6. März 2026, 17:01 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Vor Kurzem hatte ich eine Diskussion mit meinem Vater. Es ging um Teriyaki-Lachs und darum, wie man den Geschmack am besten herausholt. Natürlich war ich sofort Team Airfryer. Ich habe schließlich auf alles eine Antwort – dachte ich zumindest. Doch plötzlich stand ich da und merkte, dass ich zum ersten Mal ins Stocken geriet. Wird ein Lebensmittel wirklich gesünder, nur weil es nicht im heißen Öl schwimmt? Oder rede ich mir das nur schön, weil es sich besser anfühlt?
Seitdem beschäftigt mich weniger die Frage nach der Knusprigkeit – sondern die, was bei 180 oder 200 Grad eigentlich zusätzlich entsteht. Und ob der Unterschied größer ist, als wir denken.
Kartoffeln: Nicht die Pommes sind das Problem – sondern die letzten Minuten
Es sind oft nur ein paar Minuten zu viel. Aus goldgelb wird dunkel. Aus knusprig wird „noch besser“. Genau in diesem Moment steigt bei stärkehaltigen Lebensmitteln wie Kartoffeln die Bildung von Acrylamid deutlich an.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit stuft Acrylamid als wahrscheinlich krebserregend ein.1 Entscheidend ist dabei vor allem die Temperatur – und wie stark die Oberfläche austrocknet. Öl überträgt Hitze deutlich aggressiver als Luft. Wer Pommes im heißen Fett badet, setzt sie also einer sehr intensiven Hitzeübertragung aus.
Untersuchungen, die Airfrying direkt mit klassischem Frittieren vergleichen, zeigen: Unter kontrollierten Bedingungen können im Airfryer geringere Acrylamidwerte entstehen – vor allem dann, wenn die Bräunung moderat bleibt.2 Das bedeutet nicht, dass der Airfryer automatisch „sicher“ ist. Aber er erleichtert es, die kritische Schwelle nicht zu überschreiten. Oder anders gesagt: Er verzeiht eher, wenn man rechtzeitig stoppt.
Geflügel: Weniger Kontakt mit stark erhitztem Fett
Wenn Fett stark erhitzt wird, entstehen sogenannte Oxidationsprodukte. Diese Abbauprodukte von Fettsäuren stehen mit entzündlichen Prozessen im Körper in Verbindung. Besonders relevant ist das beim Tiefenfrittieren, bei dem Lebensmittel vollständig in heißem Öl gegart werden.
Beim Airfryer wird Geflügel meist ohne zusätzliches Fett zubereitet. Ein Teil des Eigenfetts tropft ab, statt im heißen Ölbad zu verbleiben. Studien zur Lipidoxidation zeigen, dass tiefes Frittieren tendenziell höhere Oxidationswerte erzeugt als schonendere Garmethoden.3 Heißluftzubereitung kann – abhängig von Temperatur und Dauer – geringere Werte aufweisen als das klassische Ölbad.
Das bedeutet nicht, dass Hähnchen plötzlich fettfrei oder automatisch gesund ist. Aber es kann weniger stark oxidiertes Fett enthalten als tief frittiertes Geflügel.4
Auch interessant: Ist die Zubereitung im Airfryer gesund? Das Urteil einer Ernährungsexpertin
Fettreicher Fisch: Schonender für empfindliche Omega-3-Fettsäuren
Fisch wie Lachs oder Makrele enthält wertvolle Omega-3-Fettsäuren. Diese gelten als herzschützend, reagieren jedoch empfindlich auf starke Hitze und dauerhaft erhitztes Öl.
Wird Fisch klassisch frittiert, ist er über mehrere Minuten komplett von sehr heißem Fett umgeben. Dabei kann es zu zusätzlicher Oxidation kommen, wodurch sich die Fettqualität verschlechtert. Untersuchungen zu verschiedenen Garmethoden zeigen, dass Frittieren den Fettgehalt erhöht und die Oxidation fördern kann, während alternative Methoden wie Airfrying weniger stark in die Fettstruktur eingreifen.5
Das heißt: Der Airfryer bewahrt keine Vitamine. Aber er vermeidet den zusätzlichen „Ölstress“, dem empfindliche Fettsäuren beim Frittieren ausgesetzt sind.
Auberginen und Co.: Weniger Fettaufnahme, weniger Nebenprodukte
Auberginen sind in der Pfanne regelrechte Ölschwämme. Sie saugen große Mengen Fett auf, die anschließend stark erhitzt werden. Dadurch steigt nicht nur die Kalorienmenge, sondern auch die Menge potenziell oxidierter Fettsäuren im Gericht.
Im Airfryer genügt meist ein sehr dünner Ölfilm. Die Oberfläche wird durch zirkulierende Heißluft knusprig, ohne dass das Gemüse sich vollsaugt. Der gesundheitliche Vorteil liegt hier vor allem in der deutlich geringeren Fettaufnahme – und damit auch in einer geringeren Menge stark erhitzter Fette im fertigen Gericht.6
Fleisch ohne offene Flamme: Weniger extreme Hitzeprodukte
Beim scharfen Anbraten oder Grillen von Fleisch entstehen heterozyklische Amine (HCAs) und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs). Diese Stoffe bilden sich vor allem bei sehr hohen Temperaturen, direkter Flamme und starker Verkohlung.
Das National Cancer Institute weist darauf hin, dass besonders Grillen über offener Flamme und starkes Anbraten diese Stoffe begünstigen. Der Airfryer arbeitet ohne offene Flamme und ohne Rauchkontakt. Dadurch entfallen einige der Bedingungen, unter denen besonders hohe Mengen dieser Substanzen entstehen.7
Auch hier gilt: Stark verbrannte Stellen bleiben problematisch – unabhängig vom Gerät. Doch ohne offene Flamme ist das Risiko für extreme Hitzeprodukte in vielen Fällen geringer als beim klassischen Grillen.
Diese Fehler können beim Airfryer gefährlich werden
Ist die Zubereitung im Airfryer gesund? Das Urteil einer Ernährungsexpertin
Was der Airfryer nicht kann
So sinnvoll die Heißluftzubereitung in manchen Fällen sein mag, sie verändert nicht die grundlegende Qualität eines Lebensmittels. Ein stark verarbeitetes Produkt bleibt verarbeitet – auch wenn es statt im Ölbad im Luftstrom gart. Der Salzgehalt sinkt dadurch nicht, Zusatzstoffe verschwinden nicht, und aus einem Fertigprodukt wird ernährungsphysiologisch kein frisches Gericht.
Trotzdem kann die Art der Zubereitung einen Unterschied machen. Denn während Zusammensetzung und Nährwert gleich bleiben, entscheidet die Hitze darüber, welche zusätzlichen Stoffe entstehen. Und genau hier kann der Airfryer – je nach Lebensmittel – im Vergleich zur Fritteuse oder sehr heißen Pfanne tatsächlich günstiger abschneiden.
Fazit
Der Airfryer macht aus keinem Lebensmittel ein Gesundheitswunder. Eine Pommes bleibt eine Pommes, ein paniertes Hähnchen bleibt ein paniertes Hähnchen. Wer sich ausschließlich von stark verarbeiteten Produkten ernährt, wird auch mit Heißluft keine ausgewogene Ernährung erreichen.
Und trotzdem wäre es zu kurz gedacht, den Airfryer nur als Trendgerät abzutun. Denn bei bestimmten Lebensmitteln verändert die Art der Zubereitung tatsächlich, wie viele problematische Stoffe zusätzlich entstehen. Weniger Kontakt mit sehr heißem Öl kann die Belastung durch oxidierte Fettsäuren senken. Eine kontrolliertere Bräunung kann helfen, die Acrylamidbildung zu begrenzen. Und das Garen ohne offene Flamme reduziert Bedingungen, unter denen besonders aggressive Hitzeprodukte entstehen.
Gesünder wird also nicht das Lebensmittel selbst – sondern in manchen Fällen die Art, wie wir es behandeln.
Am Ende entscheidet weniger das Gerät als unser Umgang damit: Temperatur, Garzeit, Bräunungsgrad. Goldgelb statt dunkelbraun. Bewusst statt maximal. Genau dort liegt der Unterschied.