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Bei Kindern

Wachstumsschmerzen oder Rheuma? Die unterschiedlichen Symptome

Kind beim Arzt
Eine Frühdiagnose ist bei Rheuma im Kindesalter wichtig, um Beschwerden zu minimieren Foto: Getty Images

Kinder, die eine rheumatische Erkrankung haben, liegen selten nur auf dem Sofa und klagen über Schmerzen. Umso schwieriger ist es aber auch, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen. Wie unterscheiden Eltern Rheuma von Wachstumsschmerzen? Und wann muss man zum Arzt gehen?

Der Sammelbegriff „Rheuma“, den man mit Gebrechen von älteren Semestern in Verbindung bringt, bezeichnet eine Vielzahl an Erkrankungen, die zum größten Teil Beschwerden an den Gelenken, Gelenkknorpeln und Knochen verursachen. Neben diesem durch zeitbedingte Abnutzungen und Lebensgewohnheiten induzierte Rheuma gibt es noch rheumatisch-entzündliche Erkrankungen, bei denen das Immunsystem fälschlicherweise körpereigenes Gewebe attackiert. Auch Kleinkinder, Kinder und Jugendliche können davon betroffen sein. Wichtig ist, Rheuma bei Kindern frühzeitig zu erkennen, um spätere Beschwerden zu minimieren. Für Eltern ist das allerdings gar nicht so einfach zu unterscheiden, ob es sich bei den Kleinen um Symptome von Rheuma oder doch nur Wachstumsschmerzen handelt.

Was sind typische Symptome von Rheuma bei Kindern?

„Kindern merkt man Rheuma nicht immer gleich an. Viele springen, laufen, spielen trotz entzündeter Gelenke“, sagt die Rheumatologin Prof. Kirsten Minden von der Charité Universitätsmedizin Berlin. Typische Symptome bei Kindern, auf die man achten sollte, sind:1

  • Gelenkschmerzen, Steifheit (besonders am Morgen oder nach langem Sitzen können sich die Symptome verschlimmern)
  • Empfindlichkeit in den Gelenken, Gelenke können sich warm anfühlen
  • hinkender Gang
  • geschwollene Lymphknoten
  • Gewichtsabnahme
  • Müdigkeit, Reizbarkeit
  • Augenrötungen, verschwommenes Sehen
  • Bevorzugung weicher Nahrung wegen schmerzenden Kiefergelenken
  • Gewichtsabnahme
  • Ausschlag
  • Fieber

Tückisch ist, dass besonders aktive Kinder häufiger mal auf ihre Knie fallen als andere Kinder. Daher bleiben Symptome wie geschwollene und rote Knie meist lange unentdeckt. Zumal kleine Kinder fortlaufende Schmerzen noch nicht richtig zuordnen und äußern können. Ein geschwollenes Knie- oder Handgelenk ist ein erstes Indiz für Rheuma bei Kindern, das sich auch gut von Wachstumsschmerzen unterscheiden lässt.

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Formen von Rheuma bei Kindern

Die häufigste Rheumaform im Kindesalter ist die juvenile idiopathische Arthritis (JIA), die man verschieden Untergruppen unterscheidet. Diese weichen in ihren Symptomen und ihrem Ausmaß voneinander ab. Experten gehen davon aus, dass rund jedes tausendste Kind in Deutschland betroffen ist.

Daneben gibt es noch Bindegewebeerkrankungen (Kollagenosen), eine rheumatische Systemerkrankung, bei der vor allem das Gewebe um das Gelenk herum angegriffen wird, und Gefäßentzündungen (Vaskulitiden). Hier greift das fehlgesteuerte Immunsystem die Wände der Blutgefäße an.2

Wachstumsschmerzen und Rheuma – der Unterschied

Ganz klar von Rheuma abzugrenzen sind Wachstumsschmerzen. Diese treten bei Kindern zwischen 2 bis 12 Jahren auf und betreffen meist die Beine, seltener auch mal die Arme. Im Gegensatz zu Rheuma sind Wachstumsschmerzen hauptsächlich bei den Muskeln lokalisiert und kommen am späten Nachmittag, Abend oder beim Zubettgehen auf, häufig nach besonders aktiven Tagen. Der Schmerz variiert von Kind zu Kind und bleibt meistens nur für wenige Minuten bis wenige Stunden.

Wenn Kinder über Wachstumsschmerzen klagen, hilft es, die betroffene Stelle zu massieren, zu strecken oder zu wärmen. Im Kontrast dazu leiden Kinder mit Rheuma so sehr unter Schmerzen und Steifheit der Gelenke, dass insbesondere Strecken und Massieren den Schmerz nur verschlimmert. Oft sind Wachstumsschmerzen eine Ausschlussdiagnose, die erst getroffen wird, wenn man alle andere Erkrankungen ausgeschlossen wurden.3

Grund für Wachstumschmerzen

Interessanterweise ist es gar nicht wissenschaftlich belegt, dass Knochen beim Wachsen weh tun können. Da Wachstumsschmerzen besonders am Ende eines aktionsreichen Tages in den Beinen auftreten, werden die Schmerzen auch auf eine „Überanspruchung“ der Beine zurückgeführt.4

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Wann Eltern zum Arzt gehen sollten

Zeigt ein Kind länger als rund zwei Wochen am Stück verdächtige Anzeichen einer rheumatischen Erkrankung, sollten die Eltern mit ihm zum Kinderarzt gehen. Bei einem entsprechenden Verdacht überweist er zeitnah an einen Kinderrheumatologen. „Ziel ist, dass das Kind binnen sechs Wochen nach Beginn der ersten Gelenkentzündung dort vorstellig wird“, sagt Minden. „Je früher wir ein Kind behandeln, desto besser stehen die Chancen, dass es später ohne Therapie keine Beschwerden mehr hat.“

Quellen