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FITBOOK-Redakteurin hat´s ausprobiert

»Ich konnte nicht mal den Tennisschläger richtig halten

Old Money Sommer: warum Tennis nicht entspannt ist
Old Money Sommer: Warum Tennis nicht entspannt ist. Foto: FITBOOK/Getty Images
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Julia Freiberger
Ernährungsexpertin

24. Mai 2026, 17:45 Uhr | Lesezeit: 10 Minuten

Es klang eigentlich nach einer ziemlich guten Idee. Mein Freund und ich waren gerade erst weiter aus der Innenstadt gezogen, hatten plötzlich mehr Grün um uns herum und dachten: Warum eigentlich nicht Tennis? Sport, den man gemeinsam macht, draußen an der frischen Luft, vielleicht das Feeling „ein bisschen elegant, ein bisschen ‚Old Money Sommer’ erhaschen. In meinem Kopf sah das Ganze jedenfalls deutlich entspannter aus, als es am Ende wurde.

Romantische Vorstellung vs. Realität

Einen ersten Versuch hatten wir zwar schon einmal im Türkeiurlaub gestartet, allerdings eher mit mäßigem Erfolg. Er bestand hauptsächlich darin, dass wir den Ball kaum trafen und irgendwann entnervt aufgaben. Trotzdem blieb diese romantisierte Vorstellung von Tennis in unseren Köpfen hängen. Also suchten wir uns einen Verein in der Nähe und buchten eine Probestunde. Ganz unverbindlich, einfach mal schauen.

Der Verein selbst sah genauso aus, wie man sich einen Tennisclub vorstellt: gepflegte Plätze, ruhige Atmosphäre, Menschen in weißen Outfits, die aussahen, als hätten sie noch nie in ihrem Leben einen Ball verschätzt. Ich dagegen hatte schon nach wenigen Minuten das Gefühl, dass mein gesamtes Körpergefühl plötzlich gegen mich arbeitet.

Der Moment, in dem mein Freund plötzlich Roger Federer wurde

Unsere Trainerin Michelle begrüßte uns freundlich und schlug vor, erst einmal locker zu starten. Zum Aufwärmen sollten wir den Tennisball auf dem Schläger balancieren und dabei zwei Runden um den Platz laufen. In meinem Kopf war das eine harmlose Anfängerübung. So etwas, das man kurz macht, bevor der eigentliche Sport beginnt.

Dann lief mein Freund los.

Und plötzlich hatte ich das Gefühl, heimlich mit einem Ex-Tennisspieler zusammenzusein. Der Ball blieb bei ihm wie festgeklebt auf dem Schläger liegen, während er entspannt seine Runden drehte. Bei mir dagegen hielt die Balance ungefähr drei Sekunden. Dann fiel der Ball herunter. Wieder aufgehoben. Wieder versucht. Wieder heruntergefallen.

Es ist faszinierend, wie schnell schlechte Laune entstehen kann, wenn die eigene Idee plötzlich beim Partner deutlich besser funktioniert als bei einem selbst.

Michelle blieb entspannt und meinte sofort, dass das völlig normal sei. Ich nickte zwar verständnisvoll, innerlich hatte mein Ego allerdings bereits begonnen, einen kleinen Zusammenbruch zu erleiden.

Ich hielt den Tennisschläger wie einen Badmintonschläger – und genau so sahen auch meine Schläge aus

Nach dem Aufwärmen ging es an die ersten richtigen Schläge. Vorhand, Rückhand, kleine Ballwechsel. Michelle erklärte uns die Grundlagen erstaunlich ruhig und geduldig. Gerade bei Anfängern gehe es erst mal weniger um Kraft als um Technik, sagte sie. Der Bewegungsablauf müsse locker sein, flüssig, nicht verkrampft. Man müsse den Ball nicht „wegprügeln“, sondern lernen, ihn sauber zu führen. Und genau da begann mein persönliches Problem.

Genauer gesagt: Der Ball und ich hatten massive Probleme.

Schon in den ersten Minuten fiel Michelle auf, dass ich den Tennisschläger komplett falsch hielt. Nämlich wie einen Badmintonschläger – und genau so sahen dann leider auch meine Schläge aus. Viel zu locker aus dem Handgelenk, zu verspielt, zu wenig Stabilität. Statt kontrollierter Tennisbewegungen machte mein Arm irgendwo zwischen Tanzchoreografie und Federball-Freizeitturnier sein eigenes Ding.

Michelle korrigierte mich gefühlt im Minutentakt.

„Nicht aus dem Handgelenk.“

„Arm stabiler.“

„Die Bewegung mehr von unten nach oben.“

„Locker bleiben – aber nicht so locker.“

Währenddessen funktionierte bei meinem Freund gefühlt alles sofort. Er traf die Bälle sauber, bekam sie übers Netz und wirkte dabei auch noch entspannt. Ich dagegen schätzte teilweise nicht einmal den Abstand zum Ball richtig ein. Man denkt immer, Tennis bestehe hauptsächlich darin, den Ball zu schlagen. Tatsächlich besteht ein großer Teil aber darin, überhaupt rechtzeitig richtig zum Ball zu stehen.

Man läuft permanent. Kleine Schritte nach links, wieder zurück, nach vorn, nach hinten. Selbst zwischen den Schlägen bleibt der Körper immerzu unter Spannung. Nach den ersten Laufübungen merkte ich schon, wie mein Rücken langsam fest wurde.

Tennis sieht elegant aus – bis der Ball fast der Trainerin ins Gesicht fliegt

Dann kam einer meiner persönlichen Höhepunkte der Stunde. Michelle spielte mir einen Ball zu, ich holte aus – und traf ihn so unkontrolliert, dass der Ball ihr fast mitten ins Gesicht flog. Sie duckte sich im letzten Moment noch weg, während ich nur meinen Mund aufklappte und ein schwaches „Oh, sorry!“ hervorbrachte. Gott, war das unangenehm.

Mein Freund lachte natürlich sofort.

Ich hätte mich am liebsten direkt wieder abgemeldet.

Warum Tennis deutlich technischer ist, als es von außen aussieht

Das wirklich Überraschende an dieser Tennis-Probestunde war aber, wie technisch dieser Sport eigentlich ist. Von außen wirkt Tennis oft intuitiv. Ball sehen, schlagen, fertig. In Wirklichkeit geht es aber permanent um Haltung, Körperspannung und Timing.

Michelle erklärte uns immer wieder, wie wichtig die richtige Schlagbewegung sei. Der Arm dürfe nicht verkrampfen, die Bewegung müsse aus Schulter und Oberkörper kommen, nicht nur aus dem Handgelenk. Gerade Anfänger neigen dazu, den Schläger viel zu fest zu halten oder nur aus dem Arm zu schlagen. So wie es natürlich die ganze Zeit bei mir der Fall war.

Nach einigen Wiederholungen merkte ich richtig, wie meine Bewegungen immer angespannter wurden. Je mehr ich darüber nachdachte, alles richtig zu machen, desto schlechter funktionierte es plötzlich. Vielleicht war auch einfach mein Kopf das Problem. Aus meiner Vergangenheit auf der Bühne hatte ich nämlich gelernt: Stillstand ist Tod. Noch schlimmer sind Fehler, die man permanent wiederholt.

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Das Problem war nicht mehr, den Ball zu treffen – sondern ihn zu kontrollieren

Was nach ungefähr 40 Minuten allerdings wirklich frustrierend wurde: Ich traf die Bälle plötzlich tatsächlich ganz gut. Das eigentliche Problem war nur, dass ich absolut keine Kontrolle darüber hatte, wohin sie flogen.

Bei mir sah das eher nach kontrolliertem Chaos aus

Ein Ball flog viel zu hoch nach oben. Der nächste plötzlich weit nach rechts. Dann wieder einer mit erstaunlich viel Kraft direkt ins Aus. Zwischendurch landeten tatsächlich auch gute Schläge übers Netz – und genau das machte es fast noch frustrierender.

Denn ich merkte plötzlich: Es lag nicht mehr daran, dass ich den Ball gar nicht traf. Sondern daran, dass ich ihn nicht kontrollieren konnte. Von ungefähr 50 Bällen gingen vielleicht fünf wirklich sauber dorthin, wo sie hinsollten.

Michelle blieb dabei erstaunlich ruhig. Immer wieder sagte sie mir, ich solle mich nicht stressen, lockerer werden und nicht versuchen, jeden Schlag mit Gewalt zu kontrollieren. Genau das passiere Anfängern häufig: Man werde hektisch, wolle alles gleichzeitig richtig machen – und verkrampfe dadurch komplett.

Wie ich mir selbst Druck machte

Je mehr ich darüber nachdachte, wie ich den Schläger halten muss, wie meine Schulter steht, wie ich den Arm bewege und wann ich den Ball treffe, desto weniger funktionierte plötzlich automatisch. Mein Kopf wollte den perfekten Schlag erzwingen, während mein Körper längst überfordert war.

Das Gemeine daran: Zwischendurch gab es immer wieder diese kurzen Momente, in denen plötzlich alles funktionierte. Ein sauberer Treffpunkt, eine ruhige Bewegung, der Ball fliegt kontrolliert übers Netz – und man denkt sofort: Ah, jetzt habe ich es verstanden. Bis der nächste Ball plötzlich wieder irgendwo Richtung Zaun segelt.

Das Problem mit Lob – und meinem Ego

Irgendwann passierte dann aber doch dieser kleine Triumphmoment. Ich bekam mehrere Bälle sauber übers Netz. Nicht zu hoch, nicht komplett schief, sondern tatsächlich kontrolliert. Michelle nickte sofort anerkennend und meinte: „Genau so.“

Für ungefähr drei Sekunden fühlte ich mich wie eine Person, die vielleicht doch Talent für Tennis haben könnte. Beim nächsten Ball traf ich dann praktisch wieder gar nichts.

Ich seufzte nur trocken und meinte sofort: „Man darf mich nicht loben. Sobald mich jemand lobt, funktioniert plötzlich nichts mehr.“

Michelle musste lachen. Mein Freund leider auch.

Und trotzdem war genau das wahrscheinlich der wichtigste Moment der Stunde. Denn langsam verstand ich, dass Tennis extrem viel mit Lockerheit zu tun hat. Sobald man verkrampft oder sich selbst zu sehr beobachtet, funktioniert plötzlich gar nichts mehr.

Der Tennisschläger wird plötzlich schwerer und schwerer

Was ich komplett unterschätzt hatte, war die körperliche Belastung. Nach ungefähr einer Stunde fühlte sich mein rechter Arm an, als hätte ich damit Möbel transportiert. Der Schläger wurde mit jeder Minute schwerer. Gleichzeitig spannte mein Rücken komplett zu, vor allem im Schulterblatt- und Nackenbereich.

Und das ergibt tatsächlich Sinn: Gerade Anfänger beanspruchen beim Tennis oft die Schulter-, Unterarm- und Rückenmuskulatur extrem stark, weil viele Bewegungen noch nicht automatisiert sind. Hinzu kommen die ständigen Rotationsbewegungen im Oberkörper, schnelle Richtungswechsel und die dauerhafte Körperspannung. Man bleibt eigentlich nie wirklich stehen.

Besonders gemerkt habe ich das am Ende der Stunde. Irgendwann fiel mir auf, dass ich den Schläger nicht einmal mehr locker halten konnte. Mein rechter Arm wurde zunehmend schwerer, die Bewegungen langsamer und unpräziser. Heute merke ich es immer noch – vor allem beim Heben des Arms.

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Am Ende der Stunde sprach Michelle dann etwas aus, das ich innerlich eigentlich längst wusste: Mein Freund und ich hätten aktuell einfach nicht dasselbe Level. Für den Einstieg wäre es wahrscheinlich sinnvoller, erstmal getrennt zu trainieren.

Er legte mir nur grinsend den Arm um die Schulter und meinte entspannt: „Ach, sie lernt schnell.“

Ich dagegen hatte inzwischen akzeptiert, dass ich erstmal die absoluten Grundlagen lernen muss. Wie man den Schläger richtig hält. Wie man sauber schlägt. Wie man sich zum Ball bewegt, ohne komplett die Orientierung zu verlieren. Ehrlich gesagt war genau das wahrscheinlich die wichtigste Erkenntnis dieser Stunde. Denn Tennis zwingt einen dazu, Anfänger zu sein. Fehler auszuhalten. Sich korrigieren zu lassen. Nicht sofort gut zu sein. Und trotzdem weiterzumachen.

Mein Fazit: Tennis trainiert nicht nur den Körper sondern auch Bescheidenheit

Meine erste Tennis-Probestunde war deutlich anstrengender, technischer und emotionaler als erwartet. Ich habe gelernt, dass Tennis viel weniger entspannt ist, wenn man selbst auf dem Platz steht – und ein Tennisschläger nach einer Stunde plötzlich echt schwer werden konnte.

Vor allem aber habe ich gemerkt, wie sehr der eigene Kopf beim Tennis mitspielt. Je mehr Druck ich mir machte, endlich den perfekten Schlag hinzubekommen, desto schlechter wurde ich plötzlich. Sobald ich anfing, jede Bewegung zu kontrollieren, funktionierte gefühlt gar nichts mehr. Vielleicht ist genau das Schwierigste an einer ersten Tennisstunde: auszuhalten, nicht sofort gut zu sein.

Trotz Frust, Muskelkater und leicht angegriffenem Ego würde ich trotzdem wieder hingehen. Nicht, um die Beste auf dem Platz zu sein – sondern, weil es am Ende eigentlich nur darum geht, Spaß zu haben und immer weiterzuspielen.

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