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Neue Studie

Ekel vor bestimmtem Essen verschaffte unseren Vorfahren einen evolutionären Vorteil

Studie Ekel Infektionen
Viele Menschen haben eine Abneigung gegen ein bestimmtes Lebensmittel oder Gericht. Dieser Ekel kann lebenswichtig sein und uns vor Infektionen bewahren, hat eine Studie herausgefunden. Foto: Getty Images

Schon der Evolutionsforscher Charles Darwin (1809-1882) vermutete, dass Menschen das Gefühl von Ekel entwickelt haben, um verdorbene Lebensmittel zu vermeiden. Die moderne Forschung hat diese Hypothese bereits bestätigt. Eine aktuelle Studie ist nun der Frage nachgegangen, ob eine hohe Ekelempfindlichkeit vor Krankheiten schützen kann.

Die Studie wollte damit überprüfen, ob Ekel nicht nur unsere Vorfahren, sondern auch den modernen Menschen vor Infektionen schützen kann. In ihrer Forschung geht es um gewöhnliche Abneigungen, die fast jeder Mensch hat. Essstörungen, die einen krankhaften Ekel vor Nahrung generell oder bestimmten Lebensmittelgruppen auslösen, waren nicht Thema der Studie.

Ekel schützte unsere Vorfahren vor Infektionen

In der Forschung geht man schon lange davon aus, dass sich Ekel in der Evolution durchgesetzt hat, um Menschen dabei zu helfen, die Begegnungen mit Keimen möglichst gering zu halten. Aber führt das eine zum anderen? Bzw. haben Personen mit einer hohen Ekelempfindlichkeit hat (gemeint ist die Neigung einer Person, in verschiedenen Situationen Ekel zu erleben) ein tatsächlich geringeres Risiko, sich mit Krankheiten zu infizieren? Ihre Resultate wurden in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America“ (kurz: PNAS) veröffentlich.

So lief die aktuelle Studie zur Ekelempfindlichkeit ab

Für die Studie wählten die Forschenden drei indigene Shuar-Gemeinden in Ecuador aus. Sie alle lagen in einem Gebiet mit hoher Keimbelastung, allerdings mit einem unterschiedlichen Level von wirtschaftlicher Entwicklung. Außerdem unterschieden sich die drei Gemeinden in Hinblick auf ihren Lebensunterhalt, der bei einigen noch durch traditionellere Aktivitäten wie die Jagd bestritten wurde. Innerhalb der Gemeinden beteiligten sich 75 Probanden im Alter zwischen fünf bis 59 Jahren aus 28 Haushalten an der Studie. Sie wurden mit verschiedenen Situationen konfrontiert, bei denen sie anhand einer Skala bewerten sollten, wie sehr sie sich ekeln. Zu diesen Szenarien zählten unter anderem das Berührten eines toten Tieres und der Kontakt mit Tierexkrementen.

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Das fanden die Forschenden heraus

„Je höher das Level des Ekels war, desto geringer war das Level der entzündlichen Biomarker, die auf Infektionen hindeuten“, fasst Anthropologie-Professor Aaron D. Blackwell, einer der Autoren der Studie, das Ergebnis in einer Pressemitteilung der Universität zusammen. Es habe sich nicht nur gezeigt, dass Ekel vor Infektionen schütze, sondern auch dass er sich je nach Umgebung und Lebensumständen unterscheide. Menschen hätten sich eher geekelt, wenn sie Zugang zu sauberem Wasser hatten und Lebensmittel kaufen konnten. Sie könnten es sich „leisten“, eklige Dinge zu vermeiden. Die Gemeinden, die für ihren Lebensunterhalt auf Jagd und Kleinlandwirtschaft angewiesen seien, hätten die niedrigste Ekelempfindlichkeit gehabt. Sie billigten Tierexkremente und kontaminiertes Wasser, um Nahrung herzustellen.

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Ekel kein hinreichender Hinweis dafür, was wir vermeiden sollten

Die Autor*innen der Studie weisen jedoch explizit daraufhin, dass Ekel nicht vor jeder Infektion schützen kann. Der Coronavirus könne beispielsweise nicht auf diese Weise umgangen werden. „Viele Menschen zeigen keine Symptome. Daher haben wir keine Hinweise, was wir vermeiden sollten“, schildert Blackwell. Man könne schlicht nicht sehen, wovon man sich fernhalten solle.