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Große Meta-Analyse

Dieses Medikament senkt das Risiko für Herzinfarkt besser als Aspirin

Aspirin vs. Clopidogrel
Ist Aspirin bald nicht mehr Goldstandard bei der Herzinfarktprävention? 29.000 Patientendaten sprechen klar für ein anderes Medikament. Foto: Getty Images
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Anna Echtermeyer
Redakteurin

1. September 2025, 12:09 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

ASS, vor allem als Aspirin bekannt, ist mehr als nur ein Schmerzmittel: So wird Personen mit deutlich erhöhtem Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall zur regelmäßigen Einnahme geraten.1 Auch bei der koronaren Herzkrankheit mit fortschreitender Brustenge verordnen Kardiologen ASS – in der Regel in einer Dosierung von 100 Milligramm einmal täglich. Diese Empfehlung könnte sich jedoch bald ändern: Ein anderes Medikament beugt Herzinfarkten und Schlaganfällen nämlich besser vor als Aspirin.

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Meta-Analyse: Clopidogrel schützt Herzpatienten besser als Aspirin

Ein internationales Team aus Forschern u. a. der University of Italian Switzerland, der Sungkyunkwan University School of Medicine Südkorea und des Royal College of Surgeons in Ireland hat sich Patientendaten von fast 29.000 Personen angesehen, die alle eine etablierte koronare Herzkrankheit (KHK) hatten. Alle erhielten als alleinige Langzeittherapie entweder Aspirin (ASS) oder Clopidogrel. Beide Medikamente verhindern die Bildung von Blutgerinnseln und werden eingesetzt, um Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall vorzubeugen. Die Analyse der Forscher zeigt klar: Clopidogrel war Aspirin in der Prävention schwerer kardiovaskulärer Ereignisse überlegen – ohne erhöhtes Risiko für gefährliche Blutungen. Die renommierte Fachzeitschrift „The Lancet“ hat die Studie nun veröffentlicht.2

Im folgenden Video erklärt Kardiologe Dr. Schneeweis die koronare Herzerkrankung:

Sicherheit von Langzeit-Aspirin bislang unzureichend untersucht

Patienten mit koronarer Herzkrankheit erhalten in der Regel dauerhaft Aspirin, um das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall zu senken. Doch viele dieser Empfehlungen basieren auf veralteten, kleinen Studien aus einer Zeit vor modernen Behandlungen wie der Stent-Implantation, heißt es in der nun veröffentlichten Meta-Analyse. Zudem sei die Sicherheit von Langzeit-Aspirin bislang nur unzureichend untersucht worden. Insbesondere, was das Risiko schwerer Blutungen betreffe.

Ziel dieser Studie war es, die Wirksamkeit und Sicherheit von Clopidogrel – einem sogenannten P2Y12-Hemmer – im Vergleich zu Aspirin als alleiniger (monotherapeutischer) Langzeittherapie bei Patienten mit etablierter KHK zu analysieren. Dafür führten die Forscher 28.982 individuelle Patientendaten aus sieben randomisierten Studien zusammen. Darunter auch neuere große Studien mit langem Follow-up.

29.000 Patienten bis zu 5,5 Jahre begleitet

Die Studie wollte herausfinden, wie wirksam und sicher die Behandlung mit Clopidogrel bzw. Aspirin ist. Begleitet wurden die Teilnehmer etwa zwei Jahre und vier Monate lang, manche sogar bis zu 5,5 Jahre. Die Forscher achteten darauf, ob die Patienten in dieser Zeit irgendwann schwerwiegende gesundheitliche Probleme bekamen. Gemeint sind schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall (tödlich oder nicht tödlich). Außerdem wollten sie wissen, ob es zu schweren Blutungen kam – das war der entscheidende Maßstab für die Sicherheit der Behandlung.

Auch interessant: 4 mögliche negative Auswirkungen von Aspirin auf die Gesundheit 

Clopidogrel vs. Aspirin – die Ergebnisse

Im Vergleich zu Aspirin schützte Clopidogrel in dieser Studie etwas besser vor schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen.

Clopidogrel verhinderte mehr Herzinfarkte als Aspirin

  • Bei den Patienten, die Aspirin bekamen, gab es 1062 Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Todesfälle durch Herzprobleme.
  • Bei denen, die Clopidogrel bekamen, kam es zu 929 solcher Ereignisse.

Damit ist das Risiko für solche schweren Ereignisse bei Clopidogrel um etwa 14 Prozent geringer als bei Aspirin.

Clopidogrel vs. Aspirin: Risiko für schwere Blutungen ähnlich

Das Risiko für schwere Blutungen war bei beiden Medikamenten indes ähnlich – Clopidogrel war also nicht gefährlicher, aber auch nicht deutlich sicherer als Aspirin. (256 vs. 279 schwere Blutungen).

Vergleich der Todesfälle unter Clopidogrel vs. Aspirin

Wenn man sich anschaut, wie viele Menschen insgesamt gestorben sind (egal aus welchem Grund), gab es keinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen. Letztlich zeigt diese Meta-Analyse: Clopidogrel schützt besser vor Herzinfarkt oder Schlaganfall – ohne zusätzliche Risiken für die Patienten. Für Patienten mit koronarer Herzkrankheit – also den häufigsten Herzpatienten – könnten diese Ergebnisse eine therapeutische Neuorientierung bedeuten.

Besonders relevant: Der bessere Schutz durch Clopidogrel war in allen untersuchten Patientengruppen konsistent – auch bei Menschen mit Risikofaktoren, bei denen Clopidogrel aufgrund genetischer oder klinischer Merkmale schlechter wirkt. Das spricht für eine breite Anwendbarkeit der Ergebnisse.

Hiermit punktet die Studie

Die Ergebnisse dieser Meta-Analyse haben eine hohe Aussagekraft. Zum einen, weil es sich bislang um die umfassendste Bewertung der Frage handelt, ob Clopidogrel oder Aspirin besser für die langfristige Einzeltherapie bei KHK geeignet ist. Andererseits sind die Zahl der analysierten Patientendaten sowie die Tatsache, dass über mehrere Jahre hinweg geschaut wurde, große Pluspunkte.

Nachteile der Studie

Bei einigen der analysierten Patienten wurde nicht nur ein Medikament, sondern eine Kombination aus zwei Wirkstoffen eingesetzt. Man nennt das duale Therapie. Somit ist es möglich, dass diese zusätzliche Behandlung die Ergebnisse beeinflusst hat – man kann also nicht mit absoluter Sicherheit sagen, wie groß der Effekt eines einzelnen Medikaments wirklich war.

Außerdem stammen die Daten aus verschiedenen Studien, in denen die Teilnehmer unterschiedlich ausgewählt wurden und auch nicht immer die gleiche Behandlung bekamen. Das bedeutet: Man muss die Ergebnisse mit etwas Vorsicht betrachten, weil nicht alle Patienten, deren Daten hier hinsichtlich Clopidogrel vs. Aspirin analysiert wurden, unter denselben Bedingungen untersucht worden waren.

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Was überwiegt? Fazit

Trotz erwähnter Studiennachteile, so betonen die Verfasser, sei der Nutzen von Clopidogrel gegenüber Aspirin in ihrer Analyse statistisch robust und klinisch relevant. Der Vorteil gelte für praktisch alle Patientengruppen mit koronarer Herzkrankheit. Angesichts der breiten Verfügbarkeit, guten Verträglichkeit und besseren Wirksamkeit solle Clopidogrel in der kardiologischen Praxis als neue Standardtherapie in Betracht gezogen werden.

Kardiologe: Offizielle Empfehlung wird sich bald ändern

„In der Vergangenheit gab es schon einige Daten diesbezüglich, dass die Therapie mit Clopidogrel bei stabilen Verhältnissen (stabile KHK), wahrscheinlich der ASS-Monotherapie überlegen ist“, erklärt der Kardiologe Dr. med. Christopher Schneeweis auf Nachfrage von FITBOOK. Die aktuellen Daten hätten bisher aber noch keinen Eingang in die Leitlinien gefunden, weil diese zuletzt 2024 aktualisiert wurden. „In diesen wird noch primär ASS empfohlen, Clopidogrel lediglich als Alternative“, so Schneeweis. Aus seiner Sicht könnte sich diese Empfehlung bald ändern.

Quellen

  1. Deutsche Herzstiftung: Aspirin (ASS) wie lange einnehmen? (aufgerufen am 01.09.2025) ↩︎
  2. Valgimigli M., Hong Choi K., Giacoppo D. et al. (2025): Clopidogrel versus aspirin for secondary prevention of coronary artery disease: a systematic review and individual patient data meta-analysis. The Lancet. ↩︎

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