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Klischee oder nicht?

Männer sind Fleischfresser, Frauen Naschkatzen

Mythus mit Substanz: Männer essen zu viel Fleisch - viel zu viel.
Foto: Bild Brand Studio

Deutsche Männer sind Raubtiere. STIMMT! Sie essen durchschnittlich drei große Steaks pro Woche. Und die Damen? Sind süchtig nach Schokolade! FALSCH! Sechs Klischees über das große Fressen und überraschende Folgen.

ER bestellt ein Schnitzel. SIE einen Salat ohne Dressing, um dann hinterher zu Hause heimlich den Eisbecher aufzureißen. Kommt Ihnen diese Szene bekannt vor? Stimmt es wirklich: Mann isst Fleisch, Frau kaut lieber Grünzeug, Körner und Süßes? Essen Frauen und Männer anders? Wir haben sechs Klischee-Sätze aus einem typischen Dialog zwischen Mann und Frau über Essen aufgegriffen und untersucht – aus ernährungswissenschaftlicher und medizinischer Sicht.

1. MANN: „Schatz, ich brauche mein Steak!“

STIMMT! Männer brauchen mehr Fleisch. Ja – im weitesten Sinne. Ernährungswissenschaftlerin Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, (DGE) erklärt: „Männer haben einen höheren Grundumsatz als Frauen. Sie weisen durch ihre Körpergröße und Zusammensetzung mehr Muskelmasse auf und verbrennen mehr Kalorien als Frauen. Bei Frauen ist dafür der Fettanteil um zehn Prozent höher.“ Insgesamt brauchen Männer im Durchschnitt 2300 Kalorien am Tag – Frauen dagegen nur 1800. „Vielleicht erklärt das auch ihren größeren Fleischhunger oder die Lust auf energiereiches Essen“, so die Ernährungsexpertin.

Natural Born Grillers: Feuer und Kohle sind und bleiben Männersache
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Doch auch wenn sie sich naturgemäß etwas mehr erlauben dürfen: Im Alltag essen Männer doppelt so viel Fleisch, wie sie sollten. Das geht aus dem 12. Ernährungsbericht der DGE hervor, die den Lebensmittelverzehr von knapp 14.000 Männern und Frauen zwischen 14 und 80 Jahren untersucht hat. Der DGE-Orientierungswert liegt bei 300 bis 600 Gramm pro Woche – 300 g entsprechen etwa zwei kleinen Steaks. „Männer essen mehr als doppelt so viel, durchschnittlich 1100 Gramm. Auch Frauen liegen in Deutschland an der Obergrenze bei Fleisch, bewegen sich aber mit 590 Gramm wöchentlich noch im Rahmen. Zu viel Fleisch ist keine gute Idee: Das gilt vor allem für rotes Fleisch! Durch den hohen Fettanteil und das Cholesterin kann es zu Arthrose, Verdauungsproblemen oder sogar Darmkrebs führen.

Diese übermäßige Fleischlust bei Männern – zusammen mit dem Mehr an Muskelmasse – ist für den Linzer Sexualmediziner, Dr. Georg Pfau, hormonell bedingt: „Das Männerhormon Testosteron ist ein Lusthormon. Es stattet ihn sozusagen zum Jäger mit der größeren Muskelmasse aus, gibt ihm stärkere Knochen. So eine ‚Jagdmaschine‘ braucht auch viel Energie, ohne dick werden zu dürfen. Für diesen Zweck ist Fleisch wie geschaffen. Es ist eiweißreich, versorgt Männer mit Energie und fördert den Stoffwechsel, was auch muskelaufbauend wirkt.“

Mann gegen Frau! Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat das Essverhalten von 14.000 Deutschen untersucht. Der große Vergleich! 

2. FRAU: „Mein Körper schreit nach Schokolade!“

Frauen sind die Süßen – ein weit verbreitetes Klischee in Deutschland. FALSCH! Tatsächlich ist es andersrum! Laut DGE Ernährungsbericht essen Männer deutlich mehr Zucker, Süßwaren, Kuchen, Torten und Gebäck als Frauen. Die Ernährungsexpertin erläutert: „Diesen Ergebnissen zufolge essen und trinken Männer eher lustbetont, Frauen ausgewogener. Besonders auffällig ist der Unterschied bei Süßgetränken: Männer trinken doppelt so viel Limonade wie Frauen!“

Wer ist das Leckermäulchen unter den Geschlechtern? Nur so viel: Sie ist es nicht…
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Die Folge von zu viel Süßkram: „Süßigkeiten enthalten Substanzen, die das Wohlfühl- und Belohnungszentrum im Gehirn ankurbeln, was schnell zu Suchtverhalten führt.“ Der Fettanteil ist der schlimmste: „Er bedient die Opiat-Rezeptoren im Darm – das größte Suchtpotenzial“, weiß Dr. Pfau. Aus langjähriger Erfahrung schließt er: „Sucht ist ein männliches Phänomen. Auch das ist – einfach gesagt – dem Mechanismus der Natur zuzuschreiben. Eine gute Ernährung heißt Leistungsfähigkeit und ist ganz essenziell eine Frage des Überlebens.“ Fett werde von der Natur belohnt, weil es einen hohen Nährwert hat. Der Arzt weiß: „Hunger und Essen sind die stärksten Triebe der Menschen, noch vor der Sexualität! Männer haben den stärkeren Trieb und  – einen Bärenhunger!“

3. MANN: „Dick? Ich doch nicht!“

FALSCH! Deutsche Frauen und Männer sind dick. Immer noch. Nach einer Studie der DGE zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland sind dünne Männer ab dem Alter von 30 bis 35 Jahren und Frauen ab dem Alter von 55 bis 60 Jahren die Ausnahme: Ganze 67  Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen sind übergewichtig!

Sogar unter den jüngeren Kerlen gibt es viele dicke: Ein Fünftel aller 18- bis 19-Jährigen ist übergewichtig (BMI ≥ 25)! Und danach wird es nicht besser: Die Mid-30er haben schon zu 67 Prozent zu viel um die Hüften – ab 60 ist es der Großteil der Männer, 80 Prozent. Vor allem der sogenannte „Männer-Bierbauch“ – überschüssige Fettpolster rund um die Bauchorgane – gilt als besonders gefährlich. Das Bauchfett setzt zahlreiche Botenstoffe frei, die sich auf den Blutdruck auswirken können, den Insulinspiegel beeinflussen und Entzündungen auslösen können. Professor Peter Schwarz, Diabetologe am Uniklinikum Dresden, weiß: „Je mehr Bauchfett vorhanden ist, desto mehr bestimmte Botenstoffe werden gebildet“. Das kann zu Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes oder im schlimmsten Fall sogar zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen. Auch hier spielen wahrscheinlich die Sexualhormone eine Rolle: Testosteron begünstigt das Fett am Bauch, Östrogen dagegen begünstigt die Birnenform. Frauen legen deshalb eher an Po und Beinen zu.

Bei Frauen ist Übergewicht in fast allen Altersgruppen seltener. Der Cut kommt ab 60 – da sind die kurvigen Frauen wieder in der Überzahl und ab 75 sind knapp 90 Prozent aller Frauen übergewichtig.

Schön jung und schlank – Frauen nehmen meist erst im Alter zu
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4. FRAU: „Aber das ist gut für dich!“

STIMMT! Ja, Frauen haben ein Köpfchen fürs Essen: Ihr größeres Ernährungsbewusstsein zeigt sich schon daran, dass laut Studie 85 Prozent täglich Obst und Gemüse essen. Bei den Männern sind es dagegen nur 66 Prozent. Dafür ist das Diät-Thema schon bei beiden Geschlechtern angekommen – die große Suche nach weniger Kalorien, Zucker und Fett! 18 Prozent der Männer kaufen „light“ – da liegen sie nur 3 Prozent hinter den Ladys. Immerhin: Insgesamt schaffen es 69 Prozent der Deutschen, sich im Alltag meistens oder fast immer gesund zu ernähren; bei den Frauen sind es mit 76 Prozent etwas mehr als bei den Männern mit 62 Prozent.

Doch auch wenn Obst eindeutig ein Frauending ist: Mit 182 Gramm pro Tag – etwa anderthalb Äpfeln – erreichen sie nicht den von der DGE genannten Orientierungswert von mindestens 250 Gramm pro Tag nicht.

Und beim Gemüse sieht das Ganze noch schlimmer aus: Zwar essen Frauen und Männer beide ungefähr die gleiche Menge, doch ist diese eindeutig viel zu klein! Die von der DGE empfohlenen 400 Gramm Gemüse am Tag erreichen Männer und Frauen nur zu einem Drittel, mit nur 124 Gramm pro Tag!

Gesund essen allein ist keine Rettung vor dem Rettungsring: Auf die richtige Menge kommt es an!

Die Lösung dieses Problems? Christian Schmidt, Bundesminister für Ernährung, würde am liebsten ein Schulfach Ernährung einführen. Seine Note zum derzeitigen Ess- und Konsumverhalten der Deutschen: „Zwei bis Drei.“

5. MANN: „Wassertrinken ist überbewertet.“

Wer hätte es erraten?! Das beliebteste Getränk der Deutschen ist: WASSER!
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TOTAL FALSCH! Hier hat die Aufklärung bereits gefruchtet! „Erfreulich ist, dass die empfohlene Trinkmenge von mindestens 1,5 Liter für Erwachsene von beiden Geschlechtern mit etwa zwei Litern pro Tag erreicht wird“, so Ernährungswissenschaftlerin Restemeyer. Während Männer mehr Limonade trinken, greifen Frauen häufiger zu Wasser und Tee. Tatsächlich ist aber Wasser mit etwa 1 Liter pro Tag das Number-one-Getränk bei den Deutschen!

6. FRAU: „Du Milchbubi!“

Mann oder Milchbubi? Beides geht!
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STIMMT – bedingt! Männer trinken mehr Milch. Dafür halten sich die Frauen an Milchprodukte wie Joghurt, Buttermilch oder Molke. Doch wir leben – im Gegensatz zu unseren Eltern – nicht mehr in einer Milchtrinker-Gesellschaft. Studien und Hinweise von Ärzten und Ernährungswissenschaftlern zu Risiken wie Akne, Darmproblemen und Krebs im Zusammenhang mit dem Verzehr von Milchprodukten, haben sich in den Köpfen der Männer und Frauen festgesetzt. Dazu ist mehr als jeder zweite Deutsche laktoseintolerant. So ist das erstaunliche Ergebnis des Ernährungsberichts zu erklären: Sowohl Männer als auch Frauen erreichen NICHT den Orientierungswert der DGE zum Verzehr von Milch und Milcherzeugnissen von 200  bis 250 Gramm pro Tag! Beide schaffen es gerade mal, zwei Drittel der empfohlenen Menge aufzunehmen. Noch am beliebtesten: Käse und Quark – mit Luft nach oben, denn der Verzehr liegt unterhalb der DGE-Empfehlung von 50 Gramm.

Ernährung, Bewegung, Ärzte. Check: So hilft die Krankenkasse IHR UND IHM

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