4. August 2025, 18:01 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Erst ewig kein Termin frei, dann empfangen einen in der Praxis gestresste Mitarbeiter, trotz Termin sitzt man ewig im Wartezimmer – und letztendlich dauert die Untersuchung gerade einmal ein paar Minuten. Am Ende geht man irgendwie frustriert aus der Praxis. Wir waren uns sicher, dass auch die FITBOOK-Leser dieses Gefühl kennen und wollten in einer Umfrage daher wissen, was sie bei einem Arztbesuch am meisten nervt. Mit mehr als 8.000 von insgesamt rund 21.000 Stimmen schnitt eine Antwortoption mit Abstand als nervigste ab: dass Praxen „telefonisch schlecht oder gar nicht zu erreichen“ sind.
Eins vorab: In vielen Arztpraxen bemühen sich die Angestellten bis hin zum Arzt oder zur Ärztin, ihren Patienten eine möglichst mühelose und angenehme Erfahrung zu bieten. Dass dies häufig nicht gelingt, liegt bei Weitem nicht nur an ihnen, sondern an Faktoren wie unvorhersehbaren Notfällen, übermäßiger Bürokratie, Zeit- und Personalmangel sowie finanziellem Druck. Unterm Strich ist jedoch leider nicht von der Hand zu weisen, dass ein Arztbesuch für Patienten oft ein wahres Geduldsspiel ist und vieles bereithalten kann, das einfach nur nervt. Und was genau auf der Liste nerviger Faktoren den meisten Frust bereitet, haben unsere Leser uns mit ihrer Abstimmung in unserer Umfrage klar mitgeteilt. 21.605 Stimmen zeichnen ein Bild von dem, womit Patienten in deutschen Arztpraxen zu kämpfen haben.
Platz 1: Telefonische Erreichbarkeit von Arztpraxen
Mit 8.367 Stimmen schaffte es die Tatsache, dass viele „Praxen telefonisch schlecht oder gar nicht zu erreichen“ sind, mit deutlichem Abstand auf Platz 1 der nervigsten Dinge bei einem Arztbesuch. Damit wird gleich zweierlei deutlich. Immer weniger Arztpraxen haben einen für Patienten zufriedenstellenden Telefondienst, während aber eben noch ein großer Anteil Patienten in Deutschland auf genau diesem Wege Termine machen oder Fragen klären möchte.
Platz 2 und 3: Terminvergabe und Wartezimmer
Auf Platz 2 haben die FITBOOK-Leser mit 2.646 Stimmen die Option „Man wartet ewig auf einen Termin“ gewählt. Kaum weniger nervig finden viele (2.495) „ewiges Warten im Wartezimmer“.
Schlechte Erreichbarkeit und Warten nerven am meisten
Aus den Top 3 der nervigsten Faktoren beim Arztbesuch lässt sich ablesen, dass ein Großteil der FITBOOK-Leser vor allem mit der Erreichbarkeit und der Situation vor dem eigentlichen Arztbesuch unzufrieden ist. Schlecht erreichbare Arztpraxen sowie unzulängliche Terminverfügbarkeiten erzeugen lange vor dem Betreten der Praxen Frust. Ist man dann endlich in der Praxis angekommen, ist oft weiteres Warten – nämlich im Wartezimmer – angesagt, was die FITBOOK-Leser fast genauso nervt wie die zwei zuvor genannten Punkte.
Das Umfrageergebnis im Überblick
- Praxis telefonisch schlecht oder gar nicht zu erreichen (8.367 Stimmen)
- Man wartet ewig auf Termin (2.646 Stimmen)
- Ewiges Warten im Wartezimmer (2.495 Stimmen)
- Für Neupatient ist kaum möglich, einen Termin zu bekommen (2.280 Stimmen)
- Arzt hat kaum Zeit für den Patienten (1.106 Stimmen)
- Man fühlt sich nicht ernst genommen (966 Stimmen)
- Erste Frage vor Termin: Kassen- oder Privatpatient? (856 Stimmen)
- Unfreundliche oder indiskrete Fachkräfte am Empfang (844 Stimmen)
- Die anderen Patienten in der Praxis (712 Stimmen)
- Unbefriedigende Behandlung (704 Stimmen)
- Aufdrängen von IGeL-Leistungen (396 Stimmen)
- Aus der Coronapandemie übrig gebliebene Regelungen (z. B. Praxis nur einzeln betreten). (233 Stimmen)
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Warten, Unfreundlichkeit, wenig Zeit – was ist los in Deutschlands Arztpraxen?
Mit der Frage, was gut oder eher was in deutschen Arztpraxen bzw. dem deutschen Gesundheitssystem nicht gut läuft, könnte man wohl ein ganzes Buch füllen. Dem Thema und der Entwicklung potenzieller Lösungsansätze widmen sich unzählige Experten.
Die Situation ist vielerorts so, dass Ärzte und ihre Praxisteams unter enormem Druck stehen, was Bürokratie, Personalmangel und unzähligen weiteren Faktoren geschuldet ist. Wie in vielen Berufen reichen die Arbeitsstunden für die zu erledigenden To-dos kaum oder gar nicht aus. Wenn dieser Stress auf Patienten mit Sorgen und Schmerzen trifft, die ungeduldig werden, sind maximal angespannte Szenarien vorprogrammiert.
Das Ergebnis: Frust auf beiden Seiten. Ärzte sind von ihrem Beruf desillusioniert, Patienten graust es davor, Termine zu machen und Arztpraxen aufzusuchen – und das längst nicht nur aufgrund von gesundheitlichen Sorgen. Die FITBOOK-Umfrage zur Frage, was rund um Arztbesuche am meisten nervt, zeigt, was im Gesundheitsbereich vielfach bereits lange diskutiert wird: Die Zeit für Patienten geht verloren – vom ersten Kontakt für die Terminvergabe bis hin zur Versorgung in der Praxis.
Kleiner Appell an ein geduldigeres Miteinander
Während man die Strukturen, die zur angespannten Stimmung in vielen Praxen führen, so einfach und schnell nicht beeinflussen kann, können wir uns im Praxisalltag selbst vielleicht alle wieder mit etwas mehr Verständnis begegnen. Die Patienten könnten zu einem besseren Miteinander beitragen, indem sie Empathie für die Herausforderungen der Arztpraxen haben und wahrnehmen, wie viel Mühe sich alle Anwesenden geben. Medizinische Fachkräfte und Ärzte sollten die Sorgen, Nöte und Schmerzen, die es Patienten schwer machen, die Ruhe zu bewahren, dagegen nicht aus dem Blick verlieren. Auf diese Weise lassen sich manche der in unserer Umfrage aufgeführten Faktoren womöglich schnell verbessern oder gar völlig vermeiden – was dazu beitragen würde, dass der Arztbesuch nicht mehr ganz so nervt!