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Ist der Eingriff gesund?

Eine Beschneidung verändert offenbar das Penis-Mikrobiom

Ist eine Beschneidung beim Mann gesund?
Ist eine Beschneidung beim Mann gesund? Foto: Getty Images
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Melanie Hoffmann
Ernährungs-, Fitness- und Schlafexpertin

8. September 2025, 4:15 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

In manchen Kulturen oder Religionen ist die Beschneidung eine weitverbreitete Praxis. Auch aus medizinischen Gründen kann sie notwendig sein. Doch kann man generell sagen, dass eine Beschneidung für den Mann gesund ist? Bezüglich dieser Frage herrscht in der Forschung Uneinigkeit. FITBOOK-Redaktionsleiterin Melanie Hoffmann erläutert die aktuelle Studienlage. Diese liefert spannende Hinweise, etwa zum Effekt von Beschneidung auf Sexualfunktionen und das Risiko, sich mit sexuell übertragbaren Erregern zu infizieren. Untersuchungen deuten zudem darauf hin, dass eine Beschneidung eine Wirkung auf das Penis-Mikrobion – also die Gesamtheit der dort vorkommenden Bakterien – hat.

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Ist die Beschneidung gesund? Die bisherige Studienlage

In Fällen einer Vorhautverengung oder wiederkehrender Entzündungen im Bereich der Vorhaut, Eichel oder Harnwege kann der Eingriff eine medizinische Lösung sein.1 Doch welche Auswirkungen hat eine Beschneidung darüber hinaus auf den Mann?

Die Theorie, dass beschnittene Männer weniger anfällig für sexuell übertragbare Krankheiten sind, hält sich seit dem späten 19. Jahrhundert. Tatsächlich konnten Studien in der Vergangenheit Hinweise liefern, dass dies zu einem gewissen Grad stimmen könnte. So kam eine Meta-Analyse von 2006 zu dem Ergebnis, dass die Beschneidung bei Männern mit weniger bakteriellen Infektionen wie Syphilis oder viralen Infektionen wie Genitalherpes einherzugehen scheint.2 Außerdem ergab eine klinische Studie südafrikanischer Wissenschaftler aus 2005, dass eine Beschneidung mit einem um 60 Prozent geringeren Risiko für die Ansteckung mit HIV einhergeht.3 Grund hierfür sei die verringerte Schleimhautoberfläche des Penis und die Entfernung des an HIV-Zielzellen reichen Teils der Vorhaut. Auch die Deutsche Aids-Hilfe verweist noch heute auf diese Erkenntnisse.4

Doch gibt es auch Forschungsergebnisse, die keine gesundheitlichen Vorteile von Beschneidung aufzeigen konnten. So fand eine dänische Studie, die über 30 Jahre lang erfolgte, keine Hinweise dafür, dass ein Schutz vor HIV oder anderen sexuell übertragbaren Krankheiten durch eine Beschneidung gegeben wäre.5 Und auch ein Review, welches zehn verschiedene Studien überprüfte, kam zu keinem klaren Ergebnis.6

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Beschneidung verändert das Penis-Mikrobiom

Eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2022 liefert spannende Erkenntnisse zur möglichen Wirkung einer Beschneidung auf den Körper und die langfristige Gesundheit.

Im Rahmen der Studie analysierte ein Forschungsteam Proben von elf Kindern, die im Bereich der Harnröhre entnommen worden waren – sowohl vor als auch nach der Beschneidung. Der Fokus lag auf möglichen Veränderungen des Mikrobioms nach dem Eingriff.

Tatsächlich zeigte die Analyse, dass sich die Menge bestimmter Mikrobioorganismen in den Proben, die den Jungen nach der Beschneidung entnommen worden waren, verringert hatte. Und zwar betraf dies überwiegend solche, die hauptsächlich mit dem Aminosäure- und Glukosestoffwechsel verbunden sind.7

Eine kenianische Beobachtungsstudie kam zudem zu dem Ergebnis, dass die Veränderungen des Mikrobioms nach einer Beschneidung stabil blieben.8

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Beschneidung könnte Schutz vor Krankheiten bieten

Laut den amerikanischen Studienautoren liefert ihre Analyse einen ersten genaueren Einblick in den Effekt der Beschneidung auf das Penis-Mikrobiom. Dadurch, dass sowohl vor als auch nach dem Eingriff entnommene Proben analysiert wurden, ist zu vermuten, dass tatsächlich die Beschneidung den Effekt hervorgerufen hat. Außerdem handelte es sich bei den zurückgegangenen Bakterien und Pilzen um solche, die mit Entzündungen und Krebs in Verbindung gebracht werden. Demnach liefert die Studie Hinweise darauf, dass die Beschneidung langfristig gesunde Wirkungen für den Mann haben kann.

Einschränkung der Studie

Allerdings ist auch wichtig, zu betonen, dass die Studie eine geringe Teilnehmeranzahl aufweist, was die Aussagekraft der Ergebnisse abschwächt. Deshalb ist nicht sicher, dass die Beschneidung tatsächlich die Veränderungen im Mikrobiom verursacht. Auch der Langzeiteffekt auf erwachsene Männer kann aktuell nur vermutet werden. Weitere Forschung ist daher notwendig.

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Trägt die Beschneidung zu einer gesunden Sexualfunktion bei?

In diesem Jahr erschien eine Meta-Analyse, die die Auswertung von 15 Studien mit insgesamt 14.737 Teilnehmern umfasste.9 Ihr Ziel war es, herauszufinden, wie die Beschneidung auf die Sexualfunktion von Männern wirkt. Tatsächlich war der Eingriff mit einer höheren sexuellen Zufriedenheit bei den beschnittenen Männern verbunden. Auch über eine leichte Verbesserung der erektilen Funktion wurde berichtet – darunter Dyspareunie. Diese sexuelle Funktionsstörung kann mit Schmerzen beim Geschlechtsverkehr verbunden sein. Hier scheint die männliche Beschneidung möglicherweise Linderung verschaffen zu können. Da auch Orgasmusstörungen weniger auftraten, könnte die Beschneidung zu einem allgemein angenehmeren Sexempfinden beigetragen haben.

Da die analysierten Studien allerdings sehr heterogen aufgebaut waren, ist die Übertragbarkeit und Allgemeingültigkeit der Ergebnisse zweifelhaft. Weitere Forschung ist nötig, um sie zu untermauern. Erfreulich ist immerhin, dass die Beschneidung in keiner Studie mit einer Verschlechterung der Sexualfunktion einherging.

Beeinflusst es den Gesundheitsstatus von Frauen, wenn ihr Sexualpartner beschnitten ist?

So viel dazu, ob eine Beschneidung beim Mann gesund ist oder nicht. Doch haben auch weibliche Sexualpartner Vor- oder Nachteile? Tatsächlich kann eine Beschneidung auch Frauen vor diversen Erkrankungen schützen. Frauen mit beschnittenen männlichen Partnern wiesen ein geringeres Risiko für sexuell übertragbare Erkrankungen auf. Dazu zählen Geschwüre, Trichomonaden, bakterielle Vaginose sowie eine Infektion mit humanen Papillomviren (HPV).10,11

Quellen

  1. infomedizin. Beschneidung (Zirkumzision). (aufgerufen am 4.9.2025) ↩︎
  2. Weiss, H.A., Thomas, S.L., Hayes, R.J. (2006). Male circumcision and risk of syphilis, chancroid, and genital herpes: a systematic review and meta‐analysis. Sexually Transmitted Infections (STI). ↩︎
  3. Auvert, B., Taljaard, D., Lagarde, E. et al. (2005). Randomized, Controlled Intervention Trial of Male Circumcision for Reduction of HIV Infection Risk: The ANRS 1265 Trial. PLOS MEDICINE. ↩︎
  4. Deutsche Aidshilfe. Schutz. (aufgerufen am 4.9.2025 ↩︎
  5. Frisch, M., Simonsen, J. (2022). Non-therapeutic male circumcision in infancy or childhood and risk of human immunodeficiency virus and other sexually transmitted infections: national cohort study in Denmark. European Journal of Epidemiology. ↩︎
  6. Goncales, M.F.M., Fernandes, A.R., Rodrigues, A.G. & Lisboa, C. (2022). Microbiome in Male Genital Mucosa (Prepuce, Glans, and Coronal Sulcus): A Systematic Review. Micrororganisms. ↩︎
  7. Mishra, K., Isali, I., Sindhani, M. et al. (2022). Characterization of Changes in Penile Microbiome Following Pediatric Circumcision. European Urology Focus. ↩︎
  8. Mehta, S., Nandi, D., Agingu, W. et al. (2022). Longitudinal Changes in the Composition of the Penile Microbiome Are Associated With Circumcision Status, HIV and HSV-2 Status, Sexual Practices, and Female Partner Microbiome Composition. Frontiers in Cellular and Infection Microbiology. ↩︎
  9. Karaamet, A.Y., Laleh, S.S. (2025). The Influence of Circumcision on Male Sexual Function: A Meta-Analysis of Satisfaction, Erectile Function, and DyspareuniaPreregistered. Journal of Sex & Maritial Therapy. ↩︎
  10. Gray, R.H., Kigozi, G., Serwadda, D. et al. (2009). The effects of male circumcision on female partners' genital tract symptoms and vaginal infections in a randomized trial in Rakai, Uganda. American Journal of Obstetrics & Gynecologym. ↩︎
  11. Wawer, M.J., Tobian, A.A., Kigozi, G. et al. (2011). Effect of circumcision of HIV-negative men on transmission of human papillomavirus to HIV-negative women: a randomised trial in Rakai, Uganda. Lancet. ↩︎

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