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Smartsleep aus DHDL

Mediziner sagen: »Dieses Produkt taugt nichts!

Für seinen Nährstoffmix, der auch in kurzen Nächten für effektiven Schlaf sorgen soll, hat Harvard-Absolvent Dr. Markus Dworak (37) bei „Die Höhle der Löwen“ einen Rekorddeal ergattert. Mit einem geteilten Investment von insgesamt 1,5 Millionen Euro wollen die Juroren Carsten Maschmeyer (59) und Ralf Dümmel (51) Smartsleep unterstützen. Aber: Ist das Geld wirklich gut angelegt? FITBOOK hat mit dem Erfinder gesprochen – und Fachärzte das Produkt gegenchecken lassen.

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„Schlaf ist heute ein großes Thema“, sagt uns Dr. Markus Dworak am Telefon. Mit seiner Erfindung will er rund 34 Millionen Menschen in Deutschland einen Dienst erweisen können. Was er bietet: eine Art Wirkstoffcocktail, der das Einschlafen erleichtern und zudem die Effektivität des Schlafes erhöhen soll, wenn dafür einmal weniger Zeit bleibt. Die Zusammensetzung seines Produkts sei patentiert und der Schlafforscher rechnet damit, dass es Nachahmer geben wird, die es mit einer eigenen Mischung im Handel probieren werden. Ein Großteil der Finanzspritze, die ihm vor den VOX-Kameras zugesichert wurde, soll daher in Werbemaßnahmen gesteckt werden. Das Ziel: Smartsleep zu einer bekannten Marke machen. Aber hält sie auch, was sie verspricht?

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Kann Smartsleep wirklich funktionieren?

„Es gibt viele unabhängige wissenschaftliche Studien, die den positiven Effekt einzelner Nährstoffe auf den Schlaf gezeigt haben“, versichert er uns mit Verweis auf die Smartsleep-Website.

Der Hauptbestandteil seines „Cocktails“ sei Kreatin – eine körpereigene Substanz, die man auch als Nahrungsergänzungsmittel kennt. „Kreatin wurde in mehreren wissenschaftlichen Studien untersucht und hat bei den Probanden beispielsweise einen positiven Effekt auf das Müdigkeitsgefühl nach Schlafentzug gezeigt“, so Dworak. „Auch die kognitive Leistungsfähigkeit, die normalerweise nach Schlafentzug reduziert ist, wurde dadurch verbessert.“ Kreatin solle ferner dabei helfen, die Energiespeicher schneller aufzufüllen.

So wird Smartsleep eingenommen

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Erfinder verspricht Unbedenklichkeit

In unserem Gespräch betont Dr. Dworak, dass sein Produkt nicht für den täglichen Bedarf gedacht sei. „Smartsleep soll die Nachteile von stressigen Phasen und kurzen Nächten kompensieren“, so der Hintergrund. Wenngleich keine Nebenwirkungen, wie beispielsweise Gewöhnung, zu befürchten seien, empfiehlt er für den Normalfall ein „natürliches, gesundes Schlafverhalten“.

Das sagt der Schlafmediziner

Dr. Michael Feld ist Facharzt für Allgemein- und Schlafmedizin. Er habe von dem Produkt schon gehört, sei aber nicht so angetan wie Maschmeyer oder Dümmel. Sein Urteil: „Es handelt sich dabei um einen Vitamin- und Aminosäurekomplex, der nur einen einzigen schlafförderlichen Bestandteil enthält.“ Der Schlafmediziner spricht von Glycin, das tatsächlich beim Einschlafen helfen soll, da es etwa Signale im zentralen Nervensystem abschwächen und somit beruhigend wirken könne. Glycin alleine sei aber „viel zu schwach“.

Dr. Feld hat sich auch die weiteren Inhaltsstoffe genauer angesehen, die auf der Smartsleep-Website aufgeführt sind. Etwa Zink. Darüber sei lediglich angegeben, dass es ‚viele Aufgaben im Körper‘ erfülle, etwa die Zellen vor oxidativem Stress schütze und die kognitiven Funktionen beeinflusse. Mit dem Einschlafen oder der Qualität des Schlafes habe Zink aber ebenso wenig zu tun wie in Wahrheit Magnesium, das selbst laut Smartsleep-Website nur „zu einer normalen Funktionsweise des Nervensystems“ beitrage. Auch die verschiedenen aufgelisteten Vitamine vermochten „allenfalls“, die Immunabwehr zu stärken.

Laut Dr. Feld hätte das Mittel weitere Aminosäuren beinhalten können, etwa L-Tryptophan. Das sei erwiesenermaßen an der Produktion des „Schlafhormons“ Melatonin beteiligt.

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»Die angeblichen Studien mit Vorsicht genießen

Wie er uns berichtet, ist der Schlafmediziner auch die Studien durchgegangen, die Smartsleep-Erfinder Dworak uns nahelegte. Die zu Kreatin sei nur an Ratten durchgeführt worden – und soll teilweise widersprüngliche Effekte gezeigt haben. „Bei den Ratten scheint es zwar den Schlafdruck nach Schlafentzug zu mindern“, erläutert Feld. „Es verkürzte aber den Tiefschlaf und die Gesamtschlafdauer – was kontrakproduktiv ist!“

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„Das ist ja skandalös!“

Dr. med. Matthias Riedl, Internist in der Ernährungsmedizin am Medicum Hamburg, ist ähnlicher Meinung – und zeigt sich im FITBOOK-Gespräch richtiggehend echauffiert. „Das ist die übliche Denke. Man nehme ein paar Vitamine und Spurenelemente, in der Absicht, ein komplexes System zu beeinflussen.“ Konsumenten derart falsche Versprechungen zu machen, bezeichnet er als „skandalös“. Zudem sei das Präparat, „ohne dass es in einer Studie mit mindestens 100 Menschen getestet wurde, gar nicht zu propagieren.“

Dr. Riedl hat sich ebenfalls die Inhaltsstoffe von Smartsleep angesehen. Er räumt ein, dass das enthaltene Magnesium entspanne – doch das auch nur minimal. Der Facharzt betrachtet die verschiedenen Zusätze als „Ablenkung von der wirklichen Therapie“, mit der man Schlafstörungen tatsächlich begegnen könne. Dazu gehörten unter anderem Mahlzeitenplanung, Meditation und vieles andere – „aber KEINE Vitamine“.

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