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Studie belegt

Schnäppchenjäger sind öfter übergewichtig

Frau beim Einkaufen
Britische Forscher sind sicher: Wer im Supermarkt auf Sparpreise achtet, ist dicker
Foto: Getty Images

Es sind meistens Lebensmittel mit hohem Zucker-, Fett- und Salzgehalt, die es im Supermarkt zum Sonderangebot gibt. Beispielsweise zwei Schokoriegel zum Preis von einem oder die extragroße Tüte Kartoffelchipps. Die Folge: Schnäppchenjäger sind öfter übergewichtig und teilweise sogar fettleibig. Das haben Forscher im Auftrag einer britischen Krebsstiftung mit einer Studie belegt.

So kommentiert Präventionsexpertin Linda Bauld von „Cancer Research UK“ die Ergebnisse einer aktuellen Studie im Namen der Krebsstiftung.

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Studie beweist: Schnäppchenkäufer neigen zu Übergewicht

Für ihre Untersuchung analysierten die Wissenschaftler Daten von 16.000 Briten (Körpergröße und -gewicht sowie Einkaufsverhalten) und berücksichtigten auch weitere demografische und sozioökonomische Merkmale. Nachdem die Konsumenten – je nachdem, welche Art von Lebensmitteln sie am häufigten einkauften – in vier Gruppen aufgeteilt wurden, zeigte sich: Von der Gruppe, die bei Sonderangeboten zugriff, waren 72 Prozent übergewichtig. Bei ihnen war die Wahrscheinlichkeit auf Adipositas, also starkes bis krankhaftes Übergewicht, um 28 Prozent höher. Jene Tendenzen zeigten sich quer durch alle Alters- und Einkommensgruppen.

Mann greift Schokopudding aus Supermarktregal

Wenn der Pudding im Angebot ist, kann man ihn ja mal probieren – so oder so ähnlich können Schnäppcheneinkäufe zu Übergewicht führen
Foto: Getty Images

 Zusammengefasst enthielten die Einkaufswägen der Schnäppchen-Gruppe mehr Zucker und weniger Ballaststoffe als die aller anderen Verbraucher.

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Deshalb sind sie Ergebnisse so alarmierend

Die britischen Autoren bezeichnen ihre Ergebnisse als besorgniserregend, da Übergewicht mittlerweile als hoher Risikofaktor für mindestens 13 Krebsarten gelte, darunter Darm- und Brustkrebs. Vermutlich fördert eine Überproduktion von Hormonen das Krebswachstum. Zudem seien es vor allem Kinder, die unter den Folgen eines derartigen Einkaufsverhaltens litten. Schon jetzt sei in Großbritannien jeder fünfte Grundschüler übergewichtig, nach der Grundschule erhöhe sich der Anteil auf ein Drittel.

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Umso wichtiger sei es, so die Wissenschaftler, Verbrauchern eine gesunde Wahl auch beim Einkaufen zu erleichtern. Sie wollen daher bewirken, dass die Vergabe von Angebotspreisen auf Supermarktprodukte gesetzlich geregelt wird. Gleiches sollte für die Auswahl an Schokoriegeln und dergleichen gelten, die sich oft im Kassenbereich befänden.

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Maßnahmen wären auch für Deutschland wichtig

Die Studienergebnisse überraschen den deutschen Ernährungspsychologen Joachim Westenhöfer von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg nicht. In einer unabhängigen Einordnung des Reports weist er darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen einer hohen Energiedichte von Lebensmitteln bei relativ niedrigem Preis schon länger bekannt sei – und dass er auch bei uns ein Problem darstellt.

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„Lebensmittel sind heute so billig wie nie zuvor“, sagt er. „Die Folge ist ein ungesunder Überkonsum.“ In Deutschland gebe es zwar keine vergleichbaren Untersuchungen, allerdings wären ähnliche Ergebnisse wahrscheinlich: „Gerade bei Lebensmitteln gilt hierzulande eine ‚Geiz ist geil‘-Mentalität.“

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In Deutschland sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts rund 15 Prozent der Kinder und Teenager zwischen drei und 17 Jahren zu dick. Fast sechs Prozent sind sogar fettleibig. Bei den Erwachsenen gelten laut Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung hierzulande 59 Prozent der Männer und 37 Prozent der Frauen als übergewichtig. Aus dem Grund hält auch Westenhöfer eine gesetzliche Reglementierungen in Deutschland für überlegenswert. Derzeit setze die Politik vor allem auf freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie. „Die werden aber nicht reichen, um die Übergewichtsepidemie in den Griff zu bekommen“, so der Fachmann.

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