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Nicht nur als Sex-Spielzeug „nützlich“!

Was Liebeskugeln mit der Gesundheit von Frauen zu tun haben

Frau hält Liebeskugeln
Beim Anblick von Liebeskugeln brauchen Sie nicht rot werden, denn: Das vermeintliche Sexspielzeug lässt sich vor allem im Dienst der Gesundheit anwenden.
Foto: dpa Picture Alliance

Liebeskugeln dienen längst nicht nur der erotischen Stimulation, sondern erfüllen noch einen ganz anderen, nicht weniger wichtigen Zweck: Sie helfen dabei, den Beckenboden zu stärken. Vor allem für Schwangere und junge Mütter ist ein solches Training wichtig. FITBOOK hat mit Experten gesprochen.

Was ist der Beckenboden?

„Die Beckenbodenmuskulatur gehört zu den wichtigsten Muskelgruppen des Körpers“, sagt Simone Rokohl, Expertin für Sport und Bewegung bei der Krankenkasse DAK, die Gesundheitspartner von FITBOOK ist. Sie ist für das das Halten der Organe im Bauch und Unterbauch verantwortlich und sorgt dafür, dass diese sich nicht verschieben, wenn sich der Druck im Bauchraum erhöht. „Eine weitere Funktion ist die Entspannung der Beckenbodenmuskulatur zum Wasserlassen, beim Stuhlgang und beim Geschlechtsverkehr“, fügt die Expertin hinzu. Mit einem gut trainierten Beckenboden lässt sich der Vaginaleingang fester kontrahieren.

Ein Problem ist jedoch, „dass viele Frauen nicht wissen, wo ihr Beckenboden ist, wie dieser aufgebaut ist und was für wichtige Aufgaben er erfüllt“. Frau Rohkohl hält es daher für sehr wichtig, jungen Frauen – „und übrigens auch Männern“ – die Funktion der Beckenbodenmuskulatur frühzeitig nahezubringen. Sie betont: „Besonderer Bedarf besteht in Schwangerschaft und nach der Geburt eines Kindes. Dabei reicht die Rückbildungsgymnastik oftmals nicht aus.“

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Die Beckenbodenmuskulatur lässt sich unter anderem lokalisieren, wenn man kurz den Urin einhält. Nicht zuletzt in der Schwangerschaft wird diese Muskulatur stärker gefordert.
Foto: Getty Images

Darum muss man den Beckenboden stärken

Tatsächlich setzen sich nur wenige Frauen mit dem Thema Beckenboden auseinander – bis sie ein Kind bekommen. Durch das Gewicht der Babykugel und die Belastung bei der Geburt wird die Muskulatur im Unterleib geschwächt. Frau Rotkohl berichtet, dass dies beispielsweise Harninkontinenz, Gebärmuttervorfall und Stuhlinkontinenz nach sich ziehen kann, was für die Betroffenen schwere seelische Folgen bedeuten würde. Manche Mütter klagen auch über eine verringerte Empfindung beim Sex – und das nicht nur in den ersten Wochen nach der Geburt.

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„Viele Frauen leiden noch Jahre später unter den Folgen ihres schwachen Beckenbodens“, so Micha Østergaard zu FITBOOK. Die Ex-Olympiaschwimmerin arbeitet heute als Trainerin und gibt auch Privatstunden. Sie weiß aus Erfahrung, dass es weniger bringt, ihren Kundinnen zeitaufwändige Bewegungsabfolgen beizubringen. Vor allem junge Mütter haben dafür in der Regel keine Zeit oder Geduld. Besser: kleine, einfache Übungen, für die Frauen nicht einmal auf die Matte müssen.

So einfach ist Beckenbodentraining

Wie andere Muskeln auch, werden die im Beckenboden dadurch gestärkt, dass man sie an- und wieder entspannt. Trainerin Østergaard empfiehlt ihren Kundinnen daher – ob sie nun in der Supermarktschlange oder beim Zähneputzen stehen –, die Muskeln „jeweils für ein paar Sekunden zusammenzuklemmen und zu lösen, dann wieder zusammenzuklemmen und zu lösen. Das sollte das gleiche Gefühl auslösen, als müsste man den Drang einhalten, zur Toilette zu gehen“. Es gehe aber noch einfacher: mit Liebeskugeln.

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Frauen beim Mattentraining

Es gibt Fitnessübungen, mit denen sich der Beckenboden trainieren lässt. Selbst Fitnesstrainerin Østergaard glaubt aber, dass man mit „Kleinigkeiten für zwischendurch“ mehr Erfolge ziehen kann.
Foto: Getty Images

So funktioniert das Training der Beckenbodenmuskulatur mit Liebeskugeln

Liebeskugeln bzw. Vaginalkonen gibt es meistens als Doppel-, manchmal aber auch als Dreierpack. Sie sind mit einer Silikonschicht überzogen und auf einer Seite mit einem Rückholband versehen. In ihrem Inneren befindet sich ein Metallkern.

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„Wer diese Übung drei- bis viermal pro Woche jeweils für zehn, 15 Minuten durchführt, hat schon einiges für die Stärkung seines Beckenbodens getan“, versichert Micha Østergaard. Und das sollte sich auch im Alltag unterbringen lassen, beispielsweise beim Staubsaugen oder Einkaufen. Wenn man schon ein paar Wochen lang regelmäßig geübt hat, sei es sinnvoll, den Trainingsreiz zu erhöhen. Es gibt leichtere und schwerere Liebeskugeln – und übrigens auch ganz ansehnliche, die nicht direkt als das auffallen, was sie sind.

Die meisten Hersteller für Sexspielzeug versprechen Frauen einen „intensiveren Orgasmus“, wenn sie mit Liebeskugeln ihren Beckenboden stärken. Und auch das Training selbst soll Spaß machen.

Die Marke Lelo hat sich auf besonders hochwertiges und stylishes Sex-Spielzeug spezialisiert. Diese Liebeskugeln sind von der schwereren Sorte.
Foto: www.amorelie/lelo

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Liebeskugeln

Ein Sexspielzeug und medizinisches Hilfsmittel

Wo können Frauen Vaginalkonen kaufen?

Die Liebeskugeln gibt es längst nicht nur im Sex-Shop. Auch Drogerien wie DM oder Rossmann bieten solche Beckenboden-Trainingshilfen an, ebenso Fachgeschäfte für Familienbedarf. Scham wäre also gänzlich unangebracht. Wenn es Ihnen trotzdem unangenehm ist, die Vaginalkonen im Laden zu kaufen, können Sie auch bequem welche im Internet bestellen: Bei Online-Erotikshops wie Amorelie oder Love and Vibes werden diskrete Verpackungen versprochen, sodass die Nachbarn nicht direkt mitbekommen, was Sie sich bestellt haben.

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Beckenbodentrainingshilfen

Kein Schmuddelkram: Liebeskugeln, manchmal auch Vaginalkonen, kommen jetzt ganz harmlos daher.
Foto: www.shop.babys-heile-welt.de/Elanee

Ist Beckenbodentraining auch ein Männerthema?

Dass es sich bei diesem Training um eine effektive – und auch in Medizinerkreisen anerkannte – Maßnahme handelt, bestätigt auch Dr. Christoph Pies von der Urologie Stolberg. Im Gespräch mit FITBOOK erklärt er, dass sie in seiner Branche als Vaginalkonen bezeichnet und zur Trainingshilfe empfohlen werden. Männliche Patienten hätten es nicht so leicht, ihre Beckenbodenmuskeln zu stärken. Das müssten sie aber auch nur in seltenen Fällen, „beispielsweise im Rahmen von Operationen, die den Schließmuskel verletzen könnten, wie etwa der vollständige Entfernung der Prostata bei Krebs“. Ansonsten beschreibt Dr. Pies den Beckenboden des Mannes als weniger empfindlich als den der Frau, was am anatomischen Aufbau und seinem engeren Becken liege.