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Mein härtester Selbstversuch

Boxen OHNE sich zu vermöbeln

Nie ins Gesicht und kein Zurückschlagen. Boxfitness mit Stuntfrau Dany hat nichts mit sich schlagen zu tunFoto: Madlen Krippendorf
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Seilspringen, Kniebeugen, Dips. So soll ich boxen lernen?! Ich bin dabei, solange mir keiner ins Gesicht schlägt. Das hat mir die Berliner Stuntfrau und Boxtrainerin Daniela Kahl zugesagt. Und mehr noch: "Box Dich fit" ist ein ganzheitliches Training. Cool! Ich habe Lust auf einen neuen Sport und bin doppelt gespannt.

Meine Hände zittern noch, während ich diese Zeilen tippe. So schnell saß ich nach dem Erlebten noch nie am Computer. Mein Ziel dabei: schneller zu sein als mein Muskelkater! Während ich hier nämlich sitze und tippe, lässt die Steifheit meiner Finger Schlimmes erahnen. Auch der freundliche aber doch mit Schadenfreude angehauchte Blick meiner Trainerin Dany hat sich fest in mein Gehirn gebrannt: „Du wirst den einen oder anderen Muskel morgen auf jeden Fall spüren.“

Das Motto meiner Box-Trainerin Daniela Kahl: Boxen ohne schlagen oder geschlagen werden. Hier geht es um FitnessFoto: Madlen Krippendorf

Vor etwa einer Stunde habe ich mein erstes „Box Dich fit“-Training absolviert. Nicht in irgendeinem Boxstall und auch kein klassisches Boxen am Sack. Das wäre ja langweilig! Ich war in einem Fitnessstudio verabredet mit DER Berliner Stuntfrau und Fitnesstrainerin: Daniela Kahl, die für den Film „Resident Evil“ die Hauptdarstellerin Milla Jovovich gedoubelt hat. Puh, wenn ich das vorher gewusst hätte. Sie ist nämlich meine FitnessTrainerin! Boxen ist ihr Spezialgebiet im Doubeln. Hmmm.

Ausdauer, Kraft, ALLES! Seilspringen ist das beste Training der Welt. So geht es:

Ich soll von ihr lernen, wie Boxen zu meinem neuen Lieblingsfitnesstraining wird. Ohne Boxsack. Dafür mit vielen Koordinations-, Kraft- und Ausdauerübungen. „Dein Gesicht kriegt nichts ab.“ Das hat sie mir am Telefon hoch und heilig versprochen. Danach habe ich eingewilligt. Ich bin trotzdem ziemlich aufgeregt und viel zu früh. Ich kann mir das nicht wirklich vorstellen. Boxen ohne schlagen? Das kann doch nur Quatsch sein. Bisher hat mich dieser Sport auch nie wirklich gereizt – was soll am sich gegenseitig die Schädel einschlagen cool sein? Doof macht’s obendrein. Und weh tut’s auch noch! Also waaruum, bitte?!

Als ich die „Adidas Runbase“ betrete, wird mir sofort klar: Das hier ist auf jeden Fall AUCH nicht irgendwo. Das ist der alleroberturbocoolste Fitnessclub der Welt. Ja, der Welt, nichts weniger. Er liegt schon so cool im Berliner Hinterhof-Kreuzberg, dass sich immer wieder Feiergäste aus den umliegenden Clubs hierher verlaufen und nach langen, durchgefeierten Nächten desorientiert die nächste Station suchen. Dabei wird zwischen Tanz- und Fitnessclub natürlich nicht mehr unterschieden. (So auch heute. Vor mir lehnt ein Mann am Tresen, der dem geduldigen Trainer lallend erklärt, er wolle sich nur kurz setzen. Wird erlaubt. Toll! Hier ist für alle Platz. Fasziniert schaue ich ihm nach, wie er sich umständlich zwischen den gestählten Sportlern einen Platz sucht.)

So geht der Dip – seit einem Jahr mache ich das falsch. Doch damit komme ich bei Stuntfrau und FitnessTrainerin Dany nicht so einfach durchFoto: Madlen Krippendorf

Jetzt bin ich dran. Ich bekomme einen Schlüssel und soll mich zur Umkleide im oberen Stock der Fabrikhalle begeben – wo mir die erste Herausforderung begegnet: Wo ziehe ich mich um? Den Ladys-Trakt suche ich vergebens. Den gibt es nämlich im coolsten Club der Welt nicht. Hier ist alles Unisex. Aha. Gut. Dann ich auch.

Als ich meine Trainerin Dany treffe, habe ich ja schon einiges erlebt und bin dementsprechend fertig. Sie ist nicht nur cool und hat einen Wahnsinns!-Body, sie ist auch einfach sehr nett. Ihre Zuversichtlichkeit und die Leichtigkeit, mit der sie über die kommende Stunde (60 Minuten! Ich dachte eher so was wie 40 sei normal) spricht, entwaffnet mich sofort. Ich fühle mich jetzt auch cool! Es kann losgehen.

„Wir beginnen mit einem kurzen Warm-up“, sagt Dany strahlend. Ah gut, denke ich. Nicht sofort Vollgas. Was sich wieder mal als nicht ganz richtig entpuppt (langsam könnt ich’s doch wissen!). Das „Warm-up“ ist nämlich abwechselnd Seilspringen und Schattenboxen. Seilspringen?! Kann ich nicht – hab ich zuletzt mit zwölf gemacht. Und damals schon grottenschlecht, denke ich. Sage aber nichts.

Seilspringen zum Aufwärmen: Hätte ich doch im Schulsport besser aufgepasst …Foto: Madlen Krippendorf

Das Seil, das sie mir reicht, scheint mir viel zu lang. Ist es aber gar nicht, wie ich lerne. Ich starte viel zu verkrampft. Nach zehn Sekunden bin ich schon völlig außer Atem. Eine Minute muss ich durchhalten. Und ich bin nur halb so schnell wie Dany. „Das braucht Zeit“, sagt sie aufmunternd. Danach heißt es, 20-mal nach vorne zu schlagen mit den Armen. Dabei soll ich tausend Sachen beachten: Ellbogen an den Körper; gerade nach vorne, erst ganz vorne Druck ausüben; auch zurück den Arm kontrolliert führen … Mir raucht der Kopf. Das hat tatsächlich nichts mit „sich auf die Fresse hauen“ zu tun. Das ist ja super kompliziert!

„So jetzt machen wir eine Runde Krafttraining. Am wichtigsten ist beim Boxen die Rumpfmuskulatur. Und die muss erst mal trainiert werden, damit du erfolgreich boxen kannst“, sagt sie, als wäre es nichts. Na, so schlimm wird’s schon nicht sein. Ich bin ja fit, laufe zwei- bis dreimal die Woche. Wieder Pustekuchen. Die Muskeln, die beim diesem Kraft-Zirkel-Training zum Zug kommen, kannte ich bisher nicht oder kaum.

Diese fünf Kraftübungen sind die Basis für Danielas „Box Dich Fit“-Training. Auch zu Hause leicht machbar:

Jetzt verstehe ich den Unterschied zum Warm-up. Zwischen Dips, High Knees und mehreren Bauchübungen mit Medizinbällen, die sich wie Beton heben, habe ich plötzlich das Gefühl, ich bewege mich im Wasser und komme nicht voran. Langsam gehe ich unter. Ich gleite zum Boden … „Anna …. Anna …“, höre ich aus dem Off: „Noch zwei, eins. Geschafft.“ Dany nimmt mir den Ball aus der Hand. Ich bin noch immer unter Wasser, merke gar nicht, dass sie mit mir „High five“ machen will. Halleluja. Ganz schön peinlich. Kurze Pause – gefühlte Zehntelsekunden – dann noch eine Runde. Ich reiße mich zusammen. Diesmal bin ich besser. Konzentration und Wille helfen. Ich will zumindest die Riesenblamage vermeiden.

Auch diesmal gibt’s wieder Lob. Jetzt kann ich es auch besser annehmen. Langsam komme ich rein. Nach einer halben Stunde. Bravo, Anna! „Der letzte Teil ist der beste: Jetzt geht’s ans Boxen“, erklärt Dany. Bevor sie mir die Grundschläge beibringt, zeigt sie mir die Ausgangslage: linker Fuß nach vorne, rechter nach hinten (bei Rechtshändern. Linkshänder vice versa). Daran ändert sich während des gesamten Kampfes nichts. „Das Gewicht muss in der Mitte bleiben, sonst liegst du schnell am Boden.“ Macht Sinn.

Gerade und locker nach vorne. Erst am Ende die Kraft einsetzen. Boxen ist vor allem KonzentrationFoto: Madlen Krippendorf

Die ersten Minuten versuche ich nur, die Technik zu verstehen: Jab, Cross, Hook, ausweichen, abtauchen. In verschiedenen Abfolgen üben wir diese fünf Grundschläge. Der Unterschied zum klassischen Boxtraining: Es gibt keinen Boxsack, an dem man sich das Handgelenk verletzen kann. Und auch keinen Gegner, der zuschlägt. Es geht um kontrollierte Schläge in die „Pratzen“, auch genannt Schlagpolster, des Partners. Nicht ins Gesicht! Es ist eine Trainingsmethode. Keiner muss Angst haben.

Wie anstrengend es war, merke ich erst, als ich meine aufgeweichten Hände aus den Boxhandschuhen ziehe. Atmungsaktiv ist anders …Foto: Madlen Krippendorf

Ich bin jetzt richtig heiß. Meine Sensoren stehen auf Vollpower. Hochkonzentriert platziere ich die ersten Schläge: Zwei nach vorne mit links, einer mit rechts, dann Hook mit links, ausweichen, links rechts links. Ich werde immer besser. Das macht Bock! Ich bin so drin, dass es sich nicht mehr wie Sport anfühlt. Erst als Dany abbricht, spüre ich mich wieder. Meine Arme zittern, Knie und Oberschenkel Wackelpudding. Meine Hände kochen in den Boxhandschuhen und als ich sie runterziehe, sehen mich traurig verschrumpelte Badewannenfinger an. Irre. Ich bin völlig baff, wie viel ich offensichtlich getan habe, ohne es zu merken. Das taugt mir! Endlich ein Sport, bei dem man vergisst, dass man Sport macht.

Richtig „abzutauchen“ ist essenziell beim Boxen. Im Grunde nichts anderes als ständige KniebeugenFoto: Madlen Krippendorf

Die letzte Viertelstunde üben wir noch weitere Abfolgen der Grundschläge. Nicht nur der Schlag nach vorne spielt eine Rolle. Am anstrengendsten finde ich das „Abtauchen“, was einfach Tausende von Kniebeugen sind. Meine Beine sind aber glücklicherweise recht fit – irgendwas muss das ständige Laufen ja heute bringen!

Nach dem 60-Minuten-Powertraining mit Dany bin ich schon gut fertig. Mit meiner Performance bin ich nicht überglücklich. Ehrlich gesagt bin ich wieder mal schockiert, wie wenig mir meine Lauf-Fitness gebracht hat. Das Training an sich ist sehr hart, aber es macht richtig Spaß. Ich glaube, es wird meine Alternative zum langweiligen Krafttraining an den Geräten im Studio. Das suche ich schon ewig. Auch im DAK-Sportarten-Finder habe ich mich schon inspiriert. Das hat mir geholfen, herauszufinden, welcher Sporttyp ich bin – super spannend!

Yeah – ich muss zugeben: Ich bin hooked! Boxen macht BockFoto: Madlen Krippendorf

Ein wenig kratzt es ja schon an meinem Stolz, dass mir die coole Stuntfrau eine ehrliche 3 gibt. Schulnoten-Bewertung. Auf meinen Wunsch. Alte Gewohnheit. Ich bin also Mittelmaß. Nicht mehr lange!

Gesund sein und Boxen – kein Widerspruch! Das hat Personal Trainer Patric Heizmann am eigenen Leib erfahren. Hier sehen Sie, wie …


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