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Experten verraten

Mit dieser Lichtbrille tricksen Profi-Sportler die Tageszeit aus

LED-Lichtbrille von Osram
Nicht unbedingt schön, dafür aber wirksam: Diese LED-Lichtbrille getragen von Skirennläufer Stefan Luitz entstand in Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Skiverband und Lampenhersteller Osram. Eine Lichtdusche von 15 Minuten soll für einen Energieschub sorgen.
Foto: Deutscher Skiverband

Wie wichtig Licht für unser Wohlbefinden ist, zeigen Tageslichtlampen, die vor Müdigkeit und einer Winterdepression schützen können. Sogenanntes biologisch wirksames Licht kann aber auch Sportlern zu Topleistungen verhelfen. Der Deutsche Skiverband hat in Zusammenarbeit mit dem Lampenhersteller Osram eine LED-Lichtbrille entwickelt, die wie ein Energiebooster wirkt. Sie kann aber auch in anderen Lebensbereichen zum Einsatz kommen.

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Dazu haben wir mit zwei der Verantwortlichen gesprochen: Dem Experten für Licht und Gesundheit des Herstellers Osram, Dr. Andreas Wojtysiak sowie dem Bundestrainer für Wissenschaft und Technologie des DSV, Karlheinz Waibel.

Herr Wojtysiak, Sie arbeiten am „biologisch wirksamen Licht“. Was bedeutet es genau?

Dr. Andreas Wojtysiak: „Osram beschäftigt sich schon seit Längerem mit dem Thema ,Human Centric Lighting‘ (HCL) bei dem die biologische Wirkung von Licht auf den Menschen im Fokus steht. Etwa seit Anfang dieses Jahrtausends ist bekannt, dass sich im Auge Lichtrezeptoren befinden, die unter anderem unseren Tag-Nacht-Rhythmus beeinflussen. Für den Menschen ist hier natürliches Tageslicht ideal.

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Durch großflächig an der Decke angebrachtes LED-Licht samt Lichtsteuerung kann das natürliche Tageslicht auch in Räumen nachempfunden werden. Die Wirkung der Lichtfarben wird dabei dem Tagesverlauf angeglichen: Es erreicht eine Spitze des Blauanteils zur Mittagszeit und geht dann bis zum Abend wieder in ein Licht mit höherem Rotanteil über. Dabei ist nachgewiesen, dass helles Licht mit hohem Blauanteil aktivierend wirkt, gedimmtes Licht mit hohem Rotanteil lässt uns zur Ruhe kommen.“

Wie kam es zu der Entwicklung der LED-Lichtbrille?

Karlheinz Waibel: „Die Idee kam vom Cheftrainer der Herren, Mathias Berthold, der meinte, man müsse was machen, um bei den Nachtrennen die Athleten vor dem Wettkampf in eine Tageslicht ähnliche Situation zu bringen. Denn viele warten da in dunklen Räumen und Gängen und das zieht einen schon runter, da wird man einfach nur müde. Dann haben wir recherchiert und herausgefunden, dass es da tatsächlich etwas gibt und sind dadurch auch auf die Firma Osram gestoßen. So kam es dann zu einer Kooperation auf Projektebene.“

Wojtysiak: „Die Verantwortlichen des DSV stießen auf eine Osram-Studie zum Thema Licht und Aufmerksamkeit und kontaktierten uns. Gemeinsam mit Herrn Waibel haben wir dann in einem Workshop verschiedene Einsatzgebiete von Licht für die Athleten ausgearbeitet. Da in der direkten Wettkampfvorbereitung eine sehr mobile Lichtlösung gesucht wurde, die unter anderem auch auf die Skipiste mitgenommen werden kann, entstand die Idee der Lichtbrille.“

LED-Lichtbrille von Osram

Die LED-Lichtbrille von Osram wird mit einem externen Akku betrieben. Zudem lassen sich verschiedene Lichtszenarien abrufen.
Foto: Deutscher Skiverband

Wann kam es zum ersten Einsatz der Brille?

Waibel: „Bei den ersten Prototypen ging es gar nicht um die Brille, sondern um Lichtelemente, weil wir gemerkt haben, dass es auch beim Reisen durch Zeitzonen interessant ist. Erst im zweiten Schritt kam die Idee zu den Lichtbrillen, die wir dann zum ersten Mal beim Nachrennen von Madonna di Campiglio 2014 einsetzten und es hat auf anhieb gut funktioniert. Der Felix Neureuther und Fritz Dopfer haben die beiden ersten Plätze beim Slalom belegt. Das hat sicherlich nicht viel mit den Lichtbrillen zu tun, aber es hat einen sehr positiven Impuls sowohl den Athleten als auch den Trainern gegeben. Und so war das Thema dann relativ schnell etabliert und wir haben es ausgeweitet zu den Einsätzen bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang.“

Wurde die Brille bislang nur von dem Deutschen Skiverband angewendet?

Wojtysiak: „Der Deutsche Skiverband kooperiert bereits seit mehreren Jahren mit Osram und nutzt dabei die LED-Lichtbrille. Im Bereich des biologisch wirksamen Lichts hat Osram zudem auch bereits mit BMW Motorsport zusammengearbeitet. Hier wurden bei den 24h-Rennen am Nürburgring 2017 und 2018 beispielsweise im Kommandostand des Rennteams Leuchten eingesetzt, die das Team vor allem während der Nachtphase unterstützten, konzentriert und aktiviert zu bleiben.“

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Wie haben die Sportler die Brille angenommen?

Waibel: „Überwiegend waren sie sehr offen für die Idee. Sie müssen ja nichts besonders machen und keinen Riesenaufwand betreiben. Das nimmt man eher passiv war und es fühlt sich angenehm an. Die Brille müssen sie nur kurz vor dem Start aufsetzen.“

Wie funktioniert die Lichtbrille und wie lange sollte man sie tragen, um eine Wirkung zu erzielen?

Wojtysiak: „Je nach gewünschtem Effekt kann die LED-Lichtbrille unterschiedlich eingesetzt werden. Nehmen wir das Beispiel eines Skirennens bei Nacht: Hier können die Rennfahrer die Brille vor ihrem Rennstart etwa 10 bis 15 Minuten, zum Beispiel während des Aufwärmens, tragen. So werden sie für den Start und die Rennphase aktiviert.

Außerdem kann die Brille auch für Flugreisen in andere Zeitzonen zur schnelleren Jetlag-Überwindung genutzt werden. Richtig eingesetzt kann man durch die Brille bis zu drei Stunden der Zeitverschiebung überwinden.“

Kann man tatsächlich eine Leistungssteigerung beobachten?

Waibel: „Man darf es nicht verwechseln – die Brille dient ja nicht zur Leistungssteigerung, sondern soll den Sportlern helfen, die volle Leistung abzurufen. Wenn ich müde bin oder mein Tag-Nacht-Rhythmus gestört und der hormonelle Haushalt durcheinander sind, dann kann ich es nicht tun. Und durch die Brille fühlen sie sich eben auch spät abends sowie bei Dunkelheit leistungsbereiter. So kann man den Biorhythmus positiv manipulieren beziehungsweise austricksen.“

Ist das starke Licht der Brille nicht schädlich für die Augen?

Wojtysiak: „Die Lichtintensität der Brille liegt deutlich über dem Niveau einer typischen Innenraumbeleuchtung, allerdings auch unter dem des Tageslichts. Insofern ist das Auge nicht gefährdet. Darauf haben wir in der Entwicklung natürlich geachtet.“

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Wird die Brille noch weiterentwickelt?

Wojtysiak: „Die Kooperation von Osram mit dem Deutschen Skiverband läuft nach wie vor. An dem Prototypen wurden seit dem ersten Modell einige Veränderung gemacht. Unter anderem können mittlerweile verschiedene vorprogrammierte Szenarien abgerufen werden und auch die Stromversorgung der Brille wurde verbessert. Besonders gut lässt sich die Brille jetzt auf Langstreckenflügen zur schnelleren Überwindung der Zeitumstellung einsetzen.“

Kann man diese Brille als Privatperson kaufen?

Wojtysiak: „Aktuell arbeitet Osram daran, aus dem Prototypen eine Kleinserie für den Handel zu machen. Das Produkt ist dann voraussichtlich ab 2019 erhältlich.“

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