Es ist vermutlich nicht gerade die sexieste Sportart, die man nennen kann, wenn der Arbeitskollege fragt: „Und was machst du so für deinen Körper?“ Der Ruf des „Rentner-Sports“ haftet an Wassergymnastik, und das zu Unrecht. Wassergymnastik, auch „Aquafitness“ genannt, ist ein hervorragendes Training, insbesondere zur warmen Zeit des Jahres.
Nur weil man bei dem Gedanken an Aquafitness, kreisförmig angeordnete Rentner im Pool vor seinem geistigen Auge erblickt, heißt das nicht, dass Wasserfitness stets lasch ist. Durch die hohe Dichte des Wassers wird der Widerstand bei jeder Bewegung spürbar. Das macht es zu einem Kraft- und Ausdauersport. Der Trainingseffekt kann bis zu fünfmal stärker sein als bei vergleichbaren Übungen an Land.1 Bei einer intensiven Stunde verbrennen Sie zwischen 400 und 700 Kilokalorien. Damit ist der Energieverbrauch genauso hoch oder oft sogar höher als bei einer vergleichbaren Laufeinheit an Land. Grund: Der Körper muss zusätzlich Energie aufwenden, um seine Temperatur im Wasser zu halten.
Muskelaufbau im Wasser
Eine Metaanalyse aus 2025 zeigt auf, wie effektiv Aquafitness auch für den Muskelaufbau sein kann.2 In über 70 Prozent der untersuchten Fälle erreichte die muskuläre Aktivierung im Pool ein Niveau, das vergleichbaren Übungen an Land mindestens ebenbürtig oder sogar überlegen war. Durch den Wasserwiderstand müssen Muskeln in jeder Bewegung arbeiten, anders als bei klassischen Fitnessstudioübungen, bei denen man in der Regel gezielt einen einzelnen Muskel trainiert, etwa entweder Bizeps oder Trizeps. Wenn man im Wasser eine Übung für den Bizeps macht, muss automatisch auch der Trizeps als Gegenspieler stärker arbeiten, als wenn man die Übung außerhalb des Wassers machen würde. Das liegt daran, dass das Wasser dagegen drückt, sobald man den Arm zurückbewegt. Der Trizeps muss sich also gegen diesen Widerstand durchsetzen. Wer den Effekt erschweren möchte, kann Aquahanteln oder Poolnudeln verwenden.
Schonend für die Gelenke und Verletzungsrisiko gleich Null
Wer kennt es nicht: Joggen lässt die Knie immerzu schmerzen und im Fitnessstudio zwickt die Schulter ständig? Und das ist nicht erst der Fall, wenn man im Rentneralter angekommen ist. Diese Probleme können bei jedem in jedem Alter auftreten. Der große Vorteil von Aquafitness ist, dass das Verletzungsrisiko verschwindend gering ausfällt. Durch den Auftrieb des Wassers wird Ihr Körpergewicht getragen. Steht man bis zum Hals im Becken, spürt man gerade einmal noch rund zehn Prozent des eigenen Gewichts.3 Das entlastet den gesamten Bewegungsapparat. Gelenke, Sehnen und Wirbelsäule. Während beim Laufen an Land bei jedem Schritt harte Stöße mit bis zu dem Dreifachen des Körpergewichts auf die Knie hämmern, bremst das Wasser diese Kräfte komplett ab. Wenn Sie ohnehin Probleme mit Gleichgewichtskontrolle, Rückenschmerzen oder Gelenkerkrankungen wie Arthrose haben, sollten Sie sich ins Wasser wagen und Aquafitness einmal ausprobieren.
Warum das Wasser die beste Regeneration ist
Wenn Sie nach Ihrem harten Aquafitness Muskelkater und schmerzende Gelenke fürchten, dann können Sie beruhigt sein. Das Training im Wasser kann die Regeneration unterstützen. Grund: der hydrostatische Druck. Das Wasser drückt von allen Seiten gleichmäßig auf den Körper und wirkt dadurch wie eine sanfte Kompressionsmassage.4 Das kurbelt die Durchblutung an, womit Stoffwechselabbauprodukte schneller abtransportiert werden. Schwellungen gehen zurück und kleine Entzündungen im Gewebe klingen schneller ab.5,6
Ganz eindeutig ist die Studienlage allerdings nicht. Manche Untersuchungen zeigen, dass die Schwellungsreduktion nicht allein vom hydrostatischen Druck abhängt. Sondern auch von der Wassertemperatur und individuellen Faktoren beeinflusst wird.7 Aquafitness ersetzt also keine gezielte Regenerationsstrategie, kann aber ein sinnvoller Baustein sein.
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