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Ernährungsmediziner erklärt

Diese Symptome können auf Diabetes hindeuten

Frau trinkt Wasser im Büro
Ständiger Durst ist ein häufiges Symptom von Diabetes
Foto: Getty Images

In Deutschland sind rund acht Millionen Menschen von Diabetes mellitus betroffen – man kann also von einer Volkskrankheit sprechen. Typ 1 setzt aufgrund einer Autoimmunreaktion für gewöhnlich im Kindesalter ein. Der weitaus häufigere Typ 2 tritt erst später auf und ist in den meisten Fällen durch den Lebensstil selbst verschuldet. Entscheidend ist es daher, die Krankheit früh zu entdecken.

Bei einer Diabeteserkrankung ist der Zuckerstoffwechsel gestört. Bei den Betroffenen ist der Insulingehalt im Blut erhöht und es wird zu wenig Zucker ins Gewebe abgegeben. Das führt zu einem Energiemangel in den Zellen, was relativ schnell die Gefäße (und in der Konsequenz verschiedene Organe) schädigen kann. Man weiß, dass durch Diabetes in schlimmen Fällen Erblindung droht, „und besonders tragisch ist es auch, wenn Taubheit an den Füßen und Herzkreislauferkrankungen dazukommen“, sagt uns dazu Dr. med. Matthias Riedl, Hamburger Diabetologe und Ernährungsmediziner. Und: „Jeder vierte Herzinfarktpatient leidet unter einem nicht erkannten oder beginnendem Diabetes.“ Umso wichtiger ist es, die Krankheit frühzeitig zu entdecken – und zu behandeln. Der Fachmann erklärte uns das Ganze genauer.

Woran bemerkt man Diabetes?

Diabetes mellitus bedeutet übersetzt „honigsüßes Durchfließen“. Hintergrund: Bei Diabetikern mischt sich der Zucker aus dem Blut in den Urin und verleiht ihm eine süßliche Note. Erkennen kann man eine Diabetes-Typ-2-Erkrankung laut Riedl zwar nicht am Geruch – aber entsprechender Urin sei da, wo er eintrocknet, „klebrig wie Zuckerwasser“.

Ein weiterer Hinweis sei häufiges Wasserlassen. „Durch den hohen Blutzucker verliert man viel Wasser, was zudem Durst sowie Schwäche zur Folge hat“, sagt Dr. Riedl. Bei eindeutigen Diabetes-Symptomen sei die Krankheit schon fortgeschritten.

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Weitere Symptome

Neben Durst und einem verstärkten Harndrang kann es bei Diabetikern zu trockener, juckender Haut kommen. Durch die fehlende Feuchtigkeit verliere sie die Fähigkeit zum Schutz vor Keimen, weshalb sie anfälliger für Infektionen sei. Die mangelnde Energieversorgung der Körperzellen und des zentralen Nervensystems (der Zucker verbleibt, wie oben erwähnt, im Blut und gelangt nicht dahin, wo es benötigt wird) zeigt sich weiterhin mit körperlicher Schwäche und belaste das Immunsystem: Das mache Betroffene anfälliger für Infekte. Auch die Konzentrationsfähigkeit leide oft.

Risikofaktoren für Diabetes

Mit zunehmendem Alter steigt die Gefahr auf die Erkrankung – daher nannte man sie früher auch Altersdiabetes. Doch ein weiterer Risikofaktor korrigiert das Durchschnittsalter langsam herunter: starkes Übergewicht. Ein sehr großer Teil der Betroffenen ist dick oder sogar fettleibig. Besonders kritisch sehen Mediziner das festere Fett unterhalb der berühmten Speckröllchen: „Das innere Bauchfett ist eine große Drüse, die schädliche Botenstoffe produziert, die wiederum Entzündungsreaktionen im Körper auslösen“, erklärt Dr. Riedl. Diese seien eine starke Belastung für das Herzkreislaufsystem und würden oft zu Arterienverkalkung führen – und zwar auch schon im jugendlichen Alter.

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Riedl berichtet von Kinderpatienten, die aufgrund verheerender Fettwerte bereits in jungen Jahren mit Diabetes Typ 2 (und oft auch mit Bluthochdruck) zu kämpfen haben. Fatal: „Mit einem solchen Befund im Kindesalter ist das 60. Lebensjahr nur schwer zu erreichen.“

Bewegungsmangel und schlechte Ernährung

Schuld daran sei bei einem Großteil die Kombination aus fett- und zuckerreicher, dabei ballaststoffarmer Ernährung und Bewegungsmangel. Wer viele Kohlenhydrate zu sich nehme, diese nicht durch körperliche Aktivität verbrenne – und sich einer ständigen, hohen Glykämische Belastung durch die Ernährung aussetze, erhöhe die Gefahr auf eine Insulinresistenz – also darauf, dass der Körper den Umgang mit dem Hormon Insulin quasi verlernt. Dies gilt als erster Schritt in die Zuckerkrankheit.

Die Neigung zu einer Insulinresistenz ist übrigens sehr häufig vererbt. Ob die Krankheit ausbricht, hängt laut Riedl aber von der Lebensweise ab.

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Behandlung von Diabetes

Wenden Sie sich bei Verdacht auf Diabetes zunächst an Ihren Hausarzt, der Sie gegebenenfalls an einen entsprechenden Fachmann (Endokrinologen oder Diabetologen) überweisen wird. Bei der Behandlung wird es darum gehen, den erhöhten Blutzuckergehalt zu reduzieren. Als Indikator dient dabei der HbA1c-Wert, der mindestens jährlich kontrolliert werden sollte: Laut Riedl sind Werte über 6 schon sehr verdächtig. Mit modernen Medikamenten, die helfen, das Gewicht zu reduzieren – und einer Ernährungstherapie könne man den Diabetes Typ 2 heilen –„und zwar mit einer Wahrscheinlichkeit von 86 Prozent“, so Dr. Riedl. 

Im ersten Schritt wird es darum gehen, den Lebensstil an die Erkrankung anzupassen. Dazu sei in der Regel eine „gute Gewichtsabnahme über zehn Kilogramm“ nötig, angestrebt durch eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung. Lebensmittel und Getränke, die den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen lassen, sollten nur noch selten und kontrolliert konsumiert werden. Wer stark übergewichtig ist, sollte gänzlich von Süßem absehen – dazu zählen auch zuckerreiche Getränke, ebenso Weißmehl und andere „schnelle“ Kohlenhydrate.

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Die richtige Ernährung

Neben Zucker seien aber auch tierische Eiweißlieferanten nicht ohne Vorsicht zu genießen. Dr. Riedl sagt uns, dass sie höchstens einen Anteil von 20 Prozent der Gesamternährung ausmachen sollen. Er rät zu einer artgerechten Ernährung bestehend aus Gemüse und mehr pflanzlichem statt tierischem Protein. Diese empfehle sich auch für Nicht-Diabetiker.

Wenn die Diät nicht ausreicht, damit der HbA1c-Wert im gewünschten Bereich bleibt, bekommt der Patient ein Antidiabetikum. Das ist ein Diabetes-Medikament, das in der Regel geschluckt wird. Alternativ (und manchmal begleitend) erfolgt eine Insulintherapie, bei der – je nach Art der Therapie (konventionelle, intensivierte) – mehrmals am Tag Insulin gespritzt wird. Eine Unterzuckerung wird dadurch unmittelbar verhindert.

Kann man an Diabetes sterben?

Ja, zumindest an seinen Folgen. Zwar lässt sich ein Fortschreiten der Erkrankung manchmal verhindern, wenn sie früh erkannt und der Blutzuckerspiegel gesenkt wurde. Wenn jedoch ungesunde Gewohnheiten beibehalten werden, kann das schwere Auswirkungen haben – unter anderem, wie teilweise oben erwähnt, drohen (potentiell tödliche) Herz-Kreisauf-Ereignisse, Erblindung, Verlust von Extremitäten und Nierenschwäche.