17. Oktober 2025, 13:08 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Seit dem 15. Oktober steht fest, mit welchen Beiträgen gesetzlich Versicherte 2026 rechnen müssen. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag liegt bei 2,9 Prozent – also 0,4 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. FITBOOK-Autor Michel Winges erklärt, was das konkret für Ihr Portemonnaie bedeutet.
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Zahlen auf den Tisch
Im Grunde genommen haben Sie – wenn sich die Krankenkassen tatsächlich an die 2,9 Prozent halten – keine höheren Ausgaben zu erwarten. Im vergangenen Jahr war der Zusatzbeitrag zwar mit 2,5 Prozent prognostiziert. Dieser Wert wurde jedoch im Laufe des Jahres überschritten und stieg auf 2,9 Prozent.1
Ihr zu zahlender Beitrag setzt sich aus dem allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent und dem Zusatzbeitragssatz – also den voraussichtlichen 2,9 Prozent – zusammen. Wie bereits erwähnt war der Beitragssatz jedoch im vergangenen Jahr überschritten und mehr Prozentpunkte angestiegen als erwartet, auch im kommenden Jahr könnte dies durchaus wieder passieren.
Der Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands Oliver Blatt äußerte sich in einer Pressemitteilung zu der vorgelegten 2,9-Prozent-Schätzung so: „Damit wiederholt sich ein Problem aus dem vergangenen Jahr: Auf den ersten Blick scheint die finanzielle Situation stabil, aber wer genauer hinschaut, erkennt, dass weiterhin Beitragsanhebungen zu erwarten sind“.2
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Ist auf die Prognose verlass?
Grundsätzlich ja – auf die Prognose ist Verlass, auch wenn sie in diesem Jahr nicht ohne Diskussionen zustande kam. Jeden Herbst tagt der sogenannte Schätzerkreis. Das Gremium besteht aus Vertretern des Bundesgesundheitsministeriums (BMG), des GKV-Spitzenverbands und des Bundesamts für Soziale Sicherung (BAS).
In zweitägigen Sitzungen in Bonn beraten die Fachleute auf Grundlage aktueller Daten zur Einnahmen- und Ausgabenentwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) über den voraussichtlichen durchschnittlichen Zusatzbeitrag für das kommende Jahr.
In diesem Jahr verlief die Einigung allerdings nicht einvernehmlich: Laut Mitteilung des Schätzerkreises schätzten BMG und BAS die GKV-Ausgaben für 2026 auf rund 369 Milliarden Euro, während der GKV-Spitzenverband leicht höhere Ausgaben von 369,5 Milliarden Euro veranschlagte. Trotz dieser Differenzen einigte sich das Gremium auf eine Prognose von 2,9 Prozent Zusatzbeitrag, also ein Anstieg um 0,4 Prozentpunkte gegenüber 2025.3
Die Schätzung gilt in der Regel als zuverlässige Grundlage. In den vergangenen Jahren lagen die tatsächlichen Beitragssätze der Krankenkassen meist nah am vorhergesagten Wert. Das Bundesgesundheitsministerium legt nun innerhalb von zwei Wochen den endgültigen durchschnittlichen Zusatzbeitrag per Rechtsverordnung fest. Abhängig davon werden die einzelnen Krankenkassen in den kommenden Wochen ihre individuellen Beitragssätze festlegen – einige davon dürften, wie schon 2025, über dem Durchschnitt liegen.
Gebilligtes Sparpaket für stabile Kassenbeiträge
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken erklärte am vergangenen Sonntag im „Bericht aus Berlin“ der ARD, dass es mit ihr keine Erhöhung der Krankenkassenbeiträge geben werde. „Wir haben uns im Koalitionsausschuss auf ein kleines Sparpaket geeinigt, das am Mittwoch im Kabinett beschlossen werden soll“, so Warken.4
Das Kabinett hat daraufhin ein Sparpaket im Umfang von zwei Milliarden Euro auf den Weg gebracht. Damit soll eine bestehende Deckungslücke im GKV-System geschlossen werden. Die CDU-Politikerin betonte, dass dies ein „notwendiger Beitrag zum wirtschaftlichen Aufschwung in unserem Land“ sei.
Der größte Teil der Einsparungen – rund 1,8 Milliarden Euro – soll bei den Kliniken erzielt werden, indem der Anstieg der Vergütungen begrenzt wird. Weitere 100 Millionen Euro sollen durch geringere Verwaltungskosten der Krankenkassen eingespart werden, ebenso viel durch Kürzungen beim Innovationsfonds.5
Scharfe Kritik
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) reagierte mit scharfer Kritik auf die Sparbeschlüsse der Bundesregierung. In einem offenen Brief an Gesundheitsministerin Warken spricht der Verband von einem „Wortbruch gegenüber den Krankenhäusern“. Die geplanten Einsparungen von rund 1,8 Milliarden Euro träfen die Kliniken „in einer Phase wirtschaftlicher Unsicherheit“.
Der DKG-Chef Gerald Gaß wirft der Regierung vor, mit dem Beschluss eine „völlige Kehrtwende der eigenen Krankenhauspolitik“ vollzogen zu haben. Wer den Kliniken gestern noch den dringend benötigten Ausgleich der gestiegenen Kosten zugesagt habe, könne ihnen das Geld heute „nicht einfach wieder über die Hintertür entziehen“.
Statt weiterer Kürzungen fordert die DKG, Bürokratie und Dokumentationspflichten deutlich zu reduzieren, um Pflegekräften und Ärzten mehr Zeit für ihre Patienten zu geben. „Das wäre ein kostenloses und zugleich wirksames Konjunkturprogramm für die Krankenhäuser“, so Gaß.6