Gefahr Gehirnerschütterung

Was ist das Concussion Protocol?

Direkte Treffer mit dem Helm gegen den Helm des Gegenspielers werden von der NFL bestraft. Beim Hit von Church gegen den „Gronk“ sahen die Refs keinen Regelverstoß
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Eine Gehirnerschütterung ist die leichteste Form der Schädel-Hirn-Verletzungen. Sie kommt häufiger vor, als die meisten Menschen denken. Trotzdem sollten Symptome ernst genommen werden, weil sonst schnell Folgeschäden drohen. Beim American Football wurden deswegen sogar schon Regeländerungen vorgenommen, um die Spieler zu schützen.

Wie bekomme ich eine Gehirnerschütterung?

Das Gehirn sitzt an und für sich gut geschützt im Schädel. Es ist umgeben von Flüssigkeit, die es vor leichteren Stößen gegen den Schädelknochen schützt. Kommt es nun aber zu einem härteren, meist dumpfen Schlag gegen den Kopf, kann das Gehirn dennoch auf den Schädelknochen prallen. Das führt zu einer Gehirnerschütterung. Diese zählt, auch wenn kein struktureller Schaden am Hirngewebe auftritt, zu den Schädel-Hirn-Verletzungen und wird im Fachjargon auch „Commotio cerebri“ genannt.

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Besonders beim Sport sind Menschen gefährdet, Gehirnerschütterungen zu erleiden. Ein dumpfer Stoß oder Schlag auf den Kopf reicht aus, um das Gehirn aus seinem Gleichgewicht zu bringen. Häufig passiert dies bei Stürzen, beispielsweise vom Fahrrad, aber auch bei Sportarten mit häufigem und z.T. heftigem Körperkontakt wie beispielsweise Boxen, Fußball, Eishockey oder Football.

Wie merke ich, dass ich eine Gehirnerschütterung erlitten habe?

Im Zusammenhang mit einem Schlag oder Stoß auf den Kopf treten sehr typische Beschwerden auf. Je nach Ausprägung der Verletzung können Symptome manchmal unmittelbar nach dem Unfall, in anderen Fällen aber auch zeitverzögert mit bis zu 24 Stunden Abstand auftreten. Vor allem bei Kindern treten Symptome oft erst später auf. Teilweise folgt dem Unfall direkt eine kurze Bewusstlosigkeit oder ein Gedächtnisverlust der Geschehnisse um und nach dem Unfall. Diese Symptome sind unbedingt ernst zu nehmen, denn sie können auch Ausdruck einer schwereren Hirnverletzung sein. Weitere typische Symptome sind mäßige bis starke Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindelgefühle. Häufig berichten Betroffene auch von einer Überempfindlichkeit gegenüber Licht und Lärm.

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Wie gefährlich ist eine Gehirnerschütterung?

In der Regel heilt eine einfache Gehirnerschütterung folgenlos aus. In Einzelfällen können einige Symptome, wie Kopfschmerzen, Schwindel und Müdigkeit, monatelang anhalten. Allerdings gibt es Hinweise aus der Wissenschaft, dass häufige Gehirnerschütterungen (wie sie u.a. teilweise bei Profisportlern auftreten) bleibende und zunehmende Hirnverletzungen nach sich ziehen können. Gefährlich ist es, wenn Symptome unterschätzt werden und fälschlicherweise nur von einer einfachen Gehirnerschütterung ausgegangen wird, obwohl schwerere Hirnverletzungen (z.B. Hirnblutungen) vorliegen. Treten starke Beschwerden auf oder verstärken sich Symptome deutlich, sollte sofort ein Arzt hinzugezogen werden. Insbesondere bei Kindern sollte im Zweifelsfall immer ein Arzt aufgesucht werden, da Kinder Symptome oft nicht ausreichend schildern oder manchmal auch verschweigen, um ein Fußballspiel o.Ä. nicht zu verpassen.

Vor allem beim Football droht ein hohes Verletzungsrisiko im Kopfbereich
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Wie wird sie behandelt?

Tritt eine Gehirnerschütterung auf, fordert der Körper meist auch die richtige Behandlung, nämlich Ruhe. Betroffene sind müde und fühlen sich schwach. Durch körperliche Schonung und Bettruhe verschwinden die Symptome häufig innerhalb weniger Tage. Fernsehen sollte in der ersten Zeit vermieden werden, wird aber von den meisten sowieso als eher unangenehm empfunden. Allgemein sollte die betroffene Person die ersten Stunden nicht alleine gelassen werden, um mögliche Veränderungen des Gesundheitszustandes schnell erkennen zu können. Sind die Symptome stärker oder besteht Unsicherheit in Bezug auf die Schwere der Verletzung, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Dann kann es sein, dass eine 24-stündige Überwachung im Krankenhaus angeordnet wird, um schwerere Hirnschäden auszuschließen.

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Regeländerungen im American Football

Um die Spieler und sich selbst zu schützen, änderte die National Football League (NFL) die Regeln. Attacken mit dem Helm gegen den Helm des Gegenspielers wurden verboten. Bereits 2009 wurde das sogenannte Concussion Protocol eingeführt und seitdem stetig angepasst. Auslöser waren vermehrt Beschwerden aktueller und ehemaliger Spieler wegen Kopfproblemen bei der größten Football-Liga der Welt. Speziell der Fall von Aaron Hernandez sorgte für Aufsehen. Der ehemalige Tight End der New England Patriots erhängte sich im September 2017 in seiner Gefängniszelle, wo er wegen eines Mordes aus dem Jahr 2012 einsaß. Seine Frau machte den Football dafür verantwortlich und verklagte die NFL. Bei der Obduktion stellte man bei Hernandez die degenerative Erkrankung CTE (chronisch-traumatische Enzephalopathie) fest. Kein Einzelfall! Bei 110 von 111 untersuchten Gehirnen von toten Football-Profis konnten Wissenschaftler der Boston University und des Boston Healthcare System CTE nachweisen. Die Krankheit gilt als Folge von wiederholten Schlägen gegen den Kopf und kann zu Gedächtnisverlust, Depressionen und Demenz führen. Im Sommer 2017 zahlte die NFL bereits eine Milliarde US-Dollar (rund 830 Mio. Euro) an ehemalige Spieler, die von CTE betroffen sind, um weitere Klagen abzuwenden.

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Was ist das Concussion Protocol?

Pro NFL-Partie stellt die Liga zwei sogenannte „Spotter“, deren Aufgabe es ist, vermeintliche Kopfverletzungen bei den Spielern zu erkennen. Sobald das passiert, treten sie per Funk mit den Trainern und dem medizinischen Personal des Teams in Kontakt und können sogar eine medizinische Auszeit veranlassen, damit der Spieler sofort behandelt werden kann.

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Die Vorschriften besagen, dass auf folgende Symptome zu achten ist:

Ist eine dieser Voraussetzungen gegeben, muss der Spieler einen Test machen, den jeder von ihnen bereits vor Saisonbeginn absolvieren musste. Im Anschluss werden die aktuellen Werte mit den bereits vorhandenen verglichen. Gibt es Abweichungen, folgen weitere Untersuchungen in der Kabine. Wichtig: Ein Spieler darf während der Partie nach Durchlaufen des Concussion Protocols nur dann wieder aktiv am Spielgeschehen teilnehmen, wenn der Teamarzt und ein neutraler Neurologe ihm die Freigabe dafür erteilen. Geschieht das nicht, muss der betroffene Akteur nach dem Spiel weitere fünf Schritte durchlaufen, eher er wieder am Trainings- und Spielbetrieb teilnehmen darf. Das sind…

  1. Ruhe und Erholung: Elektronische Geräte, Social-Media-Aktivitäten und Team-Meetings sind verboten, nur etwas Gymnastik ist erlaubt.
  2. Leichte Fitness-Übungen: Die Spieler dürfen unter Aufsicht eines Athletiktrainers für 10-20 Minuten auf einen Hometrainer.
  3. Fitness-Übungen und Krafttraining: Der Umfang der Fitnessübungen wird erhöht und Krafttraining kommt hinzu, jedoch weiterhin unter Aufsicht eines Trainers.
  4. Football-spezifisches Training: Körperkontakt ist verboten, aber ansonsten darf der Spieler wieder mit dem Team trainieren.
  5. Freigabe für den kompletten Trainingsbetrieb.

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