Eine Studie mit fast 27.000 Männern zeigt einen Zusammenhang zwischen enger Unterwäsche und schlechteren Spermienwerten. Besonders auffällig waren Unterschiede bei der Form der Spermien und Schäden an ihrer DNA. Doch was lässt sich daraus wirklich ableiten?
Ob Slip oder Boxershorts, ist für viele Männer vor allem eine Frage des Komforts. Doch könnte die Wahl der Unterwäsche auch mit der Fruchtbarkeit zusammenhängen? Eine neue Studie aus China liefert dazu Hinweise.1 Die Forscher untersuchten die Daten von 26.836 Männern, die sich in einer Klinik zur Abklärung ihrer Fruchtbarkeit vorstellten.
21.221 Männer gaben an, überwiegend lockere Unterwäsche zu tragen. 5615 trugen meist eng anliegende Modelle, darunter Slips, Tangas oder eng geschnittene Boxershorts. Die Forscher verglichen die Angaben mit verschiedenen Merkmalen der Samenqualität und berücksichtigten dabei auch weitere gesundheitliche Faktoren.
Enge Unterwäsche, schlechtere Spermienwerte?
Im Vergleich zu lockerer Unterwäsche war bei enger Kleidung das Risiko für auffällig geringe Werte bei Samenmenge (um 18 Prozent) und Beweglichkeit (um 13 Prozent) erhöht. Am deutlichsten war der Effekt bei der Form der Spermien. Das Risiko für einen zu geringen Anteil normal geformter Spermien lag um 48 Prozent höher. Wichtig: Im Durchschnitt sind die absoluten Unterschiede zwischen den Gruppen mit 1 bis 2 Prozentpunkten allerdings gering.
Interessant ist: Auf die reine Spermienanzahl pro Milliliter hatte die Unterwäsche nach Berücksichtigung anderer Lebensstilfaktoren keinen statistisch bedeutsamen Einfluss.
Besonders auffällig war der Zusammenhang mit der DNA‑Fragmentierung. Dieser Wert beschreibt, wie häufig das Erbgut in Spermien beschädigt ist. Bei Männern mit enger Unterwäsche waren die statistischen Chancen auf einen erhöhten Wert mehr als doppelt so hoch wie bei Männern mit lockerer Unterwäsche.
Welche Rolle spielt Temperatur für die Spermien?
Eine mögliche Erklärung ist die Wärmeentwicklung. Die Hoden liegen außerhalb des Körpers, weil Spermien für ihre Entwicklung eine etwas niedrigere Temperatur als die Körperkerntemperatur benötigen. Eng anliegende Unterwäsche könnte die Belüftung einschränken und die Temperatur im Hodensack erhöhen. Ob dieser Mechanismus die beobachteten Unterschiede tatsächlich erklärt, wurde mit der Studie allerdings nicht bewiesen.
Wichtig ist deshalb die Einordnung: Die Untersuchung zeigt einen statistischen Zusammenhang, aber keinen Beweis für Ursache und Wirkung. Außerdem wurden ausschließlich Männer betrachtet, die sich wegen ihrer Fruchtbarkeit medizinisch untersuchen ließen. Die Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf alle Männer übertragen.
Ob lockere Unterwäsche tatsächlich die Chance auf eine Schwangerschaft verbessert, ist ebenfalls offen. Wer einen Kinderwunsch hat, kann bequem sitzende, weniger enge Unterwäsche als einfache Anpassung erwägen. Eine Garantie für bessere Spermienwerte oder eine Schwangerschaft ist sie jedoch nicht.
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