmittelbar nach dem Infarkt und nach vier Monaten.

Zur genaueren Beurteilung der Infarktfolgen nutzte das Forschungsteam eine spezielle MRT-Untersuchung des Herzens. Mithilfe eines Kontrastmittels konnte der geschädigte Bereich im Herzmuskel präzise sichtbar gemacht werden. Ferner analysierten die Forscher die Pumpfunktion des Herzens sowie mögliche Begleitveränderungen im Gewebe, etwa Durchblutungsstörungen in kleinsten Gefäßen oder Einblutungen.

Der Beobachtungszeitraum betrug im Durchschnitt mehr als drei Jahre. Die Forscher betrachteten dabei im Speziellen, ob es zu schweren Folgeereignissen kam, etwa einem erneuten Herzinfarkt oder dem Tod. Sie werteten Daten statistisch aus und verglichen verschiedene Einflussgrößen miteinander, um konkrete Faktoren zu ermitteln, die die Heilung beeinflussten – und so auch das Risiko für ernste Komplikationen.

Ergebnisse der Untersuchung

Von den einstigen Rauchern gab etwa die Hälfte nach dem Herzinfarkt ihre ungesunde Angewohnheit auf. Die andere Hälfte rauchte weiter. Interessant: Zu Beginn gab es zwischen beiden Gruppen noch keinen Unterschied in der Größe des Herzschadens.

Im weiteren Verlauf zeigte das Rauchverhalten allerdings einen messbaren Effekt. Wie die Auswertung zeigte, erholte sich das Herz bei den Personen, die mit dem Rauchen aufgehört hatten, deutlich besser. Rund ein Jahr nach dem Herzinfarkt war bei ihnen der geschädigte Bereich des Herzmuskels im Durchschnitt um rund 62 Prozent zurückgegangen. Bei den Probanden wiederum, die weiter rauchten, reduzierte er sich um nur etwa 47 Prozent. Erste Unterschiede zeigten sich bereits nach vier Monaten.

Der Zusammenhang hatte auch in der statistischen Auswertung Bestand. Wer mit dem Rauchen aufhörte, verdoppelte seine Chancen auf eine besonders gute Erholung des Herzmuskels. Und auch langfristig machten sich entsprechende Unterschiede bemerkbar. Über den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg traten bei rund 12 Prozent der Raucher schwere Komplikationen (z. B. erneute Herzinfarkte, Todesfälle) auf. Bei denjenigen wiederum, die mit dem Rauchen aufgehört hatten, waren es nur rund 4 Prozent.

Im Durchschnitt erhöhte das Weiterrauchen das Risiko für schwerwiegende Folgeereignisse um das 2,5-Fache – selbst unter Berücksichtigung anderer Risikofaktoren, wie die Forscher schreiben.

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Studienautor ordnet die Ergebnisse für FITBOOK ein

Die Ergebnisse zeigen eine direkte Verbindung zwischen Rauchverhalten und der biologischen Heilung des Herzmuskels nach einem Herzinfarkt. Der Herzmuskel regeneriert sich nach einem STEMI nicht nur durch Akuttherapie, sondern auch durch die Bedingungen in der Folgezeit.

Warum sich nun ein Rauchstopp so positiv auf die Heilung des Herzens auswirkt, lässt sich laut Dr. Felix Troger, Erstautor der Studie, bislang nicht abschließend klären. Es gebe jedoch plausible Erklärungsansätze. So sei der Herzmuskel bei Rauchern häufig bereits an eine schlechtere Sauerstoffversorgung gewöhnt. „Der Herzmuskel eines Rauchers ist a priori eher an den Zustand chronischer oder wiederkehrender Hypoxie gewohnt“, erklärt er. Wird das verschlossene Gefäß nach einem Herzinfarkt wieder geöffnet, verbessert sich die Durchblutung im betroffenen Bereich deutlich.

Hören Betroffene zusätzlich mit dem Rauchen auf, könnte sich dieser Effekt noch verstärken. Der Forscher spricht von einem möglichen „Boost“ für die Durchblutung und die kleinsten Gefäße im geschädigten Herzbereich.

»Mit dem Rauchen aufzuhören, lohnt sich immer

Besonders wichtig scheint dabei ein früher Rauchstopp zu sein. Die Studie konzentrierte sich auf die ersten vier Monate nach dem Herzinfarkt – und das aus gutem Grund: Gerade in dieser Phase finden im Herzen intensive Umbauprozesse statt, etwa die Narbenbildung und die Stabilisierung der Herzfunktion.

„Die ersten Wochen und Monate nach dem Infarkt stellen einen besonders interessanten Zeitraum dar“, so Dr. Troger. Lebensstilveränderungen wie ein Rauchstopp könnten in dieser Zeit den größten Einfluss auf die Heilung haben.

Grundsätzlich gelte jedoch: Mit dem Rauchen aufzuhören, lohnt sich immer – unabhängig vom Zeitpunkt. Zumal sich die positiven Effekte langfristig bemerkbar machen könnten. Zwar sind laut Dr. Troger weitere Studien nötig, doch die bisherigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass ehemalige Raucher nach einem Herzinfarkt seltener schwere Folgeerkrankungen entwickeln könnten. Dazu zählt vor allem die Herzschwäche. Ein wichtiger Hinweis dafür ist die Größe des geschädigten Herzbereichs: Je besser sich das Gewebe erholt, desto geringer scheint das Risiko für spätere Komplikationen zu sein. Tatsächlich zeigte die Studie bereits in den ersten Jahren nach dem Infarkt weniger schwerwiegende Ereignisse bei denjenigen, die mit dem Rauchen aufgehört hatten.

Einschränkungen der Studie

Die Studie liefert wichtige Hinweise auf den Zusammenhang zwischen Rauchstopp und der Heilung des Herzmuskels. Besonders hervorzuheben ist die detaillierte Bildgebung des Herzens mittels MRT zu drei verschiedenen Zeitpunkten. Dadurch ließ sich die Entwicklung der Infarktgröße über ein Jahr sehr genau nachvollziehen. Einschränkend ist jedoch, dass nicht bei allen Patienten sämtliche Messverfahren vollständig durchgeführt werden konnten.

Allerdings bleibt zu bedenken, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Ein direkter Ursache-Wirkungs-Nachweis ist dadurch nur eingeschränkt möglich – auch wenn die Forscher umfangreiche statistische Verfahren zur Kontrolle möglicher Einflussfaktoren eingesetzt haben.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die Erfassung des Rauchverhaltens. Diese beruhte auf Selbstangaben, was sie grundsätzlich fehleranfällig macht. Zudem wurden unterschiedliche Formen des Nikotinkonsums (etwa klassische Zigaretten, E-Zigaretten, etc.) nicht getrennt erfasst. Doch genau dieser Aspekt ist heutzutage angesichts der zunehmenden Nutzung relevanter denn je.

Zuletzt ist zu berücksichtigen, dass die Studie nur Patienten in die Auswertung einbezogen hat, die das erste Jahr nach dem Herzinfarkt überlebten und zur Nachkontrolle erschienen. Früh verstorbene Patienten sind daher nicht enthalten, was die Ergebnisse potenziell beeinflussen kann.

Quellen

  1. Filion, K., Luepker, R. (2013). Cigarette smoking and cardiovascular disease: lessons from framingham. Glob Heart. ↩︎
  2. Troger, F., Pamminger, M., Reindl, M. et al. (2026). Smoking cessation after first STEMI enhances infarct healing: a cardiac MRI study. European Association of Cardiovascular Imaging (EACVI) ↩︎

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