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Studie der Stanford University

Kann man den positiven Effekt von Sport in eine Pille packen?

Pille statt Sport: Hand voll Tabletten
Können wir bald auf der Couch liegen, eine Pille nehmen und den Kilos beim Purzeln zusehen? Foto: Getty Images

Eine Pille statt Sport? Was nach Science-Fiction klingt, könnte bald Realität sein: Eine Studie fand heraus, was bei Bewegung im Körper des Menschen exakt passiert und möchte zukünftig eine Tablette als Alternative zur Bewegung entwickeln und die gleichen positiven Effekte erzielen.

Die große Bedeutung von Sport und Bewegung für die Gesundheit dürfte jedem klar sein. Forscher des Baylor College of Medicine, der Stanford School of Medicine und kooperierender Institutionen wollten es nun aber genau wissen und die Mechanismen verstehen, die die zahlreichen Vorteile von Trainingseinheiten auslösen. Was passiert genau im Körper? In der Zeitschrift „Nature“ präsentierten die Experten jetzt ihre Ergebnisse: Ein bestimmtes Molekül spielt bei Bewegung und Ernährung eine wichtige Rolle. Damit könnten die gesundheitlichen Vorteile in Zukunft vielleicht mit Pille statt Sport erzielt werden.1

Was passiert bei Bewegung genau?

„Regelmäßige körperliche Betätigung hilft nachweislich bei der Gewichtsabnahme, reguliert den Appetit und verbessert das Stoffwechselprofil, primär bei übergewichtigen und fettleibigen Menschen“, so Dr. Yong Xu, Professor für Pädiatrie, Ernährung und Molekular- und Zellbiologie an der Baylor University und einer der Mitautoren. Das Forschungsteam versuchte, zu verstehen, wie Bewegung auf molekularer Ebene funktioniert, um gegebenenfalls die Vorteile nutzen zu können: „Wenn wir den Mechanismus verstehen können, durch den Bewegung diese Vorteile auslöst, sind wir näher dran, vielen Menschen zu helfen, ihre Gesundheit zu verbessern“, erklärt er in einer Universitätsmitteilung.2

Bestimmtes Molekül Blut entdeckt

Sie führten Analysen der Blutplasmaverbindungen von Mäusen nach intensivem Laufbandtraining durch und entdeckten ein Molekül im Blut, das bei sportlicher Betätigung produziert wird und die Nahrungsaufnahme und Fettleibigkeit wirksam reduzieren kann. Das Molekül, das am stärksten beeinflusst wurde, war eine modifizierte Aminosäure namens „Lac-Phe“. Sie wird aus Laktat (einem Nebenprodukt anstrengender körperlicher Betätigung, das für das brennende Gefühl in den Muskeln verantwortlich ist). Die Ergebnisse verbessern damit das Verständnis der physiologischen Prozesse, die dem Wechselspiel zwischen Bewegung und Hunger zugrunde liegen.

Das Team stellte in weiteren Untersuchungen mit Menschen fest, dass der Lac-Phe-Plasmaspiegel nach körperlicher Betätigung stark anstieg. Den stärksten Anstieg von Lac-Phe im Plasma (gefolgt von Krafttraining und Ausdauertraining) löste Sprinttraining aus. Außerdem zeigte sich auch hier, dass Lac-Phe die Ernährung reguliert und mit körperlicher Aktivität in Verbindung steht.

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Lac-Phe verringert Nahrungsaufnahme

In einem Experiment mit Mäusen, denen zehn Tage lang das Molekül Lac-Phe verabreicht wurde, konnte außerdem nachgewiesen werden, dass die Nahrungsaufnahme und damit das Körpergewicht sinkt (aufgrund des Verlusts an Körperfett) und die Glukosetoleranz verbessert wird. Die Forscher fanden außerdem ein Enzym namens „CNDP2“, das an der Produktion von Lac-Phe beteiligt ist. Mäusen, denen dieses Enzym fehlte, verloren bei sportlicher Betätigung nicht so viel Gewicht wie die Kontrollgruppe mit demselben Trainingsplan.

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Mit Pille statt Sport gegen Krankheiten?

Erkenntnisse, wie sie in den aktuellen Untersuchungen gewonnen wurden, könnten in Zukunft dazu führen, dass man mithilfe einer Pille die Effekte von Sport nachahmen kann. Bedeutet das, dass wir bald auf der Couch entspannen und mittels Pille auf den Abnehmerfolg warten können? Wohl unwahrscheinlich. Doch was die Forscher mit ihrer Entdeckung erhoffen ist, dass insbesondere „ältere oder gebrechliche Menschen, die sich nicht ausreichend bewegen können, eines Tages von der Einnahme eines Medikaments profitieren, das helfen kann, Osteoporose, Herzerkrankungen oder andere Krankheiten zu verlangsamen“, wie Mitautor Jonathan Long, Assistenzprofessor für Pathologie an der Stanford Medicine erklärt.

Quellen

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