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Neue Studie

Warum zu strenge Grenzwerte bei Bluthochdruck schädlich sind

Frau wird Blutdruck gemessen
Eine neue Studie hat herausgefunden, dass die US-Richtlinie für Bluthochdruck keinerlei Vorteile für Betroffene bietet
Foto: Getty Images

Eine neue Studie hat herausgefunden, dass wir in Europa gut beraten sind, Bluthochdruck nicht so „schnell“ wie in den USA zu diagnostizieren. Das hat vor allem mit unserer Psyche zu tun.

In Deutschland gibt es rund 25 Millionen Bluthochdruck-Patienten. Würde man hierzulande die in den USA geltenden Grenzwerte heranziehen, wären es sofort ein paar Millionen Betroffene mehr. Das wäre aber aus medizinischer Sicht nicht ratsam und könnte zudem Depressionen begünstigen, hat eine neue Studie herausgefunden – und damit die Richtigkeit der europäischen Leitlinien für die Behandlung von Bluthochdruck (Hypertonie) bestätigt.

Was bedeuten die Werte beim Blutdruck?

Der Blutdruck setzt sich aus zwei Werten zusammen: dem systolischen und diastolischen Blutdruck. Um Blut in den Kreislauf zu pumpen, zieht sich das Herz zusammen. Der obere – systolische – Wert gibt den Druck zu dem Zeitpunkt an, an dem sich das Herz maximal zusammengezogen hat. Der untere – diastolische – Wert gibt den Druck im Moment der Entspannung an.

Zwischen den USA und Europa gibt es nicht nur auf politischer Ebene Zerwürfnisse. Auch in Sachen Bluthochdruck-Behandlung gehen die Expertenmeinungen auseinander. Während das American College of Cardiology seit 2017 – und dank der „Sprint“-Studie  – schon die Werte 130-139 mmHg/80-89 mmHg als Bluthochdruck einstuft (die Rede ist von „Stage 1 Hypertension“, also Stufe-1-Bluthochdruck), gelten für die European Society of Cardiology diese Werte noch als „hochnormal“. Erst ab 140/90 mmHG sprechen europäische Kardiologen von krankhaftem Bluthochdruck und sehen (medikamentösen) Handlungsbedarf.

Das hat die Studie herausgefunden

Das schreibt das Deutsche Ärzteblatt in seiner Online-Version.

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Untersucht wurde, wie hoch das Risiko war, innerhalb von zehn Jahren an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, abhängig von der jeweiligen Blutdruckkategorie des Studienteilnehmers.

Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis (erschienen in der Fachpublikation European Heart Journal), dass Stage-1-Patienten nicht signifikant häufiger an Herzinfarkt, Schlaganfall und Co. gestorben sind.

Jetzt könnte man einwenden, dass Menschen, denen schon bei einem Blutdruck von beispielsweise 135/85 mmHG mitgeteilt wird „krank“ zu sein, dazu neigen, ihr Leben positiv umzukrempeln und so das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankung zu senken. Doch genau an einen solchen motivierenden Effekt glauben die Forscher um Erstautorin Seryan Atasoy nicht. Selbst unter Personen, die auch nach „europäischer“ Auffassung unter Bluthochdruck leiden (also mindestens auf Werte von 140/90 mmHG kommen), neigen viele zu ungesunden Verhaltensweisen wie mangelnder Bewegung oder Rauchen, und das auch nach Diagnosestellung.

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Und nicht nur, dass das Wissen darum, unter Bluthochdruck zu leiden, keinen gesünderen Lebenswandel herbeizaubert. Das Label „krank“ scheint vielen Menschen psychisch zuzusetzen. So neigten der Studie zufolge medikamentös behandelte Patienten (die also wussten, dass sie krank waren) deutlich häufiger zu Depressionen als unbehandelte Personen.

So kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass die Nachteile überwiegen, würde man die US-Leitlinien auch in Europa einführen und somit Millionen von Menschen über Nacht „krank machen“. Zum einen scheinen Menschen mit normalhohem Bluthochdruck kein erhöhtes Risiko für tödliche Herz-Kreislauf-Komplikation zu haben, zum anderen scheinen Menschen unter dem Label Krankheit psychisch zu leiden und häufiger an Depressionen zu erkranken.

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