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Augenheilkunde

Experte warnt: »Beim Augenlasern nicht vom Preis verleiten lassen

Eine Frau im OP unter dem Augenlaser
Ein Experte der Uni-Augenklinik in München verrät im FITBOOK-Interview, worauf es beim Augenlasern ankommtFoto: Getty Images

So mancher Brillenträger hat vielleicht schon mal darüber nachgedacht oder zumindest von der Möglichkeit gehört, sich die Augen lasern zu lassen. Doch Lasern ist nicht gleich Lasern. FITBOOK hat mit einem Experten der Augenheilkunde über Methoden, Voraussetzungen und Risiken gesprochen. Und auch darüber, was man beim Preis für die Behandlung beachten sollte.

Wer morgens erst mal verschlafen und nur verschwommen sehend seine Brille sucht, der hat sicher schon mal der Wunsch verspürt, seine Kurzsichtigkeit endlich loszuwerden. Stichwort: Augenlasern. Ein kleiner Eingriff und endlich „Adleraugen“ haben. Klingt zu gut, um wahr zu sein? Jein. Denn einerseits kann die Augenlaserung bereits vieles leisten. Andererseits gibt es rund um die Behandlung von Sehschwächen doch einiges zu wissen, bevor man sich dafür oder dagegen entscheidet. So fängt es schon damit an, dass es verschiedene Arten gibt, Augen zu lasern. Welche ist für einen selbst die richtige? Außerdem kann sich nicht jeder lasern lassen, es müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Und ja, auch das Alter spielt eine Rolle.

Im Gespräch mit FITBOOK gibt Univ. Prof. Dr. med. Siegfried Priglinger, Direktor der Universitäts-Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München, einen Einblick in die Möglichkeiten und Risiken des Augenlaserns und erklärt, warum man sich nicht von verführerischen Preisen verleiten lassen sollte.

Voraussetzungen – wer kann sich die Augen lasern lassen?

Bevor es überhaupt losgehen kann mit dem Augenlasern, stehen Untersuchungen und Beratungen an. Denn Interessierte müssen zunächst bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um überhaupt als Kandidat oder Kandidatin fürs Lasern in Frage zu kommen. Dazu zählen Faktoren im Auge genauso wie die Stabilität der Sehschwäche. Auch das Alter spielt eine Rolle – sowohl bei der Beurteilung, ob Lasern grundsätzlich möglich bzw. sinnvoll ist, als auch bei der Frage, welche Laser-Methode geeignet ist.

Gesunde Hornhaut

Vorrangig gilt es herauszufinden, wie die Hornhaut beschaffen ist. Prof. Priglinger erklärt FITBOOK: „Die Hornhaut muss gesund sein. Das heißt, sie sollte dick genug sein und sie sollte auch eine reguläre Krümmung aufweisen.“ Bedeutet dies, dass eine Hornhautverkrümmung, auch Astigmatismus genannt, automatisch bereits das Aus für einen Laser-Wunsch bedeutet? Nein, betont Prof. Priglinger: „Diese kann man sehr wohl korrigieren. Was dagegen nicht sein sollte, ist eine Hornhaut, die an einer Stelle dünner und dadurch vorgewölbt ist. Wenn man in diesen Fällen trotzdem lasert und die Hornhaut dadurch noch dünner macht, ist das Risiko groß, dass die unregelmäßige Wölbung noch zunimmt. Im schlimmsten Fall verändert sich die Hornhaut dann so sehr, dass der Sehfehler dramatisch zunimmt und mit einer Brille, im schlimmsten Fall selbst mit einer harten Kontaktlinse, nicht mehr korrigiert werden kann.“

Da die Hornhaut durch die Laserbehandlung dünner wird, darf sie zuvor also schon nicht zu dünn sein. „Der Mittelwert der zentralen Hornhautdicke liegt so bei 520 bis 540 Mikrometern, unsere Hornhaut ist also ungefähr einen halben Millimeter dünn. Es gibt aber auch Menschen, die unter diesem Wert liegen, also unter 500 Mikrometern und da wird es dann schon kritisch. Unter 480 Mikrometern soll man nicht mehr lasern“, so der Experte.

Mindestalter erreicht

Tatsächlich spielt auch das Alter eine Rolle bei der Frage: Augen lasern oder nicht? Klar ist, dass der Patient ein bestimmtes Mindestalter erreicht haben muss – nämlich 18 Jahre. Und das hängt nicht nur mit der Volljährigkeit zusammen. Der Hauptgrund ist, dass sich die Sehschärfe im Laufe eines Lebens verändert und besonders in jungen Jahren instabil ist bzw. sich noch verändern kann. „Bei der Kurzsichtigkeit geht es häufig erst in der Pubertät so richtig los und sie kann auch mit 18 und 19 Jahren nochmal schlechter werden. Manche Menschen stellen auch nach dem 20. Lebensjahr noch eine weitere Verschlechterung fest, z. B. wenn sie studieren und viel lesen.“ Hier wäre die Laser-Behandlung daher verfrüht, wie Prof. Priglinger erläutert: „Man müsste dann eventuell mehrfach nachlasern und das würde das Risiko für Komplikationen deutlich erhöhen.“

Besser sei es sogar, wenn man noch länger als bis zum 18. Lebensjahr warte. Generell sollte die Sehstärke bzw. Sehschwäche (gemessen in Dioptrien) vor einem Eingriff bei Personen unter 20 Jahren zwei Jahre stabil gewesen sein, um möglichst sicher sein zu können, dass die Veränderungen abgeschlossen sind – und die Notwendigkeit, erneut lasern zu müssen, möglichst zu vermeiden. Prof. Priglinger empfiehlt deshalb sogar, erst ab 21 Jahren zu lasern. Denn mit 18 Jahren seien die Dioptrienwerte meist noch nicht stabil genug. Bei älteren Personen (>21Jahre) reicht es aus, wenn die Brillenwerte ein Jahr unverändert geblieben sind.

Theoretisch kein Höchstalter

Zu jung sollte man also nicht sein. Doch wie sieht es in die andere Richtung aus – gibt es auch ein Höchstalter fürs Lasern? Theoretisch nein, lautet Prof. Priglingers Antwort: „Aber im höheren Alter sollte man durchaus hinterfragen, ob Lasern eine sinnvolle Behandlung für die betroffene Person ist. Denn ab dem 45. Lebensjahr benötigen alle Menschen nach erfolgreicher Korrektur der Fehlsichtigkeit in die Ferne durch die zunehmende Alterssichtigkeit dennoch eine Lesebrille.“ Alterssichtigkeit meint den Umstand, dass im höheren Alter die Fähigkeit, Geschriebenes in der Nähe zu lesen, abnimmt. Beim Lesen rundet sich die eigene Linse stärker ab, damit können wir Dinge in der Nähe sehen. Da diese Linsenverformung bei älteren Menschen nicht mehr so gut möglich ist, sehen sie in der Nähe schlechter, sind also von Alterssichtigkeit betroffen. „Daher ist es im höheren Alter sinnvoll, andere Methoden der Fehlsichtigkeitskorrektur, wie zum Beispiel multifokale Intraokularlinsen, zu erwägen. Damit wird nämlich zusätzlich auch die Alterssichtigkeit behandelt“, erklärt Prof. Priglinger im Gespräch mit FITBOOK.

Die drei Arten des Augenlaserns

Wenn grundsätzlich geklärt ist, ob alle wesentlichen Voraussetzung für das Augenlasern erfüllt sind, steht eine weiterführende Beratung an. Denn wie eingangs erwähnt: Lasern ist nicht gleich Lasern. Stattdessen gibt es verschiedene Methoden, die unterschiedliche Nachteile und Vorteile bieten.

LASEK

Die älteste heute noch angewendete Art des Augenlaserns nennt sich LASEK. Hier wird die Oberfläche der Hornhaut behandelt. „Wir tragen mit einem Laser Gewebe ab, d. h. wir verdampfen es von außen.“ Die abgetragene oberste Zellschicht der Hornhaut (Epithel) wird entfernt und muss im Anschluss an den Eingriff wieder nachwachsen. „Es entsteht eine große oberflächliche Wunde, die langsam verheilen muss. Das ist schmerzhaft und es dauert ein paar Tage, bis das Sehvermögen besser wird“, so Prof. Priglinger.

LASIK

Bei der aufgrund des sehr ähnlichen Namens leicht zu verwechselnden LASIK-Methode wird dagegen mit einem sogenannten Femtosekundenlaser ein dünner Schnitt gemacht: „In Form eines Deckels, dem Flap, der dann aufgeklappt wird. Danach wird mit einem Excimer-Laser – demselben, der bei LASEK zum Einsatz kommt – die Krümmung der Hornhaut verändert. Zum Schluss wird der Flap wieder zurückgelegt.“ Der Deckel verschließt sich wieder so gut, dass nur der kleine Schnitt heilen muss. Der Vorteil: „Man kann schon am ersten Tag nach der Operation gut sehen und hat auch kaum Schmerzen.“

SMILE

Die neueste Methode nennt sich SMILE (Small Incision Lenticule Extraction). Auch hier geht es um die Veränderung der Hornhautkrümmung. „Hierbei wird mit einem Laser innerhalb der Hornhaut ein Lentikel (Stück Gewebe; Anm. d. Red.) geformt.“ Mithilfe dieses Lentikels wird die Form der Hornhaut angepasst. Anschließend wird der Lentikel über einen kleinen Schnitt entfernt. „Nach der Entfernung des Lentikels ist die Hornhaut dann flacher gekrümmt. Damit kann man Kurzsichtigkeit prima behandeln. Die Methode hat wie die LASIK den Vorteil, dass man nur minimale Schmerzen hat und am nächsten Tag bereits gut sieht. Da kein Flap gemacht wird, ist die Hornhaut insgesamt stabiler und die Langzeitrisiken sind niedriger als bei der LASIK-Methode“, erklärt Prof. Priglinger.

Wann wird welche Methode angewendet?

Welche Art bei wem Anwendung findet, hängt von verschiedenen Faktoren ab. So haben zum Beispiel nicht alle Kliniken bzw. Laser-Anbieter die unterschiedlichen Laser für alle Methoden vor Ort. Und je nach Situation der zu behandelnden Person kann die eine oder andere Behandlungsform besser geeignet sein.

So nannte Prof. Priglinger bspw. die LASIK-Methode als vorteilhaft in Fällen, bei denen davon ausgegangen wird, dass erneut gelasert werden müsse in der Zukunft. Das könne vor allem bei jüngeren Menschen oder bei höherer Hornhautverkrümmung so sein. „Dann lässt sich der Deckel oder Flap für eine Nachbehandlung einfach wieder anheben“, erklärt Prof. Priglinger. LASEK sei dagegen zwar die invasivere Methode, sei aber bei zuvor bereits dünner Hornhaut sinnvoll. „Bei der Oberflächenbehandlung wird weniger von der Hornhaut abgetragen, sodass sie dicker bleibt. Außerdem können bei der Behandlung auch direkt Unregelmäßigkeiten der Oberfläche mit korrigiert werden.“ Das moderne SMILE-Verfahren hat den Vorteil, dass es nicht nur bei niedriger, sondern auch bei höherer Kurzsichtigkeit angewendet werden kann.

Die Entscheidung für eine der drei Methoden liegt also nicht unbedingt auf der Hand. Deshalb sind eine umfassende Untersuchung und Beratung vorab umso wichtiger.

Nicht immer ist Lasern sinnvoll

Zudem ist Lasern nicht die einzige Möglichkeit, Sehschärfe zu verbessern. Bei höheren Dioptrien (über 8) und stärkerer Hornhautverkrümmung (>5 Dioptrien) sei es sinnvoller, auf Kunstlinsen, auch ICL genannt, zu setzen. „Die Linse wird zwischen die natürliche Linse und die Iris ins Auge implantiert“, so Prof. Priglinger. Sowohl bei höherer Fehlsichtigkeit als auch im Hinblick auf Alterssichtigkeit hat sich Methode also schon bewährt.

Risiken

Auch wenn Augenlasern als ziemlich sicher gilt, so handelt es sich dennoch um einen Eingriff, der Risiken birgt. Eher harmlos ist, dass man nach dem Lasern vorübergehend trockene Augen haben kann. Doch es können auch größere Probleme auftauchen, falls die Behandlung z. B. nicht korrekt ausgeführt wird. „Wenn man zu viel weglasert, kann die Hornhaut zu dünn werden und eine Keratektasie entstehen. Das ist eine irreguläre Verkrümmung der Hornhaut, die zu einer dramatischen Sehschärfenminderung führt“, sagt Prof. Priglinger. „Ganz selten kommt es zu Infektionen oder Vernarbungen, die dann auch die Sehschärfe deutlich reduzieren können.“

»Nicht vom Preis verleiten lassen

Wer nun an dieser Stelle Ja zum Augenlasern sagt und die nächsten Schritte gehen möchte, für den hat Prof. Priglinger noch ein paar abschließende, wertvolle Ratschläge zu bieten. Zum einen, was die Wahl des Anbieters der Augenbehandlungen angeht. „Mein erster Tipp ist, man sollte immer dort hingehen, wo das gesamte Spektrum der refraktiven Chirurgie, also alle Laser-Methoden, aber neben der Laser-Behandlung auch die intraokulare Chirurgie – die Linsen – angeboten werden. Dort wird man ihnen bei höherer Fehlsichtigkeit und in Grenzfällen sagen: In Ihrem Fall ist eine Laserbehandlung nicht zu empfehlen und es wäre sinnvoller, eine andere Methode anzuwenden.“

Sein zweiter Tipp, der vielleicht banal klingt, es aber ganz und gar nicht ist: „Nicht vom Preis verleiten lassen. Denn alle Laser-Ketten versuchen zwar, gute Chirurgen anzustellen, schauen aber vor allem auch auf den Preis. Ein guter Arzt kostet eben auch mehr. Die Betreuung und Qualitätssicherung kann dort also sicher nicht so perfekt sein wie in einem der renommierten Laserzentren oder Augenkliniken, bei denen fachliches Know-how und die Qualitätssicherung im Vordergrund stehen.“