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10 Kilometer, ein Team, ein Ziel

Xletix oder mein größter, matschigster Selbstversuch aller Zeiten

Nasse Füße: Das Motto No 1 der Xletix-Tour durch das Brandenburger ZossenFoto: Madlen Krippendorf
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Eiswasser, Schweiß und Stacheldraht. Xletix ist der wichtigste Matsch-Hindernis-Lauf unserer Zeit. Ich war dabei. Mit Haut und Haar. Klar! Und mit meinem Teammate Odile. Zusammen waren wir: die "Erdinger Mudflyers". Im Schweiße unseres Angesichts hat es uns zusammengeschweißt! Halleluja!

Dreiii, zweiii, eiiins uuund – STOPP. Eine Wand. Verwirrt schaue ich mich um. „Wir sind zu spät. Wir kommen nicht mehr mit.“ Meine Teamkollegin Odile bricht in einen Lachkrampf aus: „Anna – das ist das erste Hindernis. Da müssen wir drüber!“ Sie kriegt sich gar nicht mehr ein: „Das ist Xletix, ein Zehn-Kilometer-Hindernislauf. Dafür hast du dich doch angemeldet, oder?!“ Jetzt muss auch ich lachen. Ja – klar! Oh Mann. Was geht ab?! Als Letzte des großen Menschenpulks kraxle ich umständlich über die erste Wand. So was hatte ich verdrängt. Irgendwie hatte ich nur Matsch und Laufen am Schirm.

Ankommen und aufwärmen – hier geht’s zu meinem exklusiven Mitschnitt hinter die Kulissen:

Es geht langsam los – der Menschenhaufen hat sich noch nicht ausgebreitet. Genug Zeit, um sich ein wenig umzusehen: Was gleich klar wird – das ist hier keine reine Spaßveranstaltung. Von den blitzblauen „Tilses“ über konkrete Ansagen wie die „Unbezwingbären“ bis zu Angebersätzen wie „Challenge Completed 2017“ oder Spaßvögel mit „Testsieger Stiftung Muskeltest“ – auf den Team-T-Shirts der Mitstreiter ist richtig was los! Auch geruchsmäßig: Noch vor dem ersten Hindernis weht mir eine Schweißfahne entgegen. „Hier schweißelt’s ja jetzt schon. Schon vor dem Sport“, flüstere ich Odile zu. Ihr Kommentar: „Das schweißt zusammen.“ Zweiter Lachkrampf. Diesmal krieg ich mich gar nicht mehr ein. Wir haben gerade mal das erste Hindernis überstanden und ich bin schon völlig am Ende – vom Lachen.

Noch sind Odile (rechts) und ich (die vor dem Muskelprotz) fit und sauber. Noch glauben wir nicht an das Böse…Foto: Madlen Krippendorf

Die Xletix-Reise beginnt mit einem gechillten Waldlauf. Es ist wunderschönes Wetter, die Sonnenstrahlen blitzen durch die Bäume auf den Waldboden. Verträumt laufen wir durchs Wunderland. Da Zeit heute keine Rolle spielt, gehen wir es auch gemütlich an. Wer weiß, was noch alles kommt. Und da findet unser idyllisches Dasein auch schon ein abruptes Ende. Wir müssen durch eine kniehohe Matschpfütze laufen. Zweck ist klar: Es geht darum, die Schönheit zu beenden und uns nass zu machen – an der sensibelsten Stelle, nämlich den Füßen! Und sie werden heute NICHT mehr trocknen – dafür ist gesorgt! Ziel erfüllt – schweren und quatschigen Fußes gehts weiter. Ich ärgere mich ein wenig, dass meine heiligen Laufschuhe da durch müssen. Wenn ich das gewusst hätte – äh oder mich ein bisschen besser informiert hätte…

Relaxtes oder leichtes Laufen?! Wohl kaum – hier sind die Schuhe meiner Teamkollegin Odile (rechts) und mir (links) schon patschnassFoto: Madlen Krippendorf

Trotzdem genieße ich den Laufteil des Events weiterhin und immer wieder dazwischen. Odile geht es genauso. Wir sind schon länger Laufbuddys und haben den „Laufgroove“ voll drin. Auch das nächste Hindernis beeindruckt die Erdinger Mudflyers NULL: über Reifen klettern und aus einem Container springen – bisschen Kindergeburtstag. Ein Haufen Schrott und nasse Füße – und dafür zahle ich auch noch 60 Euro? Hmmm. Dass das alles eine miese und perfekt ausgeklügelte Strategie ist, checke ich erst um Einiges später.

Der erste echte Schock ist im wahrsten Sinne ein Schock: Ein Eisschock! Ein Trog mit Wasser; eine kleine Wand unter der wir durchtauchen sollen. Fertig. Kein Problem. Dann noch mal derselbe Trog: „Was soll das denn“, frage ich Odile genervt. Jetzt auch noch zweimal dasselbe?! Falsch gedacht! Im zweiten Trog ist EISWÜRFELWASSER! Ist gleich eiskalt! Ich steige rein, tauche unter und – wuuahhh – obwohl ich nicht mal eine Sekunde unter Wasser bin, habe ich das Gefühl, auf der Stelle einzufrieren. Ich weiß nicht ob ich es den halben Meter wieder nach oben schaffe. Mein Koooopf, alles ist steif… Gefühlt schaffe ich es gerade noch an die Oberfläche, bevor ich STERBE – jaaaa, ich schwöre! So hat es sich angefühlt.

Mein allerschlimmster Moment: Beim Eintauchen in einen Trog mit Eiswasser habe ich wirklich das Gefühl, schockzugefrieren

Das hat uns den Kopf gewaschen. In jeder Hinsicht. Wir laufen beeindruckt weiter. Mein ganzer Körper fühlt sich an wie Gelee – geredet wird jetzt erst mal nicht mehr. Überleben das alle hier? Das ist doch unverantwortlich! Was, wenn einer nicht stark genug ist, um wieder aufzutauchen? Im Nachhinein – mit etwas Abstand – muss ich sagen: ganz schön übertrieben diese Gedanken. Das Wasser im Trog ging mir gerade mal bis zu den Oberschenkeln. Allerdings verstehe ich jetzt zum ersten Mal die See-Hysterie im Winter. Ich dachte tatsächlich bis jetzt, dass jeder, der gescheit schwimmen kann, bei jeder Temperatur irgendwie wieder rauskommt.

Reifentauchen: Nicht ganz so fies wie das Eiswasser – aber extrem matschig und widerwärtig (und noch ekeliger wenn man so doof ist und Wasser schluckt)Foto: Madlen Krippendorf

Mit meinen heiligen, quietschenden Laufschuhen geht es weiter. Und dann treffen wir zum ersten Mal „Jesus“. So nennen wir den jungen, gar nicht so übermuskulösen Herren, der an der Wand des nächsten Hindernisses steht und allen (na ja, vor allem den Frauen) die Räuberleiter anbietet. Es geht darum, eine senkrechte, circa drei Meter (??? – Annaschätzung) hohe Holzwand zu erklimmen, darüberzuklettern und auf der anderen Seite wieder runter. Von unten sieht es gar nicht so schlimm aus. Odile ist mutiger als ich (oder aber: der junge Herr gefällt ihr) und sie nimmt dankend an. Das sehe ich mir erst mal an: Ui – sieht aus, als würde es wehtun – vor allem für „Jesus“. Seine Hände sind rot und geschwollen, die Schultern auch. Wie viele er wohl schon drübergehievt hat?… Doch ich werde aus den Gedanken gerissen. Odile ist jetzt oben – und GAR nicht glücklich. Im Gegenteil, sie ruft leicht panisch: „Runter, nein, hier mag ich es gar nicht. Ich will sofort runter!“ Hmmm, sieht doch easy aus – aber wenn das die mutige Odile so empfindet.

Souverän? Ne, eher leicht verrückt gegen Ende des Spiels. Meine Knie zittern. Ich habe mega HöhenangstFoto: Madlen Krippendorf

Mit weichen Knien wage ich mich an die Wand. „Jesus“ erbarmt sich auch noch meiner. Ich sterbe vor schlechtem Gewissen. Kurz. Dann stelle ich mich genauso rücksichtslos auf seine Schultern wie die anderen 120 Ladys (Annaschätzung 2) vor mir. Denn in dem Moment, wo ich auf seinen Schultern stehe und versuche, mich an der Wand hochzuziehen, hat mein Gehirn die Empathie mit blankem Überlebenswillen ersetzt. Boah ist das hoch von hier oben. Drübersteigen?! Niemals! Ich hänge verkrampft oben und muss mich ehrlich zusammenreißen, um den Schritt darüber zu machen. Danach ist alles einfach. Aber meine Knie zittern noch einen weiteren Laufkilometer nach.

Zusammen überwinden wir sicher noch 15 weitere Hindernisse: Wir robben uns wie die Gebirgsjäger (nur ohne Grund) unter Stacheldrahtzaun durch; wir bauen Burgen aus Autoreifen; wir tauchen im ekeligen Matschbad unter Reifen durch, schwimmen zuerst lang (ich schlucke dummerweise immer wieder Wasser oder lasse mich von anderen Überlebenden treten) und dann noch mal lang. Viel Matsch und Wasser. Viel Zeit zum Schwitzen bleibt bei diesen Wasser- und Matschmassen nicht. Und jetzt verstehe ich auch die Schweißjungs vom Anfang – das waren Profis, die sich die Dusche am Morgen gespart haben, weil sie wussten: Das Wasser wird kommen! Schlau!

Unüberwindbar – jedenfalls für mich: bei der glitisch-heißen Wand musste ich passen (hier mein kurzer Versuch)Foto: Madlen Krippendorf

Und dann noch das unüberwindbare Hindernis zum Abschluss, um es uns richtig zu zeigen: eine riesige, brennheiße, glitschige Wand – meterhoch und mega steil. In der Mitte ist ein kleiner Balken – die einzige Hilfe und Zwischenstation. Ich stehe davor und rechne mir mit meinem mathematischen Halbwissen (ich habe Sprachen studiert!) aus, dass diese Übung faktisch nicht möglich ist. Jedenfalls nicht mit meiner Statur. Andere sind da sicher anders gebaut – was die 30 Menschen oben erklären könnte (hmmm). Es geht wohl nur mit enorm viel Kraft und wenn ich jemandem wehtue. Und siehe da: Hier steht ja auch wieder unser „Jesus“: Seine Hände und Schultern sind jetzt mehr als rot. Eher blau. Und trotzdem versucht er, mich zu diesem Irrsinn zu überreden. Ein halber Versuch, ich stehe kurz auf seinen Schultern, dann verbrenne ich mir die Hand and das Knie an der heißen Glitschwand beim Runterrutschen. Over – für mich. Odile winkt auch ab.

Noch ein herrlicher Kilometer laufen und ein bisschen balancieren – mit diesem Abschluss fühlen wir uns wieder wie Heldinnen und stürzen uns ins Abschlussschaumbad wie kleine Kinder.

Als Erdinger-Mudflyers-Heldinnen laufen wir überstolz und euphorisch ins Ziel. Geschafft! Nächstes Jahr eine Distanz schwerer?! Maaa sehen.

Topfit im Ziel? Ne – das nicht. Aber irgendwie aufgedreht. Und froh – Xletix die Erste – wäre geschafft! Go, Erdinger Mudflyers!Foto: Madlen Krippendorf

Die Moral von meiner Matschgeschicht:

Ohne Mut geht’s nicht!

Ohne Muckis  – Gicht.

Aufs Team kein Verzicht.

Nach dem Matsch kommt Licht!

Kommt genau richtig: Ich liebe Bier – und das alkoholfreie ERDINGER war schon in der Schwangerschaft meine liebste Alternative. Nach dem Sport schmeckts doppelt geil!Foto: Madlen Krippendorf

THE END

Das wars. Fast. Noch ahnen wir nichts von der EISKALTEN Felddusche, die uns zum schönen Abschluss erwartetFoto: Madlen Krippendorf

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