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Volksleiden

Schnarchen – Ursachen, Risiken und Behandlung

Schnarchen Ursachen: Paar im Bett
Schnarcht einer der Partner, ist geteiltes Leid doppeltes Leid. FITBOOK erklärt, wie man dem unliebsamen Atmungsstörung ein Ende macht Foto: Getty Images

Schnarchen kann nicht nur zur Belastungsprobe für Paare werden – im extremeren Fällen hat es auch Folgen für die Gesundheit. FITBOOK erklärt, was hinter den gefürchteten Atmungsstörungen steckt und wie man sie behandeln kann.

Laut einer Studie sind 40 Prozent der Frauen und 60 Prozent der Männer gewohnheitsmäßige Schnarcher.1 Und dies hat durchaus auch Folgen für das Zusammenleben. So zählt „Schnarchen, Unruhe im Bett“ mit zunehmender Beziehungsdauer zu den häufigeren Streitgründen, wie eine repräsentative Umfrage ergab.2 Rund 19 Prozent der Paare, die seit mehr als 20 Jahren zusammen sind, gaben an, sich über dieses Thema am meisten zu streiten. Doch Schnarchen wirkt sich nicht nur auf die Beziehung aus – auch die Gesundheit leidet. Doch was sind die Ursachen – und wie kann eine Therapie aussehen?

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Was sind die Ursachen für Schnarchen?

Es gibt unterschiedliche Gründe für die Rhonchopathie, so der Fachbegriff für das Schnarchen. Beim Schlafen erschlaffen die Muskeln an verschiedenen Engstellen der Atemwege und im Rachen. Das Geräusch erzeugen die flatternden Bewegungen des Gaumenzäpfchens und der Zunge.

Laut Prof. Dr. med. Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums an der Charité in Berlin, kann Schnarchen erblich veranlagt sein. „Provozierende Faktoren sind zusätzlich das Alter, das Gewicht, das männliche Geschlecht, die Rückenlage, der Alkohol und der von vornherein anatomisch enge Rachen“, so der Experte zu FITBOOK.

Dass es vor allem ältere Menschen betrifft, liegt an ihrem schwächer werdenden Bindegewebe; Frauen schnarchen meist erst in der Postmenopause. Besonders gefährdet sind Übergewichtige, wie der Frankfurter Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO) Dr. Roman Roitman im FITBOOK-Interview erklärt. „Wie an anderen Stellen des Körpers ist bei ihnen das Gewebe hier schlichtweg zu fett, dadurch ist der Atemfluss gestört.“

Warum schnarchen schon manche Kinder?

Dass auch Kinder schnarchen liege laut Prof. Fietze häufig an vergrößerten Mandeln, aber auch Wucherungen, ein kleiner Unterkiefer und andere anatomische Besonderheiten könnten den oberen Atemweg einengen.

Dr. Roitman zufolge kann sich dies auch gesundheitlich auswirken: „Durch die Atemunregelmäßigkeiten entsteht Druck auf die Lunge. Auf die Dauer kann sich dadurch die rechte Herzseite ungesund vergrößern“, warnt der HNO. Zudem können die fehlgeleiteten Luftströme Wachstumsstörungen im Mund- und Nasenbereich begünstigen. Diese legen schlimmstenfalls den Grundstein für ernste Gesundheitsprobleme im Erwachsenenalter. Umso wichtiger ist es, das Kind beim Fachmann untersuchen zu lassen und eventuelle Behandlungsschritte einzuleiten.

Kann das Schnarchen gefährlich werden?

Wie Experte Roitman erklärt, ist Schnarchen ­nicht zuletzt ein kosmetisches Problem. So sind Menschen, die in der Öffentlichkeit geräuschvoll wegratzen, entnervte Reaktionen und Blicke sicherlich gewöhnt, können mit ihrem Problem aber einigermaßen leben.

Rund vier Prozent der Schnarcher jedoch leiden an einer Schlafapnoe, also nächtlichen Atemaussetzern. Prof. Fietze zu FITBOOK: „Schnarchen ist das erste Anzeichen dafür, dass es im Rachen eng wird. Schlafapnoe ist eine Steigerungsform, da wird es nicht nur eng, sondern der Atemweg gleich einmal komplett verschlossen – die Apnoe. Die meisten Betroffenen beginnen mit Anfang Mitte Vierzig zu schnarchen und entwickeln dann eine Schlafapnoe.“

Die gefährlichen Atempausen können zwischen zehn Sekunden und bis zu einer Minute dauern. Dass der Betroffene aufwacht, liegt an einem natürlichen menschlichen Überlebensinstinkt. Der Schrecken schüttelt seinen gesamten Körper durch, die Muskeln sind aktiv und der Blutdruck steigt – nun wieder zur Ruhe zu finden, ist nicht leicht. Patienten mit Schlafapnoe fühlen sich deshalb tagsüber oft wie erschlagen. Diese Tagesschläfrigkeit kann nicht nur auf die Stimmung schlagen, sondern führt auch zu Leistungs- und Konzentrationsschwächen. Viele Schlafapnoiker fallen daher in ihrem privaten Umfeld oder im Job negativ auf.

Wie stellt man fest, ob man chronisch schnarcht?

Wer nicht in einer Beziehung lebt und quasi explizit auf gewohnheitsmäßiges Schnarchen hingewiesen wird, dem bleibt bei Verdacht nur der Gang zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Dieser kann – auch bei Routine-Untersuchungen – mit einem Blick in den Rachen feststellen, ob der Patient eventuell dazu neigt zu schnarchen. Ansonsten werde laut Prof. Fietze die Diagnose gestellt durch: die nächtliche häusliche Untersuchung vom Schlafmediziner mit Aufzeichnung von Schnarchen, Atmung, Puls, Körperlage und Sauerstoffsättigung im Blut. Bei Bedarf bestehe noch die Möglichkeit einer Untersuchung Schlaflabor.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für Schnarcher?

Da Schnarchen verschiedene Ursachen haben kann, gibt es dagegen auch keine allgemeingültige Lösung. Bei deutlich vergrößerten Mandeln gibt es die Möglichkeit einer OP, erklärt Prof. Fietze. In anderen Fällen werde es schwierig. Er empfiehlt:

  • Gewichtsabnahme
  • Seitenlage
  • geringe Oberkörperhochlage
  • Kinnbinde
  • Alkohol meiden

Auch Beruhigungsmittel solle man laut Dr. Roitman vermeiden. Diese und Alkohol ließen die Schlundmuskulatur dicker werden und verengten die Atemwege dadurch zusätzlich.

Bei Apnoen gebe es laut Prof. Fietze die Möglichkeit der Überdruckatmung oder Unterkieferprotrusionsschiene. Bei Letzterer handelt es sich um eine Schiene für die Zähne, die den Unterkiefer leicht nach vorne drückt.

Bei der Atemwegs-Überdruck-Therapie kommt eine Atemmaske zum Einsatz, die Überdruck ausübt und so Atemwege und Rachen frei macht. Verschiedene handliche Gerätschaften wollen diese Behandlung auch für zu Hause ermöglichen.

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Anti-Schnarch-Geräte nicht immer effektiv

Weil so viele Menschen schnarchen, gibt es auf dem Markt inzwischen massenhaft Gadgets, die als DIY-Maßnahme Linderung verschaffen wollen. Dabei sind exotisch anmutende Apparaturen, etwa Schnarch-Schienen oder Gummibänder zum Auflegen auf die Zunge, damit sie im Schlaf nicht in Bewegung kommen kann, ebenso wie Mundaufsätze und Kinnbänder. Welche davon Erfolge bringen, lässt sich nur über den Selbstversuch herausfinden. „Wenn aber strukturelle Probleme am Schnarchen schuld sind, können Geräte nicht helfen“, warnt Dr. Roitman. In dem Fall wäre die Investition reine Geldverschwendung. Das sieht auch Prof. Fietze so: „Es fehlt noch eine wirksame Tablette oder ein wirksames Gadget.“

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Mit dieser Übung soll man das Schnarchen wegtrainieren können

Manche Ärzte glauben daran, der Schnarch-Veranlagung mit motorischem Training entgegenwirken zu können. Einer von ihnen ist der Londoner HNO-Chirurg Mike Dilkes. Er hat eine dreiteilige Übung entwickelt, die auf alle Bereiche im Mund positiv einwirken soll, welche für das Schnarchen verantwortlich sein können.

  1. Der erste Teil der Übung konzentriert sich auf die Zunge. Dazu wird ihre Spitze quasi umgeklappt und gegen das Gaumensegel gelegt, sprich an die hintere Stelle des Gaumens in Richtung Hals. Dann nach und nach mit der Zungenspitze nach vorne wandern, bis man an die Rückseite der Zähne gelangt.
  2. Es folgt der „Mundstrecker“. Dafür den Mund so weit wie möglich öffnen und für die Dauer von 20 Sekunden „Aaaaaaahhh“ machen.
  3. Teil drei trainiert die Kehle. Die Zunge dafür so weit wie möglich herausstrecken und einen schrillen Ton ausstoßen.

Absolviert man diese Übung regelmäßig für die Dauer von fünf Minuten vor dem Schlafengehen, soll das Schnarchen dadurch weniger werden und im Bestfall sogar ganz aufhören.

1. Terry Young, Mari Palta, Jerome Dempsey, James Skatrud, Steven Weber, Safwan Badr, The New England Journal of Medicine (1993). The Occurrence of Sleep-Disordered Breathing among Middle-Aged Adults
2. Marktforschungsinstitut Fittkau & Maaß für ElitePartner-Studie 2020, Seite 30