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Was Ihre Haut über Ihr Herzinfarkt-Risiko aussagen könnte

Nahaufnahme Haut
Ein Hautscanner soll Ihnen sagen können, ob ein erhöhtes Risiko für Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegt. Hintergrund sind sogenannte AGE.
Foto: Getty Images

Indem man seinen Arm auf einen Hautscanner legt, soll in Sekundenschnelle gemessen werden können, ob man ein erhöhtes Risiko für Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat. Das ist das Ergebnis einer großangelegten Studie aus den Niederlanden. Aber gibt es den Service auch schon bei meinem Hausarzt?

Stellen Sie sich vor, ein Arzt könnte Ihnen mithilfe einer blitzschnellen Hautscanner-Untersuchung sagen, dass Sie ein erhöhtes Risiko für Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Klingt futuristisch? Mitnichten.

Genau das scheint nämlich die Schlussfolgerung einer Studie aus den Niederlanden zu sein, bei der die Ergebnisse von 72.880 Menschen ausgewertet worden sind.

Dreh- und Angelpunkt der Studie sind die sogenannten Advanced Glycation Endproducts. Diese entstehen, wenn Protein- oder Fettbausteine mit Zuckerbausteinen reagieren, wie man auf der Website des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE) nachlesen kann. Die Reaktion im Körper (die übrigens auch in Lebensmitteln erfolgen kann, zum Beispiel beim Backen oder Braten) wird durch hohe Blutzuckerwerte und Stress begünstigt. Diese AGEs reichern sich mit zunehmendem Alter in unserem Körper an, und das in den meisten Geweben, darunter auch in der Haut. Dabei sind die AGE-Werte in der Haut eng mit denen in den anderen Körperregionen verknüpft, was dazu führt, dass ein Hautscan verlässliche Rückschlüsse über die allgemeine AGE-Ablagerung im restlichen Körper bietet.

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Das kann AGE gefährlich machen

Experten gehen davon aus, dass es einen Zusammenhang zwischen erhöhten AGE-Werten und Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) und daraus resultierenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen (darunter Herzinfarkt und Schlaganfall) sowie Typ-2-Diabetes gibt. Mit dieser Hypothese gingen die Forscher aus Groningen auch an die Studie ran. Stichwort.

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Das hat die Studie herausgefunden

Die vorliegende Studie entstand als Teil einer großangelegten Kohortenstudie (Dutch Lifelines Cohort Study), die herausfinden wollte, was uns altern lässt. Zwischen 2007 und 2013 wurde bei den ingesamt 167.000 Probanden auch die Hautautofluoreszenz gemessen.

Was bedeutet Fluoreszenz?

Unter Fluoreszenz versteht man die spontane Aussendung von Licht, die beim Übergang eines elektronisch angeregten Systems zurück in einen Zustand niedrigerer Energie erfolgt. Dies geschieht, wenn Licht einer bestimmten Wellenlänge (Anregungswellenlänge) zum Beispiel auf ein Molekül trifft.

(Quelle: Uni Wien)

Davon hatten 72.880 Probanden bei Studienbeginn weder Diabetes noch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In den darauffolgenden Jahren haben sich die Forscher angeschaut, wie viele Menschen an Diabetes erkrankten oder herzkrank wurden. Dabei fanden sie heraus, dass ein erhöhter AGE-Wert ein aussagekräftiger Prädiktor für Erkrankungen dieser Art darstellte – selbst dann, wenn man die Ergebnisse um andere Risikofaktoren wie schweres Übergewicht bereinigt hatte.

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So funktioniert der AGE-Scanner

Eine Messung des AGE-Spiegels erfolgt völlig schmerzlos über die Haut und ist in weniger als 30 Sekunden abgeschlossen. Dafür legt man den Unterarm auf den AGE-Scanner. Der Scanner sendet Lichtstrahlen aus und misst dabei die Fluoreszenz auf der Haut. Wichtig zu wissen: AGE-Ablagerungen verändern die Fluoreszenz-Eigenschaften der Haut, was sich das Messgerät zunutze macht.

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Kann ich bei meinem Hausarzt eine AGE-Messung bekommen?

Nein, erklärt Dr. Matthias Riedl, Diabetologe, Ernährungsmediziner und Internist. Im Gespräch mit FITBOOK sagt er: „Das verwendet praktisch niemand, weil es sich nicht refinanziert. Der Scanner ist eher was für die Forschung oder Betriebe, die ihre Mitarbeiter reihenuntersuchen lassen wollen.“ Für solche Untersuchungen halte er den AGE-Reader für sinnvoll. Gleichzeitig gibt er zu bedenken, dass seines Wissens noch weitere Studien gemacht werden müssen.

Fazit: Es wird also noch ein Weilchen dauern, bis der Ottonormalverbraucher beim Hautarzt in Sekundenschnelle erfahren kann, ob er diabetes- oder herzinfarktgefährdet ist. Vorausgesetzt, die Technologie hält überhaupt, was sie verspricht.

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