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Richtig abhängen

Wie Bouldern Kopf und Body stählt!

Sophie (26) aus Berlin hat sich schon nach den ersten Boulder-Versuchen schockverliebt. „Du bist so dermaßen stolz auf dich, wenn du oben ankommst – ein irres Gefühl!"
Foto: Madlen Krippendorf

Über 500 Boulder-Hallen gibt es in Deutschland, seit einigen Jahren sprießen sie wie Pilze aus dem Boden. Warum? Die Mischung macht’s: Sich körperlich auspowern – auf jeden Fall möglich! Das Hirn einschalten – ein Muss! Jeden Muskel im Körper aktivieren – oh, und wie! Nette Leute kennenlernen – passiert ganz automatisch! FITBOOK zeigt, wie man beim Klettern ohne Seil richtig abhängt.

Sophies Arme sind weit gestreckt, ihr rechter Fuß findet Halt, sie atmet erleichtert auf. Ihre Augen scannen die Wand nach dem nächsten bunten Griff ab, zu dem sie es schaffen will. Sie drückt sich mit dem Bein ab, ist schon fast ganz oben. Doch wo soll der linke Fuß jetzt hin? Ihre Finger versteifen sich, die Muskeln zittern vor Anstrengung. Keine Kraft mehr – und das kurz bevor sie ganz oben ankommt! Sie löst ihren Fuß vom Tritt, hängt kurz in der Luft und muss sich auf die weiche Matte unter sich fallen lassen.

 

Bouldern ist auch ein Denksport. „Wer sein Hirn ausschaltet, kommt nicht oben an. Man braucht eine Strategie, bevor man die Route startet“, weiß Sophie. Foto: Madlen Krippendorf

Da steht sie nun und überlegt, was sie falsch gemacht hat. Und erkennt dann: Sie hatte einen Griff übersehen! Statt sich zu ärgern, freut sich die 26-Jährige jedoch: „Jede Route an der Boulderwand ist ein kleines Rätsel, ich fühle mich permanent herausgefordert. Auch wenn ich fünf Versuche brauche, um oben anzukommen – es lohnt sich.“

Bouldern ist absoluter Trend – und auch richtig was fürs Auge: An Indoor- und Outdoor-Wänden mit farbenfrohen Griffen und Tritten gleiten Körper in anmutiger, fast katzenartiger Bewegungen entlang. Selbst bei Anfängern wie Sophie wirkt die Körperspannung schon eindrucksvoll.  

Boulder-Trainer Fabian Ludwig (32), Firmengründer und Inhaber der „bright site“-Boulderhalle in Berlin: „Bouldern boomt, weil es Spaß macht und man sofort ohne große Einweisung oder Equipment einsteigen kann. Man muss keine Sicherheits- oder spezielle Atemtechnik lernen – und als netter Nebeneffekt bekommt man einen Adonis-Körper.“

Fabian Ludwig klettert seit 16 Jahren, hat sich mit der eigenen Boulderhalle vor vier Jahren einen Traum erfüllt: „Ich habe eine super Workout-Life-Balance“.
Foto: Madlen Krippendorf

Wie fange ich an?

Alle Griffe und Tritte haben bestimmte Farben, die jeweils für einen Schwierigkeitsgrad stehen. Die Farben sind je nach Halle unterschiedlich, Infoschilder dazu hängen aus. Man beginnt immer an einer Farbe und bleibt während seiner Route auch dabei. „Start“- und „Ende“-Griffe sind dabei beschriftet, das erleichtert den Einstieg. Wichtig am Anfang: Die Hände planen! „Wo greife ich mit rechts hin, wo mit links, wo dann wieder mit rechts?“ Das Körpergefühl sagt einem, wo die Füße hinsollen.

 

Boulder-Beginner müssen sich nicht gleich in Unkosten stürzen, Kletterschuhe und Kreide gibt’s vor Ort zum Ausleihen. Der Schuhkauf (Modelle gibt’s ab 50 Euro) lohnt sich, wenn man sich entschieden hat, regelmäßig zu bouldern. Die Tagespreise in den Hallen variieren zwischen sieben und 10 Euro, im Abo wird’s günstiger! Fotos: Madlen Krippendorf

Für wen eignet sich Bouldern?

„Eigentlich für jeden“, erklärt Ludwig, der seit 16 Jahren bouldert. „Egal ob vierjähriges Kind oder siebzigjähriger Rentner – wer es sich zutraut und bei wem die Knie noch mitmachen, der kann loslegen.“

Auch Körpergröße und Gewicht sind an sich nicht wichtig.

Ludwig: „Der ideale Kletterer ist zwar eher ein Spargeltarzan und besser kleiner als groß, aber das muss nichts heißen. Ich bin 1,87m und mein Boulder-Kumpel wiegt 100 Kilo. Klar, je mehr man wiegt, desto schwerer ist es, da man ja mit seinem eigenen Körpergewicht arbeiten muss. Dennoch einfach probieren!“

 

Fabian Ludwig ist mit 1,87m für einen Kletterer sehr groß, seine Armspannweite liegt bei 1,94m. Ein Vorteil gegenüber kleineren Kletterern. Ludwig: „Beim Bouldern geht es aber nicht darum, besser zu sein als andere. Es geht darum, besser zu sein als letztes Mal.“ Foto: Madlen Krippendorf

Gibt es den typischen Boulderer?

Täglich kommen 200–300 Kunden in Ludwigs Boulderhalle, 70–80 Prozent von ihnen haben einen akademischen Background. Ludwig: „Es sind sehr viele Naturwissenschaftler, Mediziner, Ingenieure und Architekten darunter, aber auch Kreative, die einen sportlichen Ausgleich suchen.“

Warum Bouldern gerade diese Klientel anspricht? Weil Bouldern aus Knobelei und Rätseln besteht und einen so auch mental fordert.

Ludwig: „Viele Kunden erzählen mir, dass sie sich im Fitnessstudio geistig unterfordert fühlen. Sie wollen den sportlichen Ausgleich zum Alltag, aber mit Grips. Bouldern passt dazu super, denn es geht um Herausforderung, Problemlösung und Konzentration: „Welche Route nehme ich? Wie teile ich mir meine Kräfte besser ein?“ Man ist vielleicht 20 Sekunden an der Wand, merkt, dass man nicht weiterkommt und ruht sich dann zwei Minuten auf der Matte aus, um zu überlegen, wie man es beim nächsten Versuch besser macht. Denn darum geht es: mit jedem Mal ein bisschen besser zu werden und irgendwann die ganze Route zu schaffen.“

 

Für Sophie ist Bouldern auch Entspannung. „Ich fokussiere mich nur auf meine Technik und das Ziel. Meine Alltagsprobleme haben Pause, wenn ich an der Wand bin.“ Foto: Madlen Krippendorf

Welche Muskeln werden beansprucht?

Bouldern ist ein Ganzkörpersport, kein Muskel bleibt arbeitslos. Bauch, Po, Rücken, Arme – alles ist angespannt, um die Bewegungen sicher ausführen zu können.

Orthopäde und Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla aus Berlin: „Bouldern trainiert mit unterschiedlicher Intensität die gesamte Muskulatur. Besonders stark werden die Finger- und Unterarmmuskeln, aber auch die durch das viele Stehen auf den Fußspitzen belastete Wadenmuskulatur trainiert. Auch die für die Körperspannung notwendige Bauch- und Rückenmuskulatur werden stark beansprucht. Durch das vielseitige und auch hoch koordinative Training kann der ständig im Büro arbeitende Bürger seine Rumpfmuskulatur trainieren, sodass Rückenschmerzen gar nicht erst auftreten.“
Wichtig: Wer bereits Rückenschmerzen hat, muss die genaue Ursache abklären lassen. Bouldern ist keine Sportart, die Rückenschmerzen therapiert!

 

Sophie: „Nach dem Tag in der Kletterhalle habe ich die Beanspruchung vor allem in den Fingern, Händen, Armen und im Rücken gemerkt! An Beinen und Po aber auch“. Kein Wunder, wenn man über Kopf abhängt… Foto: Madlen Krippendorf

Muss man sich aufwärmen?

Ja! Vor allem Arme, Brustbereich und Schultern werden beim Bouldern beansprucht – wer sich hier gut aufwärmt (Liegestütz, Klimmzüge, kurzes Dehnen der Unterarmmuskulatur), hat später keinen Muskelkater. Denn den gilt es zu umgehen!

Ludwig: „Muskelkater ist nichts anderes als Mikrorisse im Muskel – die erst heilen müssen, bevor man den Muskel wieder belastet. Also: Auch wenn sich Muskelkater gut anfühlt – eigentlich ist es eine Verletzung.“

Kann man mit Bouldern abnehmen?

Ludwig: „Bouldern ist eher ideal, um Muskeln aufzubauen, mehr Kraft zu entwickeln, die Ausdauer zu steigern und seinen Körper zu definieren. Wer abnehmen will, ist beim Ausdauersport besser aufgehoben. Aber natürlich ist jeder Sport im Allgemeinen gut.“

So unterstützt die DAK Ihre Fitness:

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Um fit zu werden und zu bleiben ist Abwechslung besonders wichtig. Frische Tipps für mehr Spaß am Sport gibt's jeden „Fitwoch“ von der DAK, Foto: DAK

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