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Aktueller Report

Berliner Kinder häufiger depressiv als Kinder im Bundesdurchschnitt

Depressive Teenagerin
In Berlin leiden besonders viele Jugendliche an Depressionen. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung durch die DAK-Gesundheit auf.
Foto: Getty Images

Mehr als jedes vierte Berliner Kind ist krank – und das in vielen Fällen chronisch. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit. Um welche gesundheitlichen Probleme es sich dabei handelt und wie die Hauptstadt im Vergleich zum Rest von Deutschland abschneidet.

Die Universität Bielefeld hat im Auftrag der DAK-Gesundheit* Abrechnungsdaten aus dem Jahr 2016 von mehr als 26 000 Berliner Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 17 Jahren ausgewertet. Am Dienstag wurde die Studie vorgestellt. FITBOOK hat sich die besorgniserregenden Ergebnisse genauer angesehen.

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Kind beim Arzt

Durchschnittlich einmal im Jahr gehen Berliner Kinder zum Arzt. Das ist viel!
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Jedes Jahr beim Arzt oder im Krankenhaus

Rund 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Berlin waren mindestens einmal im Jahr in ärztlicher Behandlung, wie der Report zeigt. Die häufigste Krankheitsursache sind Atemwegserkrankungen wie Bronchitis, fast 60 Prozent aller Kinder sind betroffen (vier Prozent über Bundesdurchschnitt). Rund 74 Prozent der jungen Patienten wurde 2016 ein Arzneimittel verschrieben – und insgesamt jedem vierten sogar ein Antibiotikum.

Vor allem chronische Krankheiten verbreitet

Auffällig hoch ist in der Hauptstadt die Zahl der Kinder mit chronischen Krankheiten 27 Prozent, mehr als jedes vierte Kind ist betroffen – 5 Prozent über Bundesdurchschnitt. Fast jedes zehnte Kind ist chronisch-psychisch krank, Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen: Von ihnen leiden beispielsweise besonders viele Kinder an Schulangst (43 Prozent).

Fast jedes zehnte Kind war 9,6 Prozent der Kinder leiden an der entzündlichen Hauterkrankung Neurodermitis, insbesondere im sehr jungen Alter zwischen zwei und drei Jahren. Unter den Jugendlichen vergleichbar stark verbreitet war Heuschnupfen (etwa 9,4 Prozent der 15- bis 17-Jährigen). Immer noch rund sieben Prozent Daten zeigten Asthma und 5,6 Prozent chronische Darmentzündungen auf.

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DIESE Diagnosen alarmieren besonders

Wie aus der Untersuchung hervorgeht, leiden in Berlin mehr und mehr Kinder an „krankhaftem“ (!) Übergewicht, also Adipositas. Diese Diagnose wurde besonders häufig bei Kindern im Alter von 12 bis 13 Jahren gestellt. Mit einer Rate von 3,5 Prozent gehört das Krankheitsbild zwar nicht zu den häufigsten, die im Report ermittelt wurden, aufgrund der vielen möglichen Begleit- und Folgebeschwerden aber zu den besonders gefährlichen. So auch Rückenschmerzen, die bei 6 Prozent der Kinder diagnostiziert wurden.

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Genauso alarmierend: Die Zahl der der anDepressionen leidenden Kinder ist in Berlin um fast ein Drittel höher als im Bundesdurchschnitt: Fast drei Prozent der Minderjährigen leiden in der Hauptstadt daran. Vor allem Mädchen im Pubertätsalter sind laut Report von der psychischen Störung betroffen – sie trifft es fast ein Drittel Mal häufiger als in anderen Gegenden Deutschlands.

Übergewichtiges Mädchen

In Berlin wurden mehr Fälle von Fettleibigkeit im Kindesalter gezählt als in allen anderen Bundesländern
Foto: Getty Images

Vergleich zum Bundesdurchschnitt und Kosten

In der Hauptstadt sind mehr Viruserkrankungen gezählt worden als im Rest von Deutschland. Auch war die Zahl der Neurodermitis- und Grippe-Fälle hier besondere hoch, ebenso kamen Depressionen hier am häufigsten vor. In puncto Heuschnupfen und Allergien lagen andere Städte weiter vorne. Pro Jahr wurden in Berlin übrigens 808 Euro pro Kind abgerechnet – Bundesweit waren es 939 Euro. Die Hälfte davon macht die Behandlung von nur vier Prozent der Kinder aus – Frühgeborene, Kinder mit Krebserkrankung oder Kinder, die eine Transplantation brauchten.

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Was sind mögliche Gründe?

In der Analyse verwies Julian Witte, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagement der Uni Bielefeld und Mit-Autor der Studie, am Dienstag bei der Vorstellung der Studie auf deutliche Zusammenhänge zwischen der gesundheitlichen Lage der Kinder und dem Bildungsabschluss der Eltern – und, auf etwas schwächerem Niveau, dem Einfluss deren Einkommens. Dazu wurde der Report mit bundesweiten Daten der Bundesagentur für Arbeit zum Bildungsstand der Eltern abgeglichen.

Am deutlichsten ist der beobachtete Unterschied in der Erkrankungshäufigkeit beim Zahnkaries. Kinder von Eltern ohne Ausbildungsabschluss haben eine um 248 Prozent höhere Prävalenz als Kinder von Eltern ohne Bildungsabschluss. Ebenfalls stark hängt die Häufigkeit krankhaften Übergewichts (Adopositas) mit der sozialen Bildungsarmut zusammen. Kinder aus Elternhäusern ohne Bindungsabschluss zeigten hier eine um 190 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit als Kinder aus Akademikerhaushalten.

DESHALB ist die Untersuchung so wichtig

„Wir leisten mit dem Report Pionierarbeit und machen uns stark für Kindergesundheit“, sagt dazu Volker Röttsches, Leiter der DAK-Landesvertretung Berlin. Auf Basis der aktuellen Querschnittsanalyse soll die Kinder- und Jugendlichen-Versorgung weiter optimiert werden. Die Daten sollen jetzt jedes Jhr erhoben werden. Röttsches: „Dann kann man eine Entwicklung ablesen.“

*Die DAK-Gesundheit ist der Gesundheitspartner von FITBOOK.

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