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Vier Tage Women's Bike Camp

Keine Angst vor scharfen Kurven

Beim Women's Bike Camp in Saalbach Hinterglemm regnete es wie aus Kübeln. Für die Laune von Reporterin Stephanie Neubert war das aber kein Wolkenbruch Foto: Madlen Krippendorf
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Traumhafte Landschaften, frische Gebirgsluft, Teamgeist, jede Menge Spaß und Nervenkitzel – das bietet das Women’s Bike Camp in der Mountainbike-Hochburg Saalbach Hinterglemm. Auch Einsteigerinnen wie ich sind herzlich willkommen. Denn: Der Berg ruft!

Mit 30 Kilometern pro Stunde donnere ich auf meinem Bike eine grüne Wiese herunter. Mein Herz schlägt bis zum Hals. Adrenalin pur. Und unendliches Glücksgefühl. Links von mir muhen die Kühe, rechts erstrecken sich die Gipfel der Kitzbüheler Alpen.

Ich bin eine der 70 Teilnehmerinnen des Women’s Bike Camp in Saalbach Hinterglemm, ein Event in Kooperation mit der Erdinger Alkoholfrei!

Vier Tage sporteln wir durch die schönsten Landschaften Österreichs, lernen wie gutes Teamwork funktioniert. Ein Abenteuerbericht!

Insgesamt knapp 70 Frauen genossen die Landschaft in den österreichischen Alpen.  Das Gebiet gilt bei Insidern als Bike-Mekka und bietet ein facettenreiches Wegenetz mit über 400 Kilometern RadwegFoto: Madlen Krippendorf

Vor dem ersten Ride gibts Powerfood

Um 10 Uhr am Donnerstag steige in das Flugzeug und bin total gespannt, was mich erwartet: Workshops, Techniktraining, coole Strecken, viel Natur und gleichgesinnte Mountainbikerinnen. Women only? Vier Tage durchgehend nur mit Frauen. Uiuiui, wenn das mal gut geht …

Nach eineinhalbstündiger Autofahrt komme ich im „Young Generation Resort Buchegg“, meiner Homebase für die nächsten Tage, an. Die meisten Teilnehmerinnen sind schon da, aber noch auf ihren Zimmern und ziehen sich an.

Über uns schweben dicke Regenwolken, es beginnt zu tröpfeln. „Pack dich gut ein und zieh am besten diesen Regenoverall an“, empfiehlt mir Veranstalterin Sabrina nach einer herzlichen Begrüßung. Nach einer kurzen Stärkung mit Nüssen, Bananen und selbst gemachten Powerriegeln – ja die richtige Nahrung ist wichtig, denn pro Ride verbrennt hier jeder cirka 1000 Kalorien.  Ich steige ich in meine Bike-Klamotten und ziehe den knallpinken, wasserdichten Dirtsuit drüber. Krasser Look, damit werde ich garantiert nicht übersehen!

Die tolle Landschaft sorgt bei unserer Autorin Stephanie für gute Laune, die Klamotte in Signalpink dafür, dass man nicht übersehen wird

70 Powerfrauen aus ganz Europa

Vor dem Haus warten die Aussteller, die mich und die anderen Teilnehmerinnen mit allem ausstatten: Helm, Brille, Knie- und Ellbogenschützer, Schuhe, Handschuhe, wasserdichtem Rucksack und natürlich einem geeigneten Bike.

Jetzt sehe ich zum ersten Mal meine Camp-Gefährtinnen: fast 70 Frauen, angereist aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien. Manche kennen sich, manche sind alleine da. Die haben bestimmt alle schon viel mehr Erfahrung als ich und sind total genervt, wenn ich nicht hinterherkomme. Weg mit diesen Gedanken! Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Viel wichtiger: Soll ich ein normales Mountainbike nehmen oder ein E-Bike? Hier scheiden sich die Geister. Für die einen sind die Fahrräder mit Motorunterstützung nur was für Faule, für andere ist es die Rettung, wenn man lange Touren oder bergauf fahren möchte.

Faul? Ich doch nicht! Also entscheide ich mich für ein Enduro-Mountainbike, das auch für hochalpines Gelände geeignet ist. Jetzt werden wir in Gruppen eingeteilt. Ich bin in der Einsteigergruppe, die von den beiden Trainerinnen Elke Mooseder und Greta Weithaler geleitet wird.

Mountainbike-Guide Tina Bek gibt ihr Wissen an uns weiter

5 Fragen an Mountainbike-Profi Greta Weithaler:

  1. Warum sollte man mit dem Mountainbiken anfangen?
    „Weil es unglaublich viel Spaß macht und so vielseitig ist. Durch die  unterschiedlichen Disziplinen wie Enduro, Cross Country und Downhill ist am Ende für jeden etwas dabei.“
  2. Was sollten Einsteiger beachten?
    „Die richtige Fahrtechnik ist das A und O beim Biken. Ich empfehle immer einen Fahrtechnikkurs mit ausgebildeten Mountainbike-Trainern zur Sicherheit.“
  3. Warum empfiehlst du spezielle Bike Camps für Frauen?
    „Weil die Frauen hier ohne Druck biken lernen oder ihre Leidenschaft vertiefen können. Hier lernen die Gruppenteilnehmerinnen miteinander und voneinander und machen viel schneller Fortschritte.“
  4. Welche Eigenschaften sollte man mitbringen?
    „Klar, hat man einen Vorteil, wenn man schon Wintersport macht und ein Gefühl für Geschicklichkeit und Balance hat. Aber im Grunde kann jeder mit dem Mountainbiken anfangen, der gerne in der Natur ist und Freude am Fahren hat.“
  5. Was braucht man fürs Mountainbiken?
    „Okay, der Sport ist nicht gerade billig: Für ein Bike, ob vollgefedert oder ohne Federung am Heck, in Carbon, Alu, Stahl oder Titan kann man locker mehrere Tausend Euro hinblättern. Hinzu kommt die Ausrüstung. Hier sind die Camps klar im Vorteil, weil man sich alles ausleihen und Neuheiten in Ruhe testen kann. Anfängern rate ich übrigens immer zu einem Allrounder.“
Beim Mountainbiken ist vieles Einstellungssache 

Auf einem Hügel hinter dem Hotel findet das Techniktraining statt. Denn bevor es überhaupt auf einen Trail geht, lernen wir von unseren Guides erst einmal elementare Positionen und Techniken. Mittlerweile ist aus dem leichten Sprühregen richtiger Regen geworden. „Das macht gar nichts. Im Gegenteil, das ist sogar gut. Dann lernt ihr gleich, wie man bei schlechtem Wetter fährt und richtig bremst“, ermutigt uns Trainerin Greta, eine waschechte Südtirolerin.

Unser gemeinsames Ziel: Spaß UND Sicherheit – auch bei Nässe und Matsch. Zuerst üben wir die Grundposition. Sobald fahrtechnische Manöver anstehen oder es bergab geht, sollte man aus der sitzenden Position in die Gorillahaltung über dem Bike wechseln. Denn nur im Stehen kann man eine optimale, aktive Fahrweise vollziehen.

Wichtige Biker-Regel: Erst mal zum Affen machen

„Einfach nur im Sattel hängen? Ist nicht! Ihr müsst mit dem Bike arbeiten“, höre ich eine Stimme auf dem Off. Okay, verstanden. Ich gehe aus dem Sattel, die Pedale stehen waagerecht, der Körperschwerpunkt ist über dem Tretlager, das Gesicht ist über dem Vorbau, die Knie sind angewinkelt und die Ellbogen übertrieben nach außen gestellt. Wie ein Gorilla in Angriffshaltung.

Bergab geht’s in der Gorillahaltung 

Sieht witzig aus, wie wir alle den Affen machen. Ich muss lachen. Für einen sicheren Stand und eine optimale Kraftübertragung sollen wir die Fußballen kurz vor der Pedal-Achse positionieren. Gesagt, getan. Dann geht es um einen der wichtigsten Punkte in Sachen Sicherheit: die Bremstechnik. „Um kontrolliert und dosiert bremsen zu können, sind die Zeigefinger an den Bremshebeln. Nur so könnt ihr den Lenker auch in gefährlichen Situationen gut halten“, erklärt Trainerin Elke mit ihrem charmanten, bayrischen Akzent.

Um ein Gefühl für die Bremsen zu bekommen, machen wir zuerst ein paar Trockenübungen und heben abwechselnd Hinter- und Vorderrad hoch. Dann geht’s los! Wir fahren nacheinander den Hang runter. „Denkt dran: 30 Prozent Hinterrad-, 70 Prozent Vorderradbremse, der Schwerpunkt ist hinter dem Sattel“, ruft Elke.

Ich setze mich auf meinen Sattel, gehe in die Gorillaposition und versuche, die Bremstechnik „30 zu 70“ umzusetzen. Hat geklappt, wenn auch etwas unsicher. „Um die Bremskraft ausgewogen auf Vorder- und Hinterrad zu verteilen, braucht man Übung und Fingerspitzengefühl. Also los, die nächste Runde”, feuert uns Greta an.

Schlechtes Wetter macht bei uns gute Laune

Der österreichische Schnürlregen konnte dem Teamgeist nichts anhaben – im Gegenteil

Es regnet in Strömen, aber die Gruppe ist motiviert und heiß aufs Biken. Beim zweiten Versuch bremse ich zu ruckartig. Macht nichts, weiter geht’s! Das nächste Mal klappt es wieder besser. Nach ein paar Durchgängen sind wir alle pitschnass. Aber niemand jammert, alle machen weiter. Wir tasten uns Stück für Stück ran, wie man in unterschiedlichen Situationen das Gewicht verlagert, damit man nicht stürzt.

Als Nächstes üben wir „Uphill“, also bergauf fahren. Sattelstütze absenken, ein Fuß ist auf dem Pedal, der andere berührt den Boden, und in einen leichten Gang schalten. Ich wähle den leichtesten Gang und komme kaum voran. Es fehlt einfach der Schwung. Noch ein Versuch. Wackelpartie! „Bei steilen Anstiegen ist es wichtig, dass das Vorderrad stets Bodenkontakt hat. Verlege dein Körperschwerpunkt nach vorne und senke den Oberkörper“, rät mir Greta. Und tatsächlich, es funktioniert. Alle jubeln. Noch ein paar Runden. Dann bauen die Guides einen Übungsparcours auf, damit wir die Kurventechnik lernen. Wir sollen einfach losfahren, die Guides korrigieren uns hinterher.

Mit der richtigen Technik wird jede Kurve genommen

Technik ist alles

Schnell merke ich, dass enge Kurven nicht meine Stärke sind. Ich bin immer zu langsam und falle aus der Kurve. „Der Trick ist, den Blick schon beim Einfahren auf den Kurvenausgang oder besser noch auf die nächste Kurve zu richten“, verrät Greta. „Kopf und Schulterachse drehen sich in die Kurvenrichtung, Hüfte und Knie folgen dieser Drehbewegung automatisch.“ Okay, ich versuche, den Blick nach vorne zu richten und es funktioniert gleich viel besser. Danke für den Tipp. Morgen ist ja auch noch ein Tag!

Jetzt heißt es: aufwärmen! Meine Hände sind vom Regen total aufgeweicht, meine Socken und Schuhe triefen. Ich nehme erst einmal eine heiße Dusche, bevor es mit dem Schrauber-Workshop weitergeht. Ich und Reifen flicken? Beim Mountainbiken sind Pannen nicht selten. Daher sollte jeder lernen, wie man einen Schlauch wechselt. Na gut, ich muss ja nicht gleich zum Bikemechaniker umschulen und gebe mir Mühe.

Im Gelände kommt es oft zu Pannen. Deshalb ist es wichtig, kleinere Reparaturen selbst durchführen zu können 

Biken ist auch unbedingt Kopfsache

Einen Programmpunkt will ich mir auf keinen Fall entgehen lassen: den Achtsamkeits-Vortrag. Dort lernen wir, was es heißt, achtsam zu biken. Man sollte nämlich jeden Augenblick wissen, was man tut. Beim Mountainbiken benötigt man nicht nur Kraft, Ausdauer und Geschick, sondern auch eine gehörige Portion Unerschrockenheit. Der Vortrag und die Übungen machen mir Mut, meine Angst vor steilen Kurven zu überwinden. Alle gehen früh ins Bett, um fit für die erste richtige Tour zu sein.

Einfach mal rumgondeln

Viele Trails sind zwar mit der Gondel zu erreichen, aber damit ich mithalten und meine Kräfte sparen kann, wähle ich für die kommenden Tage ein E-Bike. Als Erstes steht die „Milka Line“, eine anfängerfreundliche und breite Strecke mit weiten Kurven, kleinen Holzelementen und einem leichten Gefälle, auf dem Plan. Bequem fahren wir mit der Schönleitenbahn auf den Gipfel und besprechen unsere Tour.

Die gute Nachricht: Man muss sich nicht auf jeden Hügel, von dem man man runterdonnern will, auch raufquälen 

Unser Team aus neun Frauen und zwei Guides geht in Position. Rauf auf den Sattel, auf die Pedale und los geht’s. In einer Kurve fahre ich zu langsam – eines meiner Grundprobleme –  und kippe fast um. „Geht mir auch so. Ich mache diesen Fehler auch immer“, sagt eine Kollegin. „Aber zusammen bekommen wir das schon hin.“ Ja, sie hat recht. Teamgeist zählt! Die nächsten Kurven laufen viel besser. Ich genieße das unglaubliche Gefühl von Freiheit und sauge die atemberaubende Landschaft um mich herum förmlich ein.

Auch wenn’s von oben nass kommt, ist es wichtig, genug zu trinken und den Körper mit Spurenelementen zu versorgen – z.B. mit Erdiger Alkoholfrei

Der insgesamt fast drei Kilometer lange Trail führt uns über weitläufige Almwiesen, vorbei an wunderschönen Wäldern und endet wieder direkt an der Kohlmais Talstation. Wir klatschen uns ab und jubeln! Wow, das hat Spaß gemacht! Auf einer Hütte am Ende der Trails kehren wir zum gemeinsamen Mittagessen ein und genießen unseren wohlverdienten After-Ride-Drink, ein Erdinger Alkoholfrei. Jede Teilnehmerin erzählt, wie sie den Trail empfunden hat und mit welchen Passagen sie Probleme hatte. Wow, ich bin also nicht die Einzige! Ich fühle mich aufgehoben in meiner Gruppe. Der Teamgeist ist in mir ist geweckt!

Frauen unter sich: Der Genuss darf beim Biken nicht zu kurz kommen

Kurven-Queens

Im letzten Abschnitts des Trails hinter unserem Hotels übt Guide Greta auf meinen Wunsch noch mal mein Spezialgebiet, enge und steile Kurven. So bin ich gewappnet für die kommenden Strecken.

Die gemeinsamen Stunden auf dem Bike schweißen zusammen. Wir steigern uns bis zur Z-Line an der Zwölferkogelbahn. Die mittelschwere Strecke mit Wallrides, Northshore-Passagen sowie Wellen, Tables ist eine echte Herausforderung für mich. Schon von der Gondel aus sehe ich, wie die Strecke verläuft. Respekt, ganz schön steil. Doch dank unserer beiden Tourguides Elke und Greta fühle ich mich safe.

Mit Teamgeist (und manchmal einer Fahrt mit der Gondel) lassen sich sportliche Herausforderungen leichter meistern 

Die Guides fahren den Trail nicht am Stück, sondern halten regelmäßig an und analysieren mit uns die Strecke. So wissen wir, wie wir steile Kurven, Holz und knifflige Hindernisse am schlausten bewältigen. Ist ein Abschnitt geschafft, ertönen freudige Jubelschreie. Von Konkurrenzverhalten keine Spur.

Mit Männern wäre das anders. Die Typen, die ich bisher hier gesehen habe, ballern die Berge nur so runter. Wir Frauen wollen eher unser technisches Können verbessern und achten auf unsere Gruppe. Meine Augen sind hochkonzentriert auf den Trail gerichtet. Wo ist die schnellste Linie, wo bremst keine Wurzel, kein Stein den Fluss? Als ich an einer Stelle wieder zweifle und mich nicht traue, feuern mich meine Mitstreiterinnen wieder an. Ich nehme all meinen Mut zusammen, atme tief durch und trete fest entschlossen los. Geschafft! Das ist Adrenalin pur!

Der Lohn der Plackerei sind die tolle Aussicht und das Gefühl, jede Kurve problemlos meistern zu können

Die Belohnung auf dieser zweieinhalbstündigen Abfahrt ist unbezahlbar. Der Blick auf Bergkulisse, die Wälder und Flüsse ist einmalig. Ich spüre, wie Glücksgefühle meinen Körper durchströmen. Nach den vier Tagen fühle ich mich zwar ausgepowert, aber total beseelt. Mountainbiken von Frauen mit Frauen zu lernen, war die beste Entscheidung ever. Und Matsch und Regen gehören einfach dazu!

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