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Nachgefragt

Hilft ein Schnaps wirklich bei der Verdauung?

Was bringt ein Verdauungsschnaps?
Kann ein Verdauungsschnaps wirklich den Magen aufräumen, wenn man schwer gegessen hat?Foto: Getty Images

„Trink einen Schnaps.“ So lautet gemeinhin die Empfehlung, wenn man sich nach einem schweren Essen unwohl fühlt. Aber ob Obstler, Ouzo oder Grappa – lindert der vermeintliche „Verdauungsschnaps“ wirklich Magenbeschwerden? FITBOOK hat sich schlaugemacht.

Weihnachten bedeutet meist: Gans mit knuspriger Haut, dazu Beilagen und extraviel Soße, gefolgt von Dessert. Doch dem Genuss folgt oft ein weit weniger schönes Völlegefühl. Hilft nun der Griff zum Verdauungsschnaps?

Hilft ein Verdauungsschnaps gegen Völlegefühl?

„Das ist eine ‚Klassikerfrage‘, an der sich die Geister scheiden“, sagt dazu Ernährungswissenschaftler Uwe Knop. Wie er weiß, tun einigen Menschen beispielsweise Kräuterliköre nach einem schweren Essen gut, da sie aufgrund der enthaltenen Bitterstoffe die Verdauung ein wenig anregen können. Heißt aber auch, dass andere Lebensmittel mit Bitterstoffen – beispielsweise Enziantee, Chicorée oder Artischocken – einen ähnlichen Effekt haben.

Grundsätzlich lautet die Lösung: ausprobieren. „Wer nach einem ausgiebigen Menü das Bedürfnis nach einem Verdauungsdrink hat, wer genau spürt, was und welcher Drink ihm wohl bekommt“, so Knop, „der sollte den Drink der Wahl genießen.“ Anderen wiederum wird es nach einem Schnaps erst recht flau und schwer im Magen. Diese Menschen sollten vom Verdauungsschnaps natürlich die Finger lassen.

Was die Wissenschaft dazu sagt, stehe auf einem anderen Blatt. Bewiesen sei in puncto Verdauungsschnaps nämlich gar nichts. „Es gibt nur ein paar kleine Pilotstudien ohne Aussagekraft von allgemeingültiger Relevanz“, weiß der Experte.

Erfahrungswerte schlagen Studienlage

Ähnliches sagt Antje Gahl, Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Einerseits könne Alkohol zwar die Produktion von Magensäure anregen, andererseits verhindere er zu einem gewissen Grad die Entleerung des Magens. Einen wissenschaftlichen Beleg dafür oder dagegen, dass ein Schnaps bei Verdauungsproblemen hilft, gebe es nicht. Das bedeutet aber nicht, dass ein Verdauungsschnaps keinerlei Wirkung zeigt.

Verdauungsschnaps wirkt betäubend

Nicht zu unterschätzen ist demnach ein gewisser betäubender Effekt, den ein Verdauungsschnaps – also Alkohol im Allgemeinen – haben kann. „Der gefühlte Effekt, dass Alkohol den Magen aufräumt, kommt wohl eher daher, dass er eine leicht narkotische Wirkung hat“, so Gahl, „das unangenehme Völlegefühl wird also abgemildert.“

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So fügt auch Knop hinzu, dass der Genuss des Lieblingsdigestifs sich nicht nur den Körper auswirkt, sondern vor allem auf den Geist. „Mit der Verdauung an sich hat dieser Verdauungsschnaps dann wenig zu tun – es ist eher ein Nach-dem-Essen-Seelen-Entspanner“, sagt Knop.

Achtung: Alkohol ist KEINE Medizin!

Auch wenn zur Weihnachtszeit der Genuss im Vordergrund steht – Alkohol erfordert immer einen verantwortungsvollen Umgang. Alkoholkonsum kann die Gesundheit gefährden und abhängig machen. Egal, wie zünftig das Essen gewesen und wie „nötig“ ein Verdauungsschnaps gewesen sein mag – unter Alkoholeinfluss ist die aktive Teilnahme am Straßenverkehr tabu. Zudem sind natürlich die Vorschriften zum Jugendschutz zu beachten.

Zum Glück gibt es eine gesündere und noch wirksamere Alternative zum Verdauungsschnaps: Bewegung. Antje Gahl von der DGE empfiehlt daher einen Verdauungsspaziergang. „Damit der Magen Essen verdauen kann, muss er Magensäure produzieren – und Bewegung kann diese Säureproduktion anregen.“

Übrigens: Völlegefühl nach dem Essen ist zwar unangenehm, aber nur in seltenen Fällen Zeichen einer Krankheit. Auch ist es nicht immer ein Hinweis darauf, dass man ungesund gegessen hat. „Es sind nicht nur die fettigen, ungesunden Lebensmittel, die schwer im Magen liegen – Hülsenfrüchte zum Beispiel, ballaststoffreiches Essen also, können den gleichen Effekt haben“, sagt Gahl. Allerdings hält die unangenehme Wirkung hier nicht ganz so lange an.

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