30. Juli 2025, 15:58 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Corona-Impfungen, wie jene von Biontech und Moderna, sowie die damit verbundene Impfpflicht, beispielsweise für Reisende oder Restaurantbesucher, haben die deutsche Bevölkerung während der Corona-Pandemie gespalten. Rund zwei Jahre nach dem Ende der Pandemie im Jahr 2023 gibt es nun Zahlen dazu, wie viele Leben die Impfungen tatsächlich gerettet haben.
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Eine von der amerikanischen Stanford-Universität geleitete globale Datenauswertung zu den Maßnahmen der Corona-Impfungen zeigt, dass damit zwischen 2020 und 2024 weltweit rund 2,5 Millionen Todesfälle vermieden bzw. Leben gerettet wurden.1 Das bedeutet laut der Analyse zudem: Die Menschen haben insgesamt 14,8 Millionen Lebensjahre gewonnen. Doch wie genau gingen die Forscher bei der Datenauswertung vor?
So lief die Studie zu Corona-Impfungen ab
Während der rund drei Jahre andauernden Corona-Pandemie zwischen 2020 und 2023 hat man hitzige Impfdebatten geführt. Zu den strittigsten Fragen gehörten folgende: Helfen die neuartigen Impfungen tatsächlich gegen das Coronavirus? Und ist ihr Nutzen höher als das Risiko für damit einhergehende Nebenwirkungen? Forscher der Stanford-University in Kalifornien wollten unter anderem herausfinden, wie viele Leben die Corona-Impfungen retteten.
Hierzu verglichen die Wissenschaftler die Ergebnisse globaler Impfstrategien gegen SARS-CoV-2 mit einem Szenario ohne Impfung. Dazu verwendeten sie die bestmöglichen Schätzungen zur Infektionssterblichkeitsrate, zur Wirksamkeit der Impfung hinsichtlich der Sterblichkeit sowie zum Anteil der Bevölkerung, der vor und nach der Impfung wahrscheinlich infiziert war, wie aus der Studienbeschreibung hervorgeht. Sie analysierten öffentlich zugängliche Daten, für die keine Genehmigung durch eine institutionelle Prüfungskommission erforderlich war.
Erstmals wurden alle Daten von Beginn der Impfkampagnen Ende 2020 bis zum 1. Oktober 2024 berücksichtigt. Als Studienkohorte dienten demnach acht Milliarden Menschen (Weltbevölkerung von 2021), die in sieben Altersgruppen unterteilt wurden.
- 0 bis 19 Jahre
- 20 bis 29 Jahre
- 30 bis 39 Jahre
- 40 bis 49 Jahre
- 50 bis 59 Jahre
- 60 bis 69 Jahre
- 70 und älter
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Am meisten profitierten ältere Menschen von den Impfungen
Die Datenauswertung zeigt, dass Corona-Impfungen geschätzt 2,533 Millionen Leben retteten. Das entspricht einem vermiedenen Todesfall pro 5.400 Impfdosen. Die damit gewonnen Lebensjahre belaufen sich auf etwa 14,8 Millionen. Das entspricht einem Lebensjahr pro 900 Impfungen.
Etwa 82 Prozent der vermiedenen Todesfälle betrafen Personen, die vor ihrer Erstinfektion geimpft worden waren. Die meisten geretteten Leben (89,6 Prozent) betrafen Menschen, die 60 Jahre oder älter waren. Bei Kindern und Jugendlichen bis 19 Jahren lag dieser Prozentsatz bei lediglich 0,01 Prozent. Das entspricht dennoch weltweit 253 geretteten Kinderleben.
Weitere interessante Zahlen:
- Unter 30-Jährige waren mit nur unter 0,5 Prozent bei den geretteten Menschenleben vertreten
- Bewohner von Langzeitpflegeeinrichtungen waren mit 11,8 Prozent bei den vermiedenen Todesfällen vertreten – sie trugen aber nur zwei Prozent zu den geretteten Lebensjahren bei
Die Forscher weisen darauf hin, dass Sensitivitätsanalysen, die verschiedene Faktoren berücksichtigen, bei den geretteten Leben eine Spanne von 1,4 bis 4,0 Millionen ergaben. Bei den gewonnenen Lebensjahren beträgt die Spanne 7,4 bis 23,6 Millionen.
Schwere Nebenwirkungen bei Corona-Impfungen extrem selten
Lockdown soll Millionen von Menschenleben gerettet haben
Forscher: Insgesamt zeigte Corona-Impfung einen großen Nutzen
Den Studienautoren zufolge sind die Schätzungen in dieser Datenauswertung wesentlich konservativer als frühere Berechnungen. Denn viele andere Studien haben die Wirksamkeit der Impfstoffe hauptsächlich im ersten Jahr der Impfkampagne untersucht. Doch selbst über den vierjährigen Zeitraum von 2020 bis 2024 zeigt sich ein großer Gesamtnutzen der Corona-Impfungen. Der größte Nutzen in Bezug auf gerettete Leben und Lebensjahre wurde bei Menschen ab 60 Jahren erzielt. Diese machen jedoch nur eine Minderheit der Weltbevölkerung aus, so die Autoren.
Studienautor hält die Impfpflicht rückblickend dennoch für keine gut Idee
Trotz der unglaublichen Erfolgszahlen der Corona-Impfungen, erklärte Prof. John P. A. Ioannidis auf FITBOOK-Nachfrage: „Die Impfpflicht war wahrscheinlich keine gute Idee. Einige weitere Menschen wurden zwar zur Impfung gezwungen, aber viele andere waren verärgert und verloren das Vertrauen in das öffentliche Gesundheitswesen, da sie sich unter Druck gesetzt fühlten. Möglicherweise wären wir besser gefahren, wenn wir mehr ältere Menschen von der Impfung überzeugt und die Impfung freiwillig belassen hätten.“
Im Fall künftiger Pandemien müsse man andere Wege gehen. „Es braucht viele einzelne Belege, die zusammengetragen werden müssen, um ein einigermaßen fundiertes Verständnis der Vor- und Nachteile einer Maßnahme zu erhalten. Wir sollten extreme Positionen – sowohl positive als auch negative – sowie eine Unterschätzung der Unsicherheiten vermeiden“, so Ioannidis. Und weiter: „Da die Pandemie nun vorbei ist, denke ich, dass wir uns auf rigorose randomisierte Studien stützen sollten, um zu entscheiden, ob überhaupt noch Menschen gegen SARS-CoV-2 geimpft werden sollten – und wenn ja, welche.“